Mit "In the flat field" hat Bauhaus geschafft, was wenige Musikbands jemals erreicht haben: Mit einer einzigen LP ein Musikgenre zu gründen - in diesem Fall, Gothic Rock - und dazu noch mit einer Debut-LP. Meiner Meinung nach ist Bauhaus zweite LP, "Mask", noch einen Tick besser, doch "In the flat field" ist trotzdem erstaunlich. Die Musik ist ergreifend und manchmal furchterregend, doch wie Peter Murphy später in Interviews gesagt hat, sollte man den Humor in Bauhaus' Musik nicht übersehen. Außerdem ist meiner Meinung nach Daniel Ash eines der besten Gitarrenspieler überhaupt, wie er seiner Gitarre die unmöglichsten Töne und Geräusche herausquält. Die Geschwister Haskins (Schlagzeug und Bass) bilden eine geschlossene, unglaublich effiziente Einheit. Über Peter Murphy (der Singer) lässt sich am ehesten streiten: für manche ist er ein großspuriger Bowie-Klon, für andere ist er der Inbegriff des talentierten, theatralischen Sängers. Die Musik ist meist düster und manchmal aggressiv, doch stets stark nuanciert. Das prägende Gefühl ist Wut, aber sie ist kontrolliert.
Diese Ausgabe umfasst die neun Lieder der Original-LP auf der ersten CD. Auf der zweiten CD sind "Dark entries", eine Single aus der Zeit vor der LP, sowie zahlreiche B-sides, alternative Versionen und Out-takes. Der Klang ist sehr gut, dank eines neuen Remastering.
Einige Lieder der zweiten CD waren schon erschienen, als 4AD in den 1990er Jahren "In the flat field" als CD mit Bonus Tracks veröffentlichte. Doch andere Lieder und Versionen sind mit dieser Ausgabe entweder überhaupt zum ersten Mal, oder zum ersten Mal in CD erschienen: "Double Dare", "Dive", "Spy in the Cab", "Untitled 2", "Stigmata Martyr", drei Versionen von "Terror Couple Kill Colonel", und zwei Versionen von "Telegram Sam".
Andererseits fehlen in dieser Ausgabe ein paar frühe Aufnahmen. Einige davon sind in "Swing the Heartache: The BBC Sessions" zu finden. Andere hat Beggars Banquet unter dem Titel "Live in The Studio 1979" veröffentlicht. Doch meiner Meinung nach das wichtigste, was fehlt, ist leider das als Single veröffentlichte "Bela Lugosi's Dead" und dessen B-Seite "Boys", weil deren Rechte einem anderen Label gehören. "Bela Lugosi's Dead" ist allerdings auf der Best-Of-CD "Crackle" zu hören, aber "Boys" ist nirgends außer auf der Single zu finden.
Diese Ausgabe von "In the flat field", genannt "Omnibus Edition", enthält also trotz des Namens nicht alles, was sie enthalten könnte (man könnte fast sagen: sollte). Was aber an Musik fehlt, macht die Auflage wett. Ich hatte noch nie so eine Auflage einer CD gesehen: so detailbesessen, schön und - ich würde schon sagen: - liebevoll gemacht. Mit den CDs mitgeliefert wird kein Heftlein, sondern ein regelrechtes Büchlein (48 Seiten) mit vielen Fotos (meistens schwarzweiß, wie es sich für Bauhaus gehört), den Liedtexten, ausführlicher Info zu jedem Lied, einem exzellenten Aufsatz von Craig Roseberry und eine ausführliche von Andrew Booksbank geschriebene Chronologie. Die CDs sind in Reispapier und zweifacher Papphülle verpackt (Nachahmung der originalen Vinyl-LP Hülle für die CD-LP, Nachahmung der originalen Hülle der "Telegram Sam"-Single für die Zusatz-CD). Alles zusammen wird in einer stabilen Pappschachtel geliefert.
Fazit: Nicht nur die Qualität der Musik ist kaum zu übertreffen, sondern alleine die Verpackung lohnt sich sogar für diejenigen, die die CD-Version der 1990er von "In the flat field" schon besitzen. Das Einzige, was ich kritisieren würde, ist dass einige Lieder und Versionen fehlen. Dieser Mangel wird leider auch nur teilweise durch "Swing the Heartache: The BBC Sessions" und "Live in The Studio 1979" behoben.