Natürlich ist "Immortal" kein neues Album vom King of Pop. Während das 2010er Album "Michael" mit bisher unveröffentlichtem Material die Fans in zwei Lager teilte (denn einige befürchteten, dass nicht alle Songs von Michael Jackson selbst eingesungen worden waren) wurde für die Cirque-du-Soleil-Show "Immortal", die komplett dem King of Pop gewidmet ist, bekanntes Material von Michael Jackson für den Soundtrack verwendet und aufbereitet.
2012 begehe ich persönlich mein 25-jähriges Fan-Jubiläum, und habe darob einen äußerst kritischen Blick auf Remixes von Jacksons Songs. Während die 12"-Maxis aus der Thriller- und BAD-Ära noch hörenswerte alternative Langversionen boten, wurden die Remixe späteren Datums zu großen Teilen dancekompatibel verhunzt. Allenfalls der zart-instrumentalisierte Tee's light AC Mix von "Strangers in moscow" oder Mobys Version von "Beat it" gefallen mir gut. Viele andere Maxi-CDs und Singles halte ich für eher schlecht geremixt.
Umso erfreulicher finde ich das, was Toningenieur Kevin Antunes aus Michael Jacksons Songs gemacht hat. Denn ich stelle es mir recht schwierig vor, einerseits einen zusammenhängenden und "erzählenden" Soundtrack für eine Cirque-du-Soleil-Show zu kreieren und andererseits die Erwartungshaltung der Michael-Jackson-Fans nicht zu enttäuschen.
Ich habe mir das Deluxe-CD-Set gekauft, das neben 27 Immortal-Versionen bekannter Songs auch noch einen Pappschuber in Glitzeroptik bietet. Außerdem