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Imperium [Gebundene Ausgabe]

Christian Kracht
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (45 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
  • Verlag: Kiepenheuer & Witsch; Auflage: 1., Auflage (16. Februar 2012)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3462041312
  • ISBN-13: 978-3462041316
  • Größe und/oder Gewicht: 20,8 x 13,2 x 2,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (45 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 196 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Christian Kracht
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Einen Satz über Christian Krachts Roman Imperium zu sagen, ist, als wollte man Goethes Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten in einen Orangenkern eingravieren. Vielleicht in eine Kokosnuß? Der Kokovore auf seiner Südseeinsel würde sie irgendwann verzehren, und die Schrift wäre dann weg. Aber im Hintergrund würden sich dann immer noch schattenhafte Schicksalsgebirge auffalten: die deutsche Geschichte hinter den Aussteigern, die sie gemacht haben, indem sie ihr entkommen sind, als der böse Schicksalszug einen Augenblick angehalten hat. Ein Abenteuerroman. Kein Zweifel. Daß es das noch gibt.« Elfriede Jelinek

»Mit wachsender Bewunderung habe ich ›Imperium‹ gelesen. Ein Roman, der in seiner Thematik und sprachlichen Kraft an Joseph Conrads ›Herz der Finsternis‹ erinnert.« Uwe Timm

»Ganz und gar meisterhaft« Adam Soboczynski, Die Zeit

»So entspannt, so lustvoll wie in Imperium las sich der Autor noch nie. Es liegt eine große Heiterkeit über diesem Buch. Was Daniel Kehlmann mit der Vermessung der Welt unter anderem gelang, nämlich die Neuerfindung des historischen Romans mit den Mitteln der Sprache und höherer Ironie, das schafft Kracht hier für das Genre Abenteuerroman.« Felicitas von Lovenberg, FAZ

»Ein historischer Roman der besonderen Art« Julia Encke, FAS

»Ein Meisterwerk … einzelne Szenensind mit ihrem Humor unvergesslich« Paul Michael Lützeler, Die Welt

»Das ist ein großer Literaturspaß, ein Jux,[...] eine Satire auf das Pickelhauben-Deutschland, auf Kokovoren – die gab es wirklich – ein Aussteiger, der sich ausschließlich von Kokosnüssen ernähren wollte, überhaupt eine Satire auf den grassierenden Ernährungswahn – denken wir an Safran Foer, denken wir an Karen Duve – den Trend zum Vegetarismus, die Gottsucher mit Messer und Gabel in der Hand.« Deutschlandradio Kultur, Denis Scheck

Kurzbeschreibung

Eine deutsche Südseeballade. In »Imperium« erzählt Christian Kracht eine Aussteigergeschichte in den deutschen Kolonien der Südsee, indem er virtuos und gut gelaunt mit den Formen des historischen Abenteuerromans eines Melville, Joseph Conrad, Robert Louis Stevenson oder Jack London spielt. Die Welt wollte er retten, eine neue Religion stiften, gar ein eigenes Reich gründen - eine Utopie verwirklichen, die nicht nur ihn selbst, sondern die Menschheit erlöst, fernab der zerstörerischen europäischen Zivilisation, die gerade aufbricht in die Moderne und in die Katastrophen des Ersten und Zweiten Weltkriegs. Doch in der Abgeschiedenheit der Südsee, in einer Kolonie des wilhelminischen Deutschland, gerät ein von einem vegetarischen Spleen besessener Sonnenanbeter in eine Spirale des Wahnsinns, die die Abgründe des 20. Jahrhunderts ahnungsvoll vorwegnimmt. In seinem vierten Roman zeichnet Christian Kracht die groteske, verlorene Welt von Deutsch-Neuguinea, eine Welt, die dem Untergang geweiht ist und in der sich doch unsere Gegenwart seltsam spiegelt. Zugleich aber ist Christian Krachts »Imperium« eine erstaunliche, immer wieder auch komische Studie über die Zerbrechlichkeit und Vermessenheit menschlichen Handelns.

