Als ich in den achtziger Jahren eine körperpsychotherapeutische Ausbildung bei David Boadella machte, da kam ich zum ersten Mal mit den ungewöhnlichen LSD-Experimenten des aus der Tschechoslowakei stammenden Therapeuten Stanislav Grof in Kontakt, die er vor allen Dingen in seinem bahnbrechenden Buch "Topographie des Unbewussten" aufgeschrieben hat. Grofs Forschungen haben wichtige Erkenntnisse geliefert für die Bedeutung des Geburtsvorgangs für die spätere psychische Ausstattung eines Menschen, und viele körperorientierten Therapeuten haben sich mit dem von Grof entwickelten holotropen Atmen befasst und es weitergeführt.
Grof selbst hat weiter geforscht und seine Begegnung mit außergewöhnlichen Bewusstseinserfahrungen hat ihm keine Ruhe gelassen. Zusammen mit seiner Frau Christina hat er Quellen und Traditionen aus der ganzen Welt gesammelt und legt sie jetzt in einem dicken Buch vor, dass viele Esoteriker mit Begeisterung lesen werden, die Skeptiker jedoch die Stirn runzeln lassen wird.
Dieses Buch sei, so Grof, "eine Sammlung von Geschichten über viele verschiedene Ereignisse in meinem beruflichen und persönlichen Leben, die mich zwangen, meine skeptische und materialistische wissenschaftliche Weltanschauung aufzugeben und mir die östliche spirituellen Philosophien und die mystischen Lehren der Welt zu eigen zu machen. Durch all diese Erfahrungen bekam ich auch großen Respekt vor dem rituellen und spirituellen Leben und den Heilungstraditionen der Eingeborenenkulturen, welche die westliche Wissenschaft als primitiven Aberglauben abtut."
Hier macht Grof meines Erachtens einen Fehler, in dem er in ein überkommenes Schwarz-Weiß-Denken verfällt, das zum Beispiel der amerikanische Wissenschaftler Ken Wilber mit seinem Ansatz einer "Integralen Psychologie" (Kösel 2007) ziemlich überzeugend zu überwinden sucht.
Ob dieses trotz allem lesenswerte Buch nur ein Geheimtipp übersinnlicher Esoteriker bleibt, oder ob es in einigen Jahren ähnlichen Stellenwert erhält wie damals die "Topographie des Unbewussten" bleibt abzuwarten.
Unser Bewusstsein befindet sich in einer stetigen Entwicklung, worauf vor allem Ken Wilber in seinen vielen Büchern immer wieder hingewiesen hat, und die alten Paradigmen erklären immer weniger. Ich bin aber neuen Paradigmen gegenüber, die in einer doch stark missionarischen Weise rüberkommen, immer sehr skeptisch. Denn unsere abendländische "Vernunft" ist doch ein Gut, das ich nicht gerne aufgegeben sähe. Man sieht überall in der Welt, wohin das letztlich führt. Jedenfalls nicht zu einem besseren Menschsein.