"In The Electric Mist" gehörte zusammen mit "Loft" zu meinen absoluten "Thriller-Hits" des letztjährigen Fantasy Film Fest und das obwohl die Geschichte im Programmheft etwas anderes erwarten liess, als das, was man im Endeffekt zu sehen bekam. Keine Hochgeschwindigkeits-Mörder-Suche mit hunderten von Kameraeinstellungen und Verfolgungsjagden, kein cooler Cop, der im Kopf immer mindestens drei Ecken weiterdenkt als der Verlauf und die Logik der Geschichte es zulassen würde und auch kein Ende welches den Verlauf schlussendlich ad absurdum führt, wie bei so vielen anderen Streifen der letzten Monate. Stattdessen ein langsames und ruhiges Portrait eines Mannes, eines Polizisten und Ex-Alkoholikers, der im neblig-schwülen und von latentem Rassismus geprägten Louisana versucht zwei scheinbar unterschiedliche Morde aufzuklären. Dave Robicheaux, wieder einmal großartig gespielt von Tommy Lee Jones, dessen Rolle stark an Sheriff Ed Tom Bell aus "No Country For Old Men" erinnert, kommt von einem Tatort zurück, wo es zuvor zu einem brutalen Mord an einer Frau kam. Die Vermutung liegt, aufgrund der Art und Weise wie bei dem Tötungsdelikt vorgegangen wurde, nah, dass es sich um ein weiteres Opfer eines Serienkillers handelt, der schon seit einiger Zeit sein Unwesen treibt. Auf der Rückfahrt erwischt Robicheaux den Hollywood-Star Sykes, der zur Zeit einen vom Mafiaboss Baby Feet Balboni finanzierten Film dreht, blau am Steuer seines Autos. Elrod Sykes berichtet von dem Fund einer schwarzen, in Ketten gelegten Leiche in den nahe gelegenen Sümpfen. Robicheaux erinnert sich an die Vergangenheit und sieht eine Verbindung der beiden Morden. Welche das sein soll und warum er sich relativ schnell darauf festlegt, wird nur zum Teil im Laufe des Films beantwortet und hier liegt auch der Grund versteckt, warum der Begriff des Thrillers vielleicht als ungerechtfertig bezeichnet werden kann. Vielmehr ist "In The Electric Mist" eine Charakterstudie, eine fein ausbalancierte und atmosphärisch dichte Expedition in reale und fiktive Welten, eine Reise in die Vergangenheit und die Erinnerung und die Illusion der Begnungen mit Soldaten des Bürgerkrieges, deren Bedeutung interpretierbar scheint. Viel zu wenig Thriller typische Stilmittel werden benutzt, einzelne Stränge entbehren jeglicher Erklärung. Dafür portraitiert der Film einen vom Leben gezeichneten Polizisten, der sich um die Schwachen kümmert, aber auch emotionalgeladen lieber erstmal austeilt um anschliessend zu denken.
"In The Electric Mist" ist ein Meisterstück, eine Farb- und Stimmungsexplosion, die auch im ruhigen Verlauf eine ganz besondere Spannung aufbaut, ohne das der zu Beginn genannte Serienmörder eine primäre Rolle spielt. Das miefige kleine Kaff, die Szenen in den Sümpfen und das ewig schwankende Wetter bedrücken und der perfekt gewählte Soundtrack stützt und untermalt das Bild und rundet einen großartigen Film ab.
Als Extras gibt es eine Trailershow, den Originaltrailer, ein halbstündiges Making Of und entfallene und geschnittene Szenen.