Erst einmal Hut ab vor der Experimentierfreude der Musiker: John Dowlands Musik aufzuführen, indem man die alten Formen und Instrumente (Basso continuo mit der Laute) mit neuen verschmilzt (Bassklarinette, Saxophon) -- das Resultat ist wirklich etwas besonderes. Es ergibt nicht eine "verjazzte" Version alter Musik, sondern eine organische Verschmelzung die schwer einzuordnen ist, mit geradezu hypnotischen Klängen. Rein als Klanggemälde gesehen hat diese Aufnahme sehr einnehmende Eigenschaften. Man muss es allerdings aushalten können, dass durchgängig reine Melancholie regiert. Und nicht mal nur Melancholie -- das führt jetzt zu dem Punkt, der mir hier nicht gefällt: Das Schwelgen in teils zart hingehauchten Wehmutstönen löst die musikalische Struktur für mein Empfinden zu sehr auf; diese Kompositionen waren ja mal Lieder, und etwas von der Bestimmtheit dieser musikalischen Kurz-Form -- hier fang ich an, und hier hör ich auf -- vermisse ich hier. Besonders der Gesang: John Potters Tenor bleibt die ganze Zeit quälend halblaut und scheint sich hinter den Instrumentalstimmen verstecken zu wollen. Mal ganz gefühlsmäßig beurteilt: Das strapazierte nach einiger Zeit einfach meine Nerven, so ein Gefühl, als ob ich nicht alles mitkriegen würde. Während die Sache wunderschön klingt, wirkt sie gleichzeitig unerträglich kraftlos und zerstreut, und das bleibt die ganze Zeit so ohne wesentliche Abwechslung. "Melancholie" muss nicht so klingen, das belegen genügend andere Aufnahmen mit Musik aus diesem Repertoire.
Insgesamt würde ich denken: Was man von vorliegender CD hält, ist vermutlich stärker dem persönlichen Geschmack unterworfen als es mit anderen Aufnahmen dieser Musik sonst der Fall ist. Bei mir hat sie jedenfalls nicht funktioniert, trotz offensichtlicher Qualitäten.