Robert Harris hat einen Stil gefunden, bei dem er dringend bleiben sollte. Er hat das Angeben mit historischem Wissen hinter sich gelassen und schreibt mit "Imperium" einen entspannten und spannenden Roman. Das Selbstbewusstsein eines Wissenden merkt man auf jeder Seite, aber es paradiert nicht, wie in den vorherigen Büchern, sondern es ist selbstbewusst vorhanden. Man kann sich auf den Autor verlassen und fühlt sich nicht durch ihn belästigt.
Inhaltlich geht es um die politische Karriere des Marcus Tullius Cicero. Die zynischen Parallelen zum heutigen Politikbetrieb braucht Harris gar nicht zu betonen, sie liegen auf der Hand. Die Unterschiede zwischen Antike und Jetztzeit werden so selbstverstädnlich präsentiert, dass man sich an Harris Wissen ohne Umschweife beteiligt fühlt.
Welche Kräfte an der Entstehung einer politischen Karriere beteiligt sind, welches Bild man von sich entwerfen und welche Kompromisse man auf dem Weg nach oben machen muss, zeigt das Buch, ohne diesen Weg polemisch abzuwerten. Andauernd in einem Work-In-Progress-Verfahren zu stecken, verlangt dem Politiker Stehvermögen, Redekunst und Wendigkeit ab, über die Cicero in erstaunlichem Ausmaß verfügt.
Politikwissenschaftler können anhand dieses Textes beispielhaft den Verlauf einer politischen Karriere studieren. Allen anderen hat Robert Harris sein bislang bestes Buch zur gespannten Lektüre geschenkt. Herzlichen Dank dafür!