Qur'an, Sunna, aber insbesondere die Schriften des 1328 verstorbenen Ibn Taymiyya bilden die Grundlage hier dargelegter Gedankengängen. Vor der Erörterung des Vorgehens gegen den inneren Feind" wird die frohe Botschaft von einer Renaissance des Islam" beschworen. Aus der Tradition sei ablesbar, dass der Islam im militärischen, wirtschaftlichen und
politischen Bereich erstarken wird." Wohin diese Stärke die Muslime führt,
steht ebenfalls schon fest. Im Hadith, der Wegweisendes über die Sunna, den Brauch des Propheten oder seiner an Wissen reichen Gefährten überliefert, werde berichtet: den, Konstantinopel oder Rom? [...]
In einem von Abu Kulaib überlieferten Hadith, von denen Hadithschüler
behaupten, daß er `sahih' ist, heißt es:
`Wir waren bei Abdullah ibn Amr ibn As als er gefragt wurde: Welche der
beiden Städte wird zuerst erobert wer Konstantinopel oder Rom? Er nahm eins von ihnen [d.h. ein Buch], blätterte einige Seiten und fing an zu lesen: `Wir waren bei einer Gelegenheit bei dem Gesandten Gottes (s), als
dieser gefragt wurde, welche Stadt die Muslime als erstes erobern werden, Daraufhin antwortete der Gesandte (s): `Heraklios' Stadt wird als erstes erobert werden.' [...] Rom ist heute die Hauptstadt Italiens und die Muslime haben sie noch nicht erobert. Die erste Prophezeiung
des Propheten (s) hat sich bewahrheitet - nach ungefähr 800 Jahren, zur Zeit des Osmanischen Sultans Mehmet al Fatih [Heraklios' Stadt: Konstantinopel, heute Istanbul] Doch der andere Teil
des Versprechens muß sich noch erfüllen." Es ist durchaus erwähnenswert und beleuchtet den Unterschied zwischen gemäßigten" Islamisten und Djihadisten, dass diese Tradition auch von herausragenden
Predigern wie Yousif al-Qaradawi als interpretationswürdig erachtet wird.
Ihm gilt dadurch als sicher, dass [der] Islam nach Europa als Eroberer
und Sieger zurückkehren wird, nachdem er daraus zweimal vertrieben worden
ist - einmal aus dem Süden, aus Andalusien, und ein zweites Mal aus
dem Osten, als er wiederholt an das Tor Athens klopfte. [...] Ich behaupte, dass die Eroberung dieses Mal nicht mit dem Schwert erfolgen wird, sondern durch Predigen und Ideologie."
Diese Weissagung erscheint bei Faraj als ein Auftrag, zu dessen Erfüllung zu schreiten ist, wenn im näheren Umfeld Fehlentwicklungen wieder revidiert worden sind.
Gottes Wort erfüllt sich auf Erden, wenn die Herrscher beseitigt sind, die wider den Islam handeln:
Was die Herrscher unserer Zeit betrifft, sie haben unzählige Türen zum Kufr, Schirk, und Verrat des Glaubens eröffnet.
Somit traten sie aus dem Rahmen der islamischen Lehre heraus [...]
Vor allem wird es durch ihre Gesetze deutlich, mit denen sie in der heutigen islamischen Welt regieren. All dies sind
aus dem Westen eingeführte Gesetze, und vom Islam wird nur soviel beibehalten, um damit den Massen Sand in
die Augen zu streuen."
Solche Herrscher werden als Verräter am Islam" gebrandmarkt, gelten als Erfüllungsgehilfen von christlichen, kommunistischen oder zionistischen Kolonialisten, denen sie ihre Erziehung verdanken. Kurz, es sind Abtrünnige, für deren Behandlung schon Ibn Taymiyya in einem
Rechtsgutachten befand:
`Die Strafe für einen Murtad bzw. einen Abtrünnigen ist härter als die Strafe eines Ungläubigen. Für denjenigen, der vom Islam abfällt, wird das Todesurteil ausgesprochen ohne Rücksicht auf seine Lage, selbst wenn er schwach und kampfunfähig ist. Der Tod ist unumgänglich.
Während der Ungläubige, der kampfunfähig ist, nicht getötet werden
darf.' [...] Auch hat er kein Recht der Mitgift, und ferner kann eine Muslimin nicht länger mit ihm in ehelicher Verbindung bleiben. Unverzüglich wird diese annulliert. Das Fleisch, das ein Murtad geschlachtet hat, ist dem Muslim verboten. Im Fundament des islamischen Glaubens ist die Abtrünnigkeit ein größeres Vergehen als der Unglaube
von Geburt an. Diejenigen, die als Ungläubige geboren werden und im
Laufe ihres Lebens ungläubig bleiben, haben minder schwer gehandelt als
jene, die im Islam geboren werden, ein bisschen islamisch leben und dann aus dem Islam heraustreten."
Faraj diskutiert auch Methoden jenseits des Djihad, um einen islamischen Staat zu verwirklichen. Einen Marsch durch die Institutionen" lehnt er ab, nicht zuletzt aus der Überlegung heraus, dass zu den entscheidenden
Positionen in einer Regierung und den Ministerien nur loyale Personen
kämen. Eine Durchsetzung eines islamischen Regimes über das Medium der
da`wa oder Mission lehnt er gleichfalls ab wie ein intensives Studium der religiösen Wissenschaften. Die Pflicht des Djihad könne nicht durch ein Ausweichen auf andere Tätigkeiten, die ohnehin Pflicht der
Gläubigen seien, ersetzt werden.
In der Anlage der Schrift wird deutlich, dass Faraj zunächst die Bekämpfung der Feinde als erstrangige Aufgabe ansieht, die
als bloße Namen- oder Kulturmuslime der Sache des Kolonialismus dienen:
Es besteht kein Zweifel, dass die Priorität des Gihad in der Abrechnung mit den führenden, bestehenden atheistischen Regimen in der islamischen Welt liegt und ihre Ersetzung durch gerechte, islamische Herrscher. So soll das der Anfangspunkt unseres Kampfes sein."