Mich hat dieses Buch begeistert. Zum einen mag ich es sehr, wenn ein Autor sich Mühe gibt mit der Sprache, in der erzählt wird, dabei aber nicht der Künstlichkeit verfällt. Zum anderen ist es für mich wichtig, daß mich eine Geschichte anhält, mir Gedanken über das Erzählte zu machen. Nathan erzählt die wichtigen Stationen der Geschichte seiner jüdischen Familie, beginnend im 17. Jhr. Besonders auffallend ist daran, daß die Judenverfolgung im 3. Reich kaum Erwähnung findet. In den Geschichten, die heutzutage Familiengeschichten jüdischer Familien erzählen ist dies eine Rarität. Nathan sitzt zusammen mit seiner Nichte während eines Schneesturms im "Familienhaus" fest. Seltsamerweise ist das obere Stockwerk des seit langem leerstehenden Hauses verbarrikadiert und im Keller lagern frische Lebensmittel. Während Nina das Manuskript der Biographie ihres Großonkels liest erinnert sich Nathan zurück an Episoden der Familiengeschichte. Beide versuchen das Rätsel des Hauses mit Hinweisen aus der Vergangenheit zu lösen. Immer wieder bezieht sich der Erzähler auf die Geschichte des jüdischen Volkes und stellt Verbindungen zur Familiengeschichte her. Leser, die sich in der Bibel und mit den jüdischen Geschichten auskennen werden sicherlich mehr davon verstehen, doch auch ohne diese Kenntnisse habe ich das Buch genießen können.