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Jim Sheridans neuer Film »In America« erzählt die Geschichte einer irischen Familie, die in New York eine neue Heimat zu finden versucht. Zu Beginn des Films eröffnet sich dem Zuschauer als möglicher Grund für den Umzug der Tod des fünfjährigen »Frankie«, dem Jüngsten der drei Kinder, den beide Eltern noch nicht verarbeitet haben. Dieses tragische Ereignis, welches genauso wie weite Teile des Films auf einem biographischen Erlebnis Sheridans beruht, spinnt sich wie ein roter Faden durch die in den 80er Jahren angesiedelte Geschichte.
Die mit bescheidenen finanziellen Mitteln über Kanada eingereiste Familie läßt sich in einem heruntergekommenen Mietshaus direkt in »Hell's Kitchen« nieder, einer berüchtigten Gegend New Yorks und seit jeher erste Station für irische Einwanderer. Johnny (Paddy Considine) versucht sein Glück als Schauspieler, findet sich aber bald hinter dem Steuer eines Taxis wieder. Auch Sarah (Samantha Morton, bekannt aus »Minority Report«) findet keine Stelle als Lehrerin und muß als Kellnerin arbeiten. Während bei den Eltern der Glaube an eine neue Zukunft erste Risse bekommt, übt die Stadt auf die zehnjährige Christy und ihre vier Jahre jüngere Schwester Ariel (Sarah und Emma Bolger) die Faszination des Neuen und Aufregenden aus. Sie freunden sich mit dem Maler Mateo (Djimon Hounsou, zuletzt in »Tomb Raider 2« zu sehen) an, der, obwohl er zunächst unnahbar und feindselig scheint, sich nach und nach mit allen Familienmitgliedern anfreundet. Als Sarah erneut schwanger wird und sich trotz abzusehender Komplikationen für das Baby entscheidet, gerät ihre schon durch den harten Überlebenskampf geprüfte Beziehung zu Johnny endgültig in eine Krise, unter der auch Christy und besonders Ariel leidet. Trost suchen die Schwestern bei Mateo, der jedoch todkrank in ein Krankenhaus eingeliefert wird. Durch die für Sarah und ihr Baby kritische Frühgeburt stehen alle schließlich am Rande der Verzweiflung, doch Mateo bewirkt auf dem Sterbebett ein Wunder, welches die Familie auf fast religiöse Weise wieder zusammenführt.
Jim Sheridan ist mit »In America« ein berührender Film über das Schicksal einer modernen Einwandererfamilie in »God's own Country« und das Verarbeiten eines großen Schicksalsschlages gelungen. Die schauspielerische Leistung, vor allem der Bolger-Schwestern, überzeugt auf ganzer Linie. Die Handlung des Films - wie in einer Retrospektive durch die Augen und Videokamera Christy's erzählt - hebt ihn von Filmen mit ähnlicher Thematik erfrischend ab. Man erkennt deutlich die Absicht, eine semibiographische Geschichte zu erzählen, die aber nie ins Dokumentarische abdriftet, sondern bis auf kleine Längen stets packend und ergreifend bleibt.
Dem Zuschauer wird ein Gefühl vermittelt, wie es wirklich ist, in Amerika anzukommen und sich einen Platz in einer inhomogenen, ghettoisierten Gesellschaft erkämpfen zu müssen, die nur durch das Streben nach dem amerikanischen Traum verbunden scheint. Der Fokus liegt jedoch eindeutig auf dem Spannungsbogen zwischen Kummer und Hoffnung, zwischen kurzen Momenten des Glücks und Phasen sich steigernder Melancholie. Echte Gewinner scheint es in diesem Amerika nicht zu geben bis zum Schluß ein Wunder geschieht. Kein plumpes Hollywood Happy-End, sondern eines, das den Zuschauer mit einem positiv-nachdenklichen Gefühl aus der Handlung entläßt.