Imprimatur von Rita Monaldi und Francesco Sorti
Auf die Idee, dieses Buch mit dem "Namen der Rose" zu vergleichen, können wohl auch nur die Werbestrategen des Verlages gekommen sein. Zwar kommt dem Leser die Geschichte von einem gefundenen Manuskript, dessen Quelle wiederum die handschriftlichen Aufzeichnungen einer anderen Person sind, ziemlich bekannt vor. Aber der Vergleich mit dem Namen der Rose wird beiden Büchern eigentlich nicht gerecht. Doch schnell zu Geschichte :
Aufgrund einer Pestquarantäne finden sich in einer römischen Herberge eine Gruppe von Personen zusammen, die nur scheinbar zufällig dort abgestiegen sind und nun auf unbestimmte Zeit miteinander auskommen müssen. Der Autor der handschriftlichen Aufzeichnungen, der Hausbursche der Herberge sowie der geheimnisvolle Kastrat Abbé Melani versuchen sich nachfolgend als Detektivgespann und ergründen viele mysteriöse Dinge. Neben den Geheimnissen, die die Herberge und die römische Unterwelt zu bieten hat, werden eine Mordverschwörung entdeckt und die merkwürdigen Machenschaften des damals aktuellen Papstes Innozenz XI. durchleuchtet. Der Leser taucht tief in das späte 17. Jahrhundert ein und erfährt viel über die damalige politische Situation Europa, das Leben in der ewigen Stadt Rom, aber auch über die damaligen Erkenntnisse der Medizin.
Die erzählte Detektivgeschichte ist perfekt recherchiert und sprachlich auf hohem Niveau, dabei aber immer flüssig zu lesen. So verfügen die "Bewohner" des unterirdischen Rom über eine teilweise recht witzige Sprache und der Kommentar des Ciacconio, einer dieser Bewohner, Gfrrlûlbh wird zum "running gag" des Buches.
Apropos "gut lesbar", einige Vorraussetzungen sollte man als Leser des Buches mitbringen, sonst verliert man sehr schnell den Spass an der Lektüre :
1. Lateinische, italienische und französische Bemerkungen kommen häufig vor, ohne übersetzt oder näher erklärt zu werden. Wer alle diese Fragmente ins Deutsche übersetzen möchte verliert schnell den roten Faden. Mein Tip lautet daher : Einfach hinnehmen und weiterlesen.
2. Das Buch wimmelt nur so von historischen Ereignissen, Personen und Hintergründen die der Laie einfach so zur Kenntnis nehmen sollte. Leider fehlt dem Buch eine "Dramatis personae", die in der einen oder anderen Situation sicherlich sehr hilfreich gewesen wäre, vor allem wenn man sein Geschichtsstudium noch nicht abgeschlossen hat. Wer tiefer in die Materie eintauchen will, der sollte unbedingt ein Geschichtsbuch zur Hand nehmen.
Abgeschlossen wird das Buch von der umfangreichen Erläuterung, warum nach "Imprimatur" Teile der europäischen Geschichte neu geschrieben werden müssen. Das ist zwar nicht uninteressant, hat aber letztlich mit der eigentlichen Story nichts mehr zu tun.
Für Freunde des historischen Romans, die zur Abwechslung mal nicht nur reine Fiktion lesen wollen und auch einmal intellektuell gefordert werden wollen, ist das Buch sicherlich empfehlenswert. Wer einen spannungsgeladenen Krimi oder einen Thriller erwartet, der wird sicherlich von Imprimatur nicht überzeugt sein.