Gleich zu Beginn des 151 Seiten umfassenden Romans muss der Leser schwer schlucken. Im Prolog, der die außerirdischen Wesen, ihre Ziele und ihr Handeln vorstellen soll, handelt Autor John Shirlay so beiläufig Gewalt und Grausamkeit in allen möglichen Varianten ab und scheut nicht vor der expliziten Darstellung zurück, dass es einem in Anbetracht der nächsten Seiten mulmig wird.
Zum Glück bleibt die Perversion ab dem ersten Kapitel in erträglicherem Maß, nimmt schon beinahe überraschend ab. Erst gegen Ende nimmt der Grad der Gewaltdarstellung wieder zu und rüttelt so mehr auf, als es eine Gleichmäßigkeit der Darstellung erreicht hätte.
Als roter Faden der Handlung, die zunächst in mehrere Einzelgeschichten aufgesplittet ist, fungieren die außerirdischen Wesen, allen voran H, der die Experimente durchführt. Als neutrale, außen stehende Beobachter erleben sie mit dem Leser die menschlichen Entgleisungen hin zu Gewalt und Brutalität.
Leider kann die Geschichte nicht recht überzeugen. Die sinnlose Gewalt in der Welt braucht keine Außerirdischen, die sie herbeiführen, die verschiedenen Szenarios sind teilweise abstrus, wenn auch unterhaltsam. Aber eine richtig klare Linie lässt sich nicht erkennen.
Die Zusammenführung der einzelnen Charaktere, die bereits einiges durchmachen mussten, kann beim Finale auch nicht punkten. Zwar gibt es dadurch noch den einen oder anderen blutigen Höhepunkt und die makabre Irrationalität des Ganzen hat einen gewissen Reiz, doch verlieren die surrealen Vorkommnisse auch an Überzeugungskraft. So hinterlässt das Ende einen eher zwiespältigen Eindruck.
"In der Hölle" ist ein unterhaltsames, stellenweise sehr brutales Stück Literatur, das von Shirleys schnörkellosem, guten Stil und seinem Hang zu morbiden Situationen lebt. Allerdings schwächelt der Roman an manchen Stellen und kann von der Dramaturgie her nicht immer überzeugen. Empfindlichere Leser werden ohnehin keinen Spaß an der expliziten Gewalt finden.