Dass es zu dieser "Impulse! 2-on-1"-Scheibe der beiden Alben "Mysteries" und "Shades" des "American Quartet" von Keith Jarrett gekommen ist, ist nahezu folgerichtig. Die beiden 1975 aufgenommenen und erschienenen Platten sind beide für sich genommen recht kurz und zudem musikalisch bzw. stilistisch sehr ähnlich gelagert. Außerdem spielt beide Male das gleiche Line-Up: Das Quartett wird ergänzt durch den brasilianischen Percussionisten Guilherme Franco. Auf "Mysteries" (in dem Stück "Flame") spielt Jarrett auch Flöte - wie so oft, wenn er sein Stamminstrument Piano wechselt, nicht unbedingt mit sehr überzeugendem Ergebnis.
Generell ist ja der Jazz des "American Quartet" eher gewöhnungsbedürftig. Avantgarde, Fusion, Bebop, Free Jazz... all das geht ineinander über, mal etwas leichter, öfter etwas anstrengender anzuhören. Das Problem, das ich mit dieser Art von Jazzmusik habe, ist, dass die Instrumente zwar allesamt virtuos gespielt werden, sich aber irgendwie in meinen Ohren zumeist keine Harmonie oder zumindest eine erkennbare musikalische Linie einstellen will. Auf der "Mysteries"-Hälfte der Scheibe gelingt dies am ehesten noch dem Stück "Everything That Lives Laments", während das lange Titelstück, aber auch "Rotation" und "Flame" weniger überzeugen. Sehr nervös und hektisch ist das Sax in "Shades Of Jazz", dem längsten Track der zweiten CD-Hälfte. Aber auch die anderen Stücke, "Southern Smiles", "Rose Petals" und "Diatribe" (ein schrecklicher Song!) sind von dem mitunter sehr nöligen Saxophonspiel Redmans durchzogen. Wenn das Saxophon jedoch schweigt und Jarretts Klavierspiel die Melodieführung innehat, entwickeln sich dagegen durchaus entspannte Klänge wie im Mittelteil von "Rose Petals".
Wem ein knapper Einblick in das Werk des "American Quartet" genügt, dem sei "The Impulse Story" empfohlen. Darin finden sich die wohl besten Stücke aus den acht auf dem "Impulse!"-Label erschienenen Platten des "American Quartet" vereint.