Neue Konzepte an sich sind immer bemerkenswert in Zeiten von Plattenfirmen, die eher in leicht zu "vermarktende" Produkte statt in künstlerischen Wert investieren.
So ist es dem antreibenden Enthusiasmus des Duos Schönherz & Fleer zu verdanken, dass nun schon die dritte CD des "Rilke-Projekts" das Licht der Welt erblickt hat.
Die Gedichte von Rilke sind schlicht und frei von Kitsch, und so werden sie auch rezitiert. Manchmal leidet der Fluss dadurch ein wenig, dass die Verse auf die Länge der Songs gespreizt werde und dadurch eher wie Sprachfragmente wirken.
Die Musik legt schöne Klangewebe unter die Worte, ohne sich jemals in den Vordergrund zu drängen. Vor allem die eher elektronischen Arrangements (Die Liebenden, Alles ist eins, Lieben) funktionieren gut und nähern sich dem Cafe-del-mar-Ideal. Gekonnt eingeflochtene Instrumente (Akkordeon, asiatische Geigen, die kühle Trompete Till Brönners) erzeugen facettenreiche Klangstimmungen.
Nur dort wo die wenigen Musiker versuchen, die Anmutung eines ganzen Orchesters zu schaffen entsteht eine verkitschte Phantom-der-Oper-Synthetik (z.B. in dem Lied Kindheit). Genauso gibt es dort Schwierigkeiten, wo die Musiker gewohnten Deutschpop in die Lieder einschleppen (Laith Al-Deen, Klaus Meine)
So bleibt, die Schauspieler zu loben, die sich den starken Versen unterordnen (bis auf Andre Eisermann, der zu sehr "schauspielert") Christiane Hörbiger klingt mütterlich weise, Iris Berbens Stimme rezitiert wunderbar klar und intensiv, Veronica Ferres klingt lustvoll, und sogar die nölige Stimme Udo Lindenbergs gibt den worten einen eigenen Charakter.
Alles in allem eine tolle und mutige CD-Reihe, die zeigt, was Kunst vermag, wenn man ihr Raum und Chance einräumt. Noch mehr musikalischen Mut in Richtung Elektronik oder richtige Orchesterklänge, und das ganze wäre noch gehaltvoller