Schon ihre Debutsingle ,Bela Lugosi's Dead' konnte zartbesaiteten Teenagern das Blut in den Adern gefrieren lassen, aber das Debut Album ,In The Flat Field' war wahrscheinlich eine der verstörendsten Platten des Jahres 1980.
Dass sich das auch heute noch - im Vergleich zu aktuellen alternative acts - frisch, unverbraucht und sehr dringlich ausnimmt, spricht nicht nur für die Qualität dieses Albums, sondern erklärt auch den Kultstatus der Band. Ohne Bauhaus kein Industrial, keine Nine Inch Nails, kein Goth - dabei war diese Band soviel mehr als nur ,Goth'.
Eigentlich eine Post Punk Band, bewiesen Sie, daß man handwerklich nicht unbedingt großartig sein muß, um atmosphärische Dichte und emotional packende Musik zu machen. Klar - der Grundton ist immer sehr düster, aber wie gekonnt Sie das hier auch immer wieder mit Elementen des Glam-rock verbinden hat eine ganz eigene Qualität.
Daniel Ash war durchaus ein brauchbarer Rock'n'Roll Gitarrist, wie man auf der hier als Bonustrack zu hörenden T-Rex Cover Version von ,Telegram Sam' nachprüfen kann, aber zu wahrer Höchstform lief er auf, wenn er seiner Gitarre diese effekthascherischen und trotzdem so ungemein effektiven sonischen Saitenattacken entlockte. Im Zusammenspiel mit Kevin Haskins teils reduzierten und ungewöhnlichen Rhythmen und Peter Murphy's intensiver Gänsehautstimme nahmen sich Joy Divison dagegen wie eine Boyband aus.
Von ,Double Dare' bis ,Nerves' sind das alles tracks der Dunkelheit, der Angst und des Horrors; nur einmal bei ,The Spy In The Cab' meint man ein wenig Traurigkeit und einen touch von Melancholie zu vernehmen doch hier regiert eigentlich ein Gefühl der unerfüllt bleibenden Sehnsüchte und der Verzweiflung.
Und daß Sie kompositorisch nicht nur anders waren, sondern auch wirklich weit mehr drauf hatten als tanzbar gespielten und düsteren Punk, merkt man dann spätesten bei ,Nerves', das klingt, als ob Van der Graaf Generator die Musik zu einer schwarzen Messe spielen würden. Selbst wenn man nicht wirklich von einem song reden kann, so wie bei ,Stigmata Martyr' faszinieren Sie und man schafft es nicht die skip Taste zu drücken, denn das ist Musik die weh tut, der man sich aber trotzdem nicht entziehen möchte.
Auch zynisch konnten Sie sein - wie bei ,Small Talk Stinks' und gemeinsam mit der Paranoia die Sie verbreiteten waren Sie in solchen Momenten auch Brüder im Geiste mit den Talking Heads. Apropos Paranoia - bei ,St Vitus Dance' lassen sich auch durchaus Parallelen zu Bowie's Berlin Phase herstellen (siehe ,Blackout' von Heroes).
Viele der tracks wie z.Bsp. der Titelsong, eigneten sich auch noch zum Tanzen und das kam damals wohl einer Geiselnahme der Discomusik gleich, die sich ja auch über Gruppen wie Gang Of Four, P.I.L. oder der New Yorker ,No Wave' Bands damals manifestierte.
Der kakophonische opener ,Double Dare' und auch ,Dive' tragen noch die zerstörerische Kraft des Punk in sich und daß die Pixies, und einige Jahre nach ihnen dann Nirvana, dieser Band einiges an Ideen schulden, läßt sich wohl kaum abstreiten.
Ein großartiges und wegweisendes Album, das laut gehört werden muß - dann nimmt es den Hörer gefangen. Hätte nur das Gros all der Alternative Bands der 00er Jahre ein wenig von diesem infizierenden Spirit gehabt, wären Sie nicht bloß Kurzzeiterscheinungen gewesen. Dass Bauhaus selbst nach wenigen Jahren implodierten war aber gut und richtig, denn nur so konnten Sie auch diesen Kultstatus erlangen - den haben Sie aber nach wie vor zu recht.