Manchmal denkt man ja bei Ankündigungen von CD-Veröffentlichungen "Schooon wieder ein neues Album?" und manchmal denkt man einfach: "Endlich!" Endlich gibt es ein neues musikalisches Lebenszeichen von ULRIKE HAAGE.
Die studierte Musikerin und im wahrsten Sinne des Wortes Klangkünstlerin legt mit "In:Finitum" ein wunderbares Album vor, das partout in kein Genre einzuordnen ist. Nach Ausflügen in die Pop-Welt bei den späten RAINBIRDS (1991 - 1999) und in elektronisch-expressionistische Gefilde mit der Formation STEIN (1990-1994) sowie zahlreichen Hörspielproduktionen und weltweiten Tourneen ist sie zurückgekehrt zu sich selbst - minimalistisch und intensiv.
ULRIKE HAAGE spricht mit dem und durch das Klavier: Jeder Ton atmet, erzählt und wirkt, wie eine Stimme, die sich hebt und senkt, die auch schon mal emotional bricht. Und ihre Töne leben selbstbestimmt, haben Freunde, gehen Verbindungen ein. So startet "In:Finitum" reduziert mit einem einsamen Klavier und mit jedem Stück gesellen sich andere Instrumente hinzu, verändern oder ergänzen die Stimmung. "Die Lesbarkeit der Welt" klingt trotz Melodica und Cello fröhlich, präsentiert erste kleine Melodiebögen. "Fingerprints B" überzeugt mit Percussions und feinstem Tastenspiel. "Lament" ein wunderschönes durchkomponiertes Werk.
Mit Track 8 von 13 erfolgt ein Bruch, denn mit "Evocations" demonstriert ULRIKE HAAGE ihre kunstvolle Wandelbarkeit inmitten eines Songs. Das Leichte ist Vergangenheit. Was folgt sind ein Streicher-Arrangement aus der Neoklassik und ein schmerzerfülltes wie sehnsüchtiges Stück über das "Was nie geschrieben wurde". Danach wird es deutlich introvertierter und am Ende gar so leise, dass es vom Hörer volle Konzentration verlangt. Es lohnt sich, bis zum letzten Ton bei ULRIKE HAAGE zu bleiben und zwar ad infinitum ...
Schöne, anspruchsvolle Musik einer schönen, anspruchsvollen Frau.