Als großer Ellis Fan konnte ich die Veröffentlichung von Imperial Bedrooms kaum erwarten. Die Enttäuschung über die mikrigen 215 Seiten war verhältnismäßig groß, ist man doch an die großen Formate von American Psycho, Glamorama und Lunar Park gewöhnt. Dennoch war Imperial Bedrooms ein großes Lesevergnügen.
Die Verbindung zu Ellis' Erstling Unter Null ist eher unbedeutend, denn die Geschichte ließt sich sehr frisch und die Charaktere werden gut eingeführt, ohne dass man sich unbedingt an Unter Null erinnern müsste.
Ellis' Schreibstil hat sich im Grunde nicht verändert. Dieselbe spannende, skurrile Dichte, dieselben Abartigkeiten und dieselben Anekdoten der grenzenlosen Hoffnungslosigkeit finden sich in Imperial Bedrooms. Ich persönlich war sogar positiv überrascht über diese Rückkehr zu alten Gefilden, da mir Lunar Park bereits ziemlich harmlos erschien.
Wie ich es von Ellis gewohnt bin, spielt die Handlung an sich eine eher untergeordnete Rolle. Viel wichtiger sind die inneren Monologe, die Eindrücke und Gefühle, die vermittelt werden. Sie sind der Schlüssel zu der etwas undurchsichtigen Handlung von Imperial Bedrooms, daher bietet sich ein zweimaliges Lesen sicherlich an. Schon in American Psycho verwischten die Grenzen zwischen Fantasie des Lesers, des Autors und des Hauptcharakters und so ähnlich verfährt Ellis auch in Imperial Bedrooms. Die Geschichte wird von einem unguten Gefühl von Verfolgungswahn und Paranoia begleitet, allerdings ist man sich nie sicher, ob die Hauptfigur in Wahrheit nur Angst vor sich selbst hat.
Neue Elemente wie iPhone und iPod fügen sich perfekt in Ellis' Universum und vermitteln eine subtile Angst vor dem technischen Fortschritt, der uns noch mehr unserer Menschlichkeit beraubt. Man könnte sogar meinen, diese Produkte hätten in Ellis' Welt die Drogen ersetzt und somit dieselbe Funktion eingenommen, nämlich die Stützung des selbstzerstörerischen Egos.
Nicht zuletzt ist Imperial Bedrooms auch ein Buch über Hollywood. Ellis nutzt das Hollywood'sche Drama und den Horror und baut diese gekonnt in seine Geschichte ein. Somit entsteht eine fast schon surrealistische Atmosphäre, wie Lynch's Mulholland Drive. Hollywood bekommt einen fast schon satanistischen Anstrich verpasst, eine anonyme Industrie, die von dem Blut junger Frauen lebt. Die Traumfabrik, die sich von unserer Gier und Geilheit ernährt. Die Hauptfigur ist das Gesicht dieser perversen Zwänge.
Ich halte Imperial Bedrooms für einen erstklassigen, wenn auch etwas kurzen Roman, der mal wieder hervorragend als Spiegel der Zeit fungiert und uns unsere eigene Dekadenz vor Augen führt. Außerdem möchte ich erwähnen, dass ich Ellis' Romane allesamt für nahezu unverfilmbar halte, obwohl ich ein großer Kinofan bin.
P.S.: Der Vergleich zwischen Palahniuk und Ellis mag zwar gestattet sein, jedoch bleiben beide Autoren meiner Meinung nach autonom. Ellis' Erzählweise ist weitaus subtiler und düsterer. Beide Autoren sind aber genial.