In der Nähe ihres Heimatortes findet ein Konzert statt. Die Band und deren Alben kennen sie und...ja, das ist okay, aber ganz sicher nicht ihre absolute Lieblingscombo. Für den Singer/Songwriterbereich der Deutschen Musikszene, auf den sie so stehen, ist das doch ein wenig zu viel Mainstream. Aber egal, der Preis ist okay, die Fahrt nicht weit, und so stehen sie mit ein paar Hundert Leuten vor der Bühne. 15 Minuten später ist von dort so ein unsichtbarer, kleiner Funke abgesprungen und landet, zunächst unbemerkt, in der Menge. Kurze Zeit später gibt es kein Halten mehr und sie müssen wieder mal erkennen: Da kann man alt und grau werden, aber man ist nich vor Überraschungen sicher. Die Halle tobt und auf der Bühne zeigt eine Gruppe von Musikern, was es bedeutet, eine "Live-Band" zu sein. Als das Konzert zu Ende geht, bleibt einem nur noch, eine tiefe Verbeugung Richtung Bühne zu machen und sich mal wieder wegen seiner Vorurteile selbst ein wenig kritisch zu betrachten.
So ist mir das passiert, als ich bei Revolverhelds Tour -In Farbe- zu Gast war. Ehe ich zum Album komme, daher noch mein Tipp: Wenn die Jungs in ihrer Nähe spielen, gehen sie hin!
Album Nr.3 von Revolverheld. Nach -Revolverheld- und -Chaostheorie- ist -In Farbe- noch ein Stück erwachsener geraten, als die Vorgänger. Das im absolut positiven Sinn. Die Hamburger Band, deren Texte sich zumeist darum drehen, dass man sich aufmacht, etwas tut, sich in den eigenen Hintern tritt und nebenbei noch seinen Spaß haben sollte, hat auch in -In Farbe- wieder ein paar Songs auf der CD, die zum Radiohit taugen. -Halt Dich an mir fest-, mit Unterstützung der Die-Happy-Sängerin Marta Jandova ist so ein Lied, bei dem alles vorhanden ist, was einen Hit ausmacht. Aber auch -Keine Liedeslieder- und -Spinner- haben dieses gnadenlose Hitpotential. Doch Revolverheld können auch anders. -Mein Leben ist super- und -Darf ich bitten- sind genretechnisch kaum einzuordnen. Das ist Rock, eine Prise Punk und ein Hauch der Beastie Boys. Dabei die Füße stillzuhalten ist so gut wie unmöglich. -Um unser Leben- kommt hammerhart aus den Boxen. Diese Art Song kenne ich sonst nur von alten "Fettes Brot"-Alben. -Hamburg hinter uns- besitzt die Klasse eines wirklichen Songwriterstücks. Wer das im Konzert ohne jegliche Stromunterstützung hören durfte, darf sich hinterher als Glückspilz fühlen. Neben Musik, die musikalisch hauptsächlich auf der Überholspur stattfindet, bieten Revolverheld ordentliche deutsche Texte, die vielleicht nicht gerade für den nächsten tiefgreifenden Lyrikwettbewerb reichen, aber auch alles andere als sinnlose Plattitüden sind.
Revolverheld funktioniert als Band prächtig. Frontmann Johannes Strate ist der zentrale Mittelpunkt der Gruppe. Bei den Konzerten ist er in der Lage das Publikum im Handstreich zu nehmen. Dabei ist festzustellen, dass seine Stimme live das halten kann, was sie auf dem Studioalbum verspricht. Die Gitarristen Kristoffer Hünecke und Nils Grötsch beherrschen ihre Instrumente. Florian Speer bringt den wichtigen Bass ins Spiel und Jakob Sinn prügelt auf das Schlagzeug ein. Das alles zusammen macht Revolverheld aus. Vielleicht nicht das Nonplusultra der Deutschen Musikszene, aber eine Band, die ihr Handwerk beherrscht und zu überzeugen weiß. -In Farbe- lässt das auf beeindruckende Art und Weise hören.