Das Buch ähnelt seinen vielen Kameraden der Lifestyle-Literatur. Es ist keine
zu harsche Kritik an den Auswirkungen der Verwissenschaftlichung und
Industrialisierung der Ernährung. Es wendet sich weniger gegen die Wissenschaft
und Industrie, sondern fordert ihre Erneuerung, oder genauer: die Erneuerung
für die, die es sich leisten können. Alter "Irrglauben" wird hier immer wieder
mit neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse "widerlegt" oder der Verbraucher
aufgefordert, endlich mündig zu werden und mit seinen bewußten
Konsumentscheidungen das Warenangebot mitzuprägen. So betont Pollan die
Bedeutung von Omega-3-Fettsäuren gegenüber den, seiner Meinung nach,
überschätzten Omega-6-Fettsäuren, oder er fordert den Leser auf, nicht länger
nur im Supermarkt, sondern auch auf Wochenmärkten einzukaufen.
Konkrete Ratschläge sind selten, und noch seltener hilfreich. Einer der letzten
Tips des Autors ist, doch mehr Gemüse selber anzubauen und wieder mehr zu
kochen. Pollan belästigt den geneigten Leser hier aber nicht mit weitführenden
Details.
Eine Stärke des Buches sind die vielen pointierten Bemerkungen und
Beobachtungen über unsere Ernährungs- und Lebensweise. Eine andere historisch
detaillierte Rekonstruktion, wie sich unsere Ernährung seit Erfindung der
Siebmühlen um 1870 herum gewandelt hat von Vollkorn hin zu Auszugsmehlen und
welche Folgen das u. U. auf unsere Gesundheit und Kultur hatte. So führt der
Autor Studien an, daß Karies eine Zivilisationskrankheit ist, die erst mit den
Auszugsmehlen und dem raffinierten Zucker aufkam. Und wie unsere Ernährung
schließlich industrialisiert wurde und der Mensch, der früher als Allesfresser
lebte, heute seine Kalorien und Eiweiße hauptsächlich aus Mais, Soja, Weizen
und Reis gewinnt.
Die Hauptaussagen des Buches lassen sich in den drei Maximen des Autors zusammenfassen: 1) Essen Sie Essen (Eat food), 2) Essen sie Mahlzeiten (Eat Meals), 3) Essen sie nichts, was nicht verrotten kann.
Alles in allem ein Buch, daß seine Botschaft gut und kurzweilig an den Leser
bringt.