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67 von 78 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von W. Öschelbrunn TOP 500 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Christian Krachts "Imperium" ist ein - verhältnismäßig kurzer - schwerelos-unterhaltsamer Roman über die absurde Kehrseite des ansonsten überhaupt nicht komischen Versuchs einer verspäteten Nation, koloniale Bedeutung zu erreichen. Kracht schildert den Weg des Nudisten und Vegetariers August Engelhardt aus Nürnberg in die kaiserlich-deutsche Südsee, um dort eine Kokovoren-Kommune aufzubauen. Genauso absurd wie Engelhardts Kokusnuss-Kult sind viele Geschehnisse, die sich sonst noch so im entlegensten Winkel des Reiches Kaiser Wilhelms abspielen. Krachts Erzählstil ist der eines amüsierten, kopfschüttelnden Beobachters, der allerdings an mehr als einer Stelle deutlich macht, dass das Beschriebene lediglich Vorstufe zu weit weniger amüsanten welthistorischen Ereignissen sein wird.

Genau in diesem Spannungsfeld zwischen Harmlosigkeit des Geschehens einerseits und Hinweis auf die Ereignisse des 20igsten Jahrhunderts andererseits sehe ich die Besonderheit von Krachts "Imperium". Wie konnten sich Nationen, die sich in der Südsee derart lächerlichen Spielereien hingaben, eigentlich wenig später in einem mörderischen Krieg gegenüberstehen? Oder spiegelt die grenzenlose Naivität und Verblendung des August Engelhardts genau dieses Phänomen wieder, dass es uns aus heutiger Perspektive so schwer macht zu verstehen, warum unsere Ahnen die Absurditäten der historischen Ereignisse vor über einem Jahrhundert nicht zu erkennen vermochten.

Wie Georg Diez (Spiegel) in diesem Roman eine "rassistische Weltsicht" und "antimodernes, demokratiefeindliches und totalitätes Denken" entdeckt, ist mir schleierhaft und grenzt geradezu an Engelhardtsche Wahnvorstellungen. Ich würde Lesern, die sich ein wenig für Geschichte interessieren und sich außerdem auf die Formulierfreude Krachts einlassen möchte, "Imperium" zur Lektüre uneingeschränkt empfehlen. Ein thematisch verwandter und ebenfalls empfehlenswerter Roman wäre Alex Capus' "Eine Frage der Zeit".
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Helga Kurz TOP 500 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Der historisch verbürgte August Engelhardt war das, was wir heute als Aussteiger bezeichnen. Vor gut 100 Jahren verließ er Nürnberg, um sich fortan auf 'seiner' Insel Kabakon in der Südsee nackt der Sonne und ausschließlich dem Genuss der göttlichen Kokosnuss hinzugeben. Dass dies, um es einmal vorsichtig auszudrücken, mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden war und auch nicht ungefährlich, ahnen wir schon früh.

Christian Kracht hatte es sich durch einen merkwürdigen Zufall bereits als zweiter Autor innerhalb eines Jahres zur Aufgabe gemacht, diesen außergewöhnlichen Menschen literarisch aufleben zu lassen. Er lässt sein Wissen als Nachgeborener einfließen und bedient sich in eloquenter Sprache dem Stilmittel Satire, ohne jedoch ins Klamaukhafte abzudriften. Dieses Buch, das uns in die Zeit deutscher Kolonialherrschaft nach Papua-Neuguina ins damalige Herbertshöhe, dem heutigen Kokopo (was für ein Name in diesem Zusammenhang!) führt, bereitet großes, reines Vergnügen. Hier kommt wieder einmal der nahezu unschlagbare Vorteil des Lesens zu tragen, in fremde Welten einzutauchen, die in der Realität nicht oder nicht mehr aufgesucht werden können. Wohlgemerkt, Engelhardts Welt samt seiner Philosophie hätten mir auch gestohlen bleiben können, als das noch real möglich war. Kopfschüttelnd tauchte ich in seine Geschichte ein, die anrührende, aber durchaus auch unappetitliche Seiten hat, mit der ich lieber nicht real konfrontiert werden möchte. Aber am sicheren Seil von Krachts kunstfertiger Sprache in die Abgründe des engelhardtschen Paradieses hinabzusteigen, das war ein reines Vergnügen. Vielen Dank an Christian Kracht für diesen abenteuerlichen Abenteuerroman also auch von mir aus der Ecke, wo sich so viele von uns Lesern ungefragt und unberufen herumtreiben und unsere Meinungen im Bewusstsein völliger Irrelevanz mit großer Begeisterung in die Welt hinausschreiben.

Vielen Dank auch an den Verlag Kiepenheuer & Witsch für die so passende Umschlaggestaltung. Das Bild ersetzt liebevoll den Klappentext, der ja tatsächlich fehlt, wenn man Elfriede Jelineks so versiert geschriebenes Lob nicht dafür halten will. Nicht nur, dass 'Imperium' das Aussehen von Büchern aus meiner Kindheit zitiert, hier wurde auch bewiesen, dass schöne Bücher durchaus auf einen Schutzumschlag verzichten können. Den Kauf eines elektronischen Lesegeräts habe ich wieder einmal auf unbestimmte Zeit hinausgeschoben...

Helga Kurz
19. Mai 2012
War diese Rezension für Sie hilfreich?
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von jphintze
Format:Gebundene Ausgabe
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts  der deutsche Kaiser schenkte seinen Untertanen mit Kolonien in Übersee einen Platz an der Sonne  tauchte auf einer imperialen Südseeinsel ein junger Vegetarier auf, der dort sein eigenes Imperium erschaffen wollte. August Engelhardt, so der Name des historisch verbürgten Protagonisten, ist ein zotteliger Sonderling, der im Jahre 1902 eine extreme Art einer Lebensreform anstrebt.

Also die Idee einer neuen Gesellschaft, eines eigenen Reiches, ausgehend von einer Kokosnussplantage auf einer kleinen Insel, die er sich vom Erbe seiner Eltern sowie mittels eines Kredites kauft. Fest davon überzeugt, durch ausschließliche Ernährung von Kokosnüssen ein göttliches Bewusstsein zu erlangen, versucht dieser Fanatiker sogar, Gleichgesinnte auf seine Insel zu locken. Engelhardt schreibt unentwegt Postkarten nach Deutschland, um für seine Kokovaren-Kommune zu werben, anfangs sogar mit einem mäßigen Erfolg. Doch das Projekt scheitert schließlich. Nur wenige Mitstreiter reisen ihm nach, wenden sich aber schnell desillusioniert ab, einige sterben unter fragwürdigen Umständen. Der Idealist wandelt sich zu einem extremen Zwangsneurotiker, zu einem in sich verlorenen Einsiedler, der selbst vor (auto-)kannibalistischen Neigungen nicht zurückschreckt.

Die merkwürdige Kritik, die dem Spiegel kurz nach Veröffentlichung von Christian Krachts neuen Roman Imperium zu entnehmen war, scheint keinesfalls logisch und nachvollziehbar. Denn weder Christian Kracht, noch sein Protagonist August Engelhardt fungiert hier als Türsteher rechten Gedankenguts. Diese faschistisch-völkischen Andeutungen, von denen dabei die Rede ist, werden zweifellos angedeutet und haben durchaus ihre berechtigte Schlüsselfunktion.

Engelhardts Imperium basiert auf einer einseitigen Glaubenslehre, die schließlich, wie alle totalitären Gesellschaftsmodelle, in Vereinsamung und Entfremdung münden muss. Jenes Imperium des August Engelhardt kommt zum Glück kaum über seinen Schöpfer hinaus, und außer ein paar gestrandete Anhänger und wenigen merkwürdigen Todesfällen hält sich der Schaden noch in Grenzen. Der Wahnsinn nimmt jedoch die katastrophalen Abgründe des 20. Jahrhunderts vorweg. Der holprige Weg des Nudisten und Sonnenanbeters führt zum verbrecherischen Imperium eines berüchtigteren Zeitgenossen Engelhardts, einige Jahre später, der von Kracht lediglich als Karikatur angedeutet wird.

Kracht erzählt seine Geschichte freundlich, in spannenden, kurzweiligen Satzkaskaden. Allerdings nicht als kommode Version im Stil historischer Erzähler, vielmehr als eine Art Südseeballade in zeitgemäßer Form  und natürlich nicht ohne den leicht snobistischen Anspruch, den viele Leser schätzen, andere hassen.
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