Es fängt schon mit dem Cover an: Die Wölfe, die verfremdete Fotografie, die rote Schrift, vor allem aber der Name "Jean Reno". Das alles lässt an Luc Besson denken, und siehe da: Chris Nahon hatte 2001 von Besson bei dem von diesem produzierten und geschriebenen "Kiss of the Dragon" die erste Chance als Regisseur erhalten. Aber was soll man sagen: Er hat es leider schon damals vergeigt. Trotz Top-Besetzung gelang es ihm nicht, Faszination in den Film zu bringen.
Vier Jahre danach erhielt Nahon dennoch eine zweite Chance. Um die Filmrechte für den Roman "Das Imperium der Wölfe" von Jean-Christophe Grangé ("Die purpurnen Flüsse") hatten sich die Produzenten gerissen. Mit Jean Reno (57) in der Rolle des zwielichtigen Ermittlers Jean-Louis Schiffer bekam Nahon den vermutlich zur Zeit hintergründigsten Star des Genres, mit Laura Morante (49) eine faszinierende Frau, die leider der Hauptdarstellerin Arly Jover (34) trotz des Altersunterschiedes nicht nur optisch die Butter vom Brot spielte.
Der Film weckt zu Beginn höchste Erwartungen. Da stimmt einfach alles - kreative Kamera, verblüffende Verfremdungen, die schon von "Nikita" bekannten Farbspiele und eine insgesamt stimmige Postproduction - man freut sich auf einen weiteren großen Thriller eines Besson-Epigonen.
Zwei Handlungs-Stränge werden aufgebaut:
Anna befindet sich in Behandlung, weil sie ihren eigenen Mann nicht mehr erkennt. Als ihr die Medizin-Bastler mit einer Hirn-Biopsie drohen und ihr Mann Druck auf sie ausübt, sucht sie eine Psychotherapeutin auf.
Gleichzeitig ermittelt Paul Nerteaux (Jocelyn Quivrin, 26) in einer Serie von brutalen Frauenmorden. Als das dritte Opfer im türkischen Viertel von Paris gefunden wird, reaktiviert Nerteaux den wegen Brutalität frühpensionierten Jean-Louis Schiffer.
Das sollte hier genügen - wer sich die Überraschungen verderben will, findet genügend Spoiler hier und in der Wikipedia. Aber gerade auch wegen der erstaunlichen Wendungen zählt die erste Hälfte des Films sicher zum Besten, was man im Thriller-Bereich zu sehen bekommen kann. Was ist nun eigentlich an der zweiten Hälfte so schlecht?
Schlecht ist für sich gesehen gar nichts - man wechselt nur in einen Film für andere Leute. Nach dem mysteriösen Beginn hoffte man eigentlich auf eine weitere Steigerung, verblüffende Auflösungen und emotionale Entwicklungen. Doch das bleibt der Film schuldig. Statt mit faszinierenden Frauen und berührenden Beziehungen, statt mit weiteren raffinierten Wendungen und einem Ausbau der psychologischen Züge wird man mit ermüdenden Schießereien und Explosionen abgespeist. Aus einem reifen Film des Besson-Typs wird Standard-Hollywood der "Stirb langsam" - Kategorie; würden nicht die Aufnahmen von Cappadoccia ein wenig Augenlust bieten, könnte man die zweite Stunde glatt vergessen.
Unter dem Strich kann man festhalten, dass Nahon einen halben Film für Halbwüchsige und einen halben Film für anspruchsvolle Kinofreunde zu einer unbefriedigenden Mesalliance gezwungen hat. Zudem wird der Film länglich. Reichlich zwei Stunden sind eine lange Zeit, wenn es nur noch um Prügeleien und Schießereien geht. Ein Regisseur muss sich aber für eine Zielgruppe entscheiden. So, wie der Streifen geworden ist, darf man sich nicht wundern, dass der 24 Millionen teure "L'empire des loups" nicht viel mehr als die Haarfarbe für Jean Reno eingespielt hat. Von mir jedenfalls hätte Chris Nahon kein Geld mehr für einen dritten abendfüllenden Film bekommen.
Die "OK"-Bewertung von 3 Sternen honoriert also lediglich die gute erste Hälfte, von einem Kauf des Films kann man eher abraten.
film-jury 3* A0629 7.12.2011r 10A 1E Genre: Action Drama Thriller
Jocelyn Quivrin (* 14. Februar 1979 in Dijon)
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1995 5* A0213
Hippolytes Fest / Au petit Marguery....... R: Laurent Bénégui D: Stéphane Audran, Michel Aumont
2005 3* A0629
Das Imperium der Wölfe [Blu-ray]
....... R: Chris Nahon D: Jean Reno, Arly Jover, Jocelyn Quivrin, Laura Morante
2007 -* -0000
39,90 [Blu-ray]
....... R: Jan Kounen D: Jean Dujardin, Jocelyn Quivrin
Jocelyn Quivrin starb am 15. November 2009 in Saint-Cloud bei einem Unfall mit seinem Ariel Atom am Eingang eines Tunnels. Er arbeitete zu dieser Zeit an einem Spielfilm über einen Mann, der sich für James Dean hielt.