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1973: Wegen Unstimmigkeiten mit ihrem Label, welches ihre musikalischen Vorstellungen als zu überladen empfand, beschloss Gentle Giant das Label zu wechseln. Laut Vertrag musste man aber noch ein Album herausbringen. Es entstand "In a Glass House". Dieses Konzept-Album schildert die Probleme der Band mit ihrem Label (Wer im Glashaus sitzt....) und ist ein weiterer Meilenstein der Band, der nichts von ihren Problemen erkennen lässt. Das hochkünstlerische Werk zeichnet sich durch Abwechlungsreichtum sowohl der Instrumentation, als auch der formalen Struktur der Stücke aus. Tonbandeinspielungen von zerschepperndem Geschirr, aus denen sich nach und nach ein Rhythmus formt, Blockflötensound, Streichquartett, Vibraphon, Pauke, Xylophon und mittelalterlicher Minnesang sind hier ebenso vorhanden wie schnörkellose Riffs, markante Soli (Gitarre & Keyboard) und ein perfektes Zusammenspiel der Rhythmus-Gruppe, über der sich Derek Shulman als Rock-Sänger entfalten kann. Das Album wie auch die Gruppe verdient höchste Anerkennung für den gelungenen "Spagat" zwischen den Stilen. Die Eigenschaft, ästhetischen Anspruch mit Spass zu verbinden, vordergründige Gags zu vermeiden und spielerisch die Grenzen der Studiotechnik auszuloten, ohne verspielt zu sein, ist seither keiner Band mehr gelungen. Allen , die noch nichts von dieser Gruppe gehört haben, kann ich "In a glass House" auch als Einsteigerwerk sehr empfehlen. Die Gentle-Giant-Süchtigen, die dieses Album in ihrer CD-Sammlung vermissen, möchte ich zum Kauf anregen, da es das einzige ist, was bisher noch nicht auf CD veröffentlicht wurde.
Egal ob brechendes Glas als Rhythmuspattern genutzt oder eine Kirchenorgel gegen rockige Strukturen gesetzt wird, all das gab es in der Vergangenheit in ähnlicher Form zwar auch schon, aber eben nie in dieser Präzision und mit dieser manischen Spielfreude. Überhaupt wirken die Kompositionen, als seien sie mit uhrwerkhafter Präzision eingespielt, jeder instrumentale Einsatz sitzt perfekt.
Ein Stück speziell herauszudeuten fällt mir bei diesem Album wirklich schwer, denn alle sind qualitativ ganz oben angesiedelt: meine beiden Lieblingstitel neben dem title track sind Experience und The runaway - diese vielleicht als Anspieltipps.
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