Alles fängt an mit einer zugegeben etwas merkwürdigen Wette. Thilo ist frustriert. Von seiner Freundin verlassen hängt er mit seinen drei Freunden im Nachtleben Berlins herum. In "seinem" Club sieht er die Ex mit einem Anderen. Der Neue und die ganze Situation bringt ihn in verstehbare Gefühlsnöte. Wie soll es in seinem Leben weitergehen. Noch am selben Abend, benebelt von Alkohol und Liebeskummertaumel, geht er also eine Wette ein. Er soll eine Weltreise machen und dabei mit 80 Frauen schlafen. Eine etwas andere Interpretation von Jules Vernes Reise um die Erde in 80 Tagen also. Wenn Thilo es schafft, so viele Frauen in die Kiste zu locken, dann, ja dann zahlen ihm seine Freunde die Reise, sonst darf er alles unter der Rubrik Lebenserfahrung verbuchen. Gesagt getan. In der Hoffnung, durch diese Aktion zumindest seinen Liebeskummer durch körperliche Liebesertüchtigung zu besiegen, macht er sich ans Werk. Thilo bucht eine Reise durch die Welt. Am Abend vor der Abreise in sein erstes Reiseland Polen kommt sogar noch seine Ex vorbei, um eine Abschiedsgeschenk vorbeizubringen; eine unzweideutige Aufnahme von sich und Thilo, ziemlich nackt und bloß und vielleicht eine Botschaft?
Jedenfalls macht sich Thilo auf die Reise. Bewaffent mit Reisemedikamenten einem großen Vorrat an Kondomen und einer Papierrolle mit Abreißnummern von 1-80, die er jeder seiner Eroberung und als Beweis für seine Freunde versteckt zukommen lassen will, geht es los. Die Reise führt ihn wahrlich durch die ganze Welt (Polen, Ukraine, Israel, Thailand, Australien) und den ein oder anderen weiblichen Körper, an vielen Herzen vorbei und auch an vielen Betten. Denn nicht immer passiert es so wie man eigentlich will. Und so landet so manche Nummer der Beweis-Rolle einfach abgerissen irgendwo, auch wenn ganz und gar keine Nummer geschoben wird.
Dies ist ganz sicher kein Liebesroman. Das wird schon alleine wegen des Titels keiner ernsthaft erwarten können. Schief gewickelt sind aber auch all jene, die eine billig gestrickte Story vermuten über einen, der auszog, um Frauen auszuziehen. In 80 Frauen um die Welt ist viel eher ein prima geschriebener Bericht über einen, der sich aus Frustration aufmacht, um die Welt und ihre Frauen zu erkunden. Was er findet und nach Hause mitbringt, sind keine banalen Porno-Geschichten für Lesevoyeure, sondern Schwänke und Erlebnisse, die zu Erfahrungen eines jungen Mannes werden, der auch nachdenken kann. Auch wenn die Hüllen fallen, bleibt das Hirn stets an, Thilo analysiert seine Situation, er überdenkt sich und sein weibliches Gegenüber. Zumindest aber bleibt beim Akt vor den Augen des Lesers das Licht meist aus. Wichtiger ist es Thilo, den Weg von den Clubs etc. ins Bett zu beschreiben. Und die Wege, die eben an den Betten vorbei führen. Ganz sicher ist die Hauptfigur Thilo kein Machoschwein auf Reisen, der Frauen gefühlsmißbraucht. Ganz klar ist aber auch: Nicht immer ist er ehrlich, um an sein Ziel zu kommen, oft ist Alkohol sein falscher Freund. Manchmal betrügt er auch sich selbst. Trotzdem bleibt er stets Mann und Mensch mit Gefühl. Und irgendwann entwickelt sich die Geschichte ganz anders als gedacht. Nur soviel sei verraten: Bei der Rückkunft nach Berlin ist die Rolle mit den Zahlen lange nicht aufgebraucht, aus mehreren Gründen, die sich wahrlich lohnen nachgelesen zu werden (Ich sage nur "Fidschi").
Ich bin hier nicht auf einen dreisten Frauenaufreißer getroffen, der seine wilden Sexgeschichten an andere Coolmen bringen will. Begegnet ist mir stattdessen ein Mann, der einfach nicht mehr weiterweiß. Sicher geht er einen unkonventionellen Weg. Sicher gäbe es reifere Wege, um Liebeskummer zu vertreiben und neue Einsichten ins andere Geschlecht zu gewinnen. Aber warum nicht so? Dieses Buch habe ich mit viel Vergnügen gelesen.