Was für eine schöne CD: Wer Julia Hülsmann seit ihrer ersten Trio-Einspielung (Trio, 2000) schätzt, ihre famosen Kollaborationen mit Rebekka Bakken (Scattering Poems, 2003), Anna Lauvergnac (Come Closer, 2004) und Roger Cicero (Good Morning Midnight, 2006) liebte, die beiden ersten ecm-Veröffentlichungen (The End of a Summer, 2008, Fasil, 2009) aber etwas schwächer fand, der bekommt hier reichlich neuen "Liebesgrund": Lieder ohne Worte sind das diesmal, die das hervorragend besetzte Trio hier vorlegt, dem es nicht nur gelingt, Instrument für Instrument zum "Singen" zu bringen, sondern das Trio auch als Einheit mit einer Stimme "singen" zu lassen. Das muss den dreien erst mal jemand nachmachen: Julia Hülsmann spielt vielleicht das lyrischste - und zugleich coolste - Piano der Jazzgegenwart, Marc Muellbauers Bass "singt" und klingt, dass es eine wahre Wonne ist, und Heinrich Köbberlings beckenreiches Schlagzeugspiel ist noch in seinen Pausen existentiell. Dass alle drei komponieren können und hier gemeinsam ein von der ersten bis zur letzten Sekunde atemberaubend schönes Werk voller magisch leuchtender Momente - »A Light Left On«, »(Go And Open) The Door« - vorgelegt haben, macht dieses Trio derzeit zu einer Ausnahmeerscheinung. Und zwar international.