"Liebe, Terror und eine amerikanische Familie in Hitlers Berlin" lautet der Untertitel - die amerikanische Familie, von der die Rede ist, ist die des Botschafters Dodd, der 1933 kurz nach der Machtübernahme in die deutsche Hauptstadt gechickt wurde. Dodd war weder ein Berufspolitiker noch ein aus der riechen Oberschicht stammender Diplomat, sondern der Sohn eines Landarbeiters, der sich zu einem Professor für Geschichte hoch gearbeitet hatte. Als der Posten zu besetzen war, war er nur dritte Wahl und er nahm ihn auch nur mit gemischten Gefühlen und mehr aus Pflichtbewusstsein an. In Berlin angekommen eckte er bald bei seinen eigenen Leuten an: Er versuchte, eine sparsame Wirtschaftsführung durchzusetzen. So ließ er z.B. ostentativ das Famileinauto nach Berlin bringen, um auf Luxuskarossen zu verzichten. Er geriet bis zu seiner Abberufung immer deutlicher zu kritischer und schließlich völlig ablehnender Distanz zum Berliner Regime und weigerte sich u.a. als Gast an den Parteitagen der Nazis teilzunehmen. Auch die zahlreichen Affairen seiner Tochter, u.a. auch mit einem Mitarbeiter der sowjetischen Botschaft, wurden stirnrunzelnd beobachtet.
Die politische Haltung des Botschafters wurde im foreign office nicht gern gesehen. Man wollte in Berlin einen Vertreter haben, der sich weitgehend aus den Entwicklungen heraushielt, der sich wie ein höflicher Gast benahm. So wurde Dodd schließlich auch abgelöst, an seine Stelle kam ein - man kann es nicht anders ausdrücken - ignoranter Vollidiot, der in seinen Verlautbarungen die Poltik der Nazis pries. Geprägt wurde seinerzeit diese Form der Außenpolitik von den Isolationisten, die hofften, dass sich die USA aus den europäischen Verwicklungen heraushalten könnten. Dass diese Hoffnung naiv war, hat die Geschichte bewiesen.
Man kann dieses packend geschriebene Buch sehr gut als Ergänzung zu dem Werk "Das Amt" lesen. Während dort sehr faktenreich aber kochentrocken die Geschichte des deutschen Außenministeriums beschrieben wird, erhält man hier einen äußerst lebendigen Eindruck davon, wie Diplomatie in der Nazizeit in Deutschland praktisch betrieben wurde. Larson konzentriert sich dabei auf das erste Jahr Dodds, auf die Zeit bis zum Röhm-Putsch. Erschreckend deutlich wird dabei so manches, u.a. wie sehr in aller Welt und insbesondere in den USA die vom Nationalsozialismus ausgehende Gefahr unterschätzt wurde, wie weit verbreitet der Antisemitismus auch in den westlichen Demokratien verbreitet war und wie man vor den Judenverfolgungen in Deutschland die Augen verschloss. Eine Initiative seitens der amerikanischen Regierung zu intervenieren wurde z.B. mit dem Argument abgebügelt, dass man davon lieber die Finger lassen wollte, weil man kritische Fragen befürchten müsste, warum in den Südstaaten die ehemaligen Sklaven noch keine vollen Bürgerrrechte hätten und dort immer wieder Lnychmorde stattfinden würden.
Es wäre zu begrüssen, wenn diese spannende und wichtige Geschichts-Reportage einen deutschen Verleger finden würde.