"In The Garden" ist wohl das unbekannteste Album der Eurythmics. Als es 1981 erschien, ging es fast vollkommen unter und keiner der Songs wurde zu einem Hit. Ich habe mir das Album irgendwann in den Achtzigern gekauft, als es nach dem Riesenerfolg von "Sweet Dreams" nochmal in die Läden kam. Damals dachte ich, es sein ein merkwürdiges Album und legte es sehr schnell wieder in den Plattenschrank. Heute muss ich sagen: ich habe damals wohl irgendwas übersehen. "In The Garden" ist vollkommen anders als jedes darauffolgende Album der Eurythmics. Hier dominierten noch nicht so sehr die Synthesizer, sondern man spielte mit echten Instrumenten und Musikern (unter anderem mit dem Drummer Clem Burke von Blondie). Die Titel sind zum Teil wunderschön wie das wirklich brilliante "English Summer", rockig- melodiös wie "Belinda", traurig wie "Never Gonna Cry Again" oder zynisch wie der Knaller "Revenge". 1981 erschien mir das alles zu verschwommen und es war nicht erkennbar, welchen Stil Annie Lennox und David A. Stewart eigentlich haben wollten, aber heute finde ich dieses Album (abgesehen von dem gräßlichen Punk- Rocker "Caveman Head"- woäääääää) einfach traumschön, fast schon- auch wenn das Wort ein wenig abgenutzt erscheint- ätherisch. Annie Lennox singt sehr weich, sehr einfühlsam und noch nicht mit so einer Autorität wie auf "Sweet Dreams" oder "Touch". Aber all das ergibt eine gelungene Mischung. Diese Wiederveröffentlichung hat zudem einen wunderbaren Sound und wie alle anderen neu gemasterten Re- issues der Eurythmics ein tolles Booklet. Über die Bonus- Tracks kann man streiten ("Heartbeat HeartbreaK" ist wieder so ein sonderbares Punk- Stück und "Le Sinistre" etwas sehr düster), aber man kann die Tracks ja programieren beim Abspielen. Einen Punkt Abzug gibt es allerdings ebenfalls für die Bonus- Tracks: es fehlen definitiv einige der damals auf den Singles veröffentlichten Versionen und das ist bei allen anderen remasterten Eurythmics- Alben leider auch so: auf "Touch" fehlen die Extended Versions von "Who's That Girl" und "Right By Your Side", auf "Sweet Dreams" die altnernative Version von "I Could Give You A Mirror", auf "Savage" fehlen die Remix- Versionen von "You Have Placed A Chill In My Heart" und "Do You Want To Break Up" und auf "We Too Are One" fehlt peinlicherweise die im Booklet abgebildete damalige B- Seite "Rich Girl" und die lange Version von "Revival". Schade, denn so fehlen den Fans immmer noch ein paar tolle Songs, die sie schon lange auf CD gesucht haben. Aber trotzdem: davon ganz abgesehen: "In The Garden" ist ein traumschönes, sehr hörenswertes Album, das es wert ist, wieder entdeckt zu werden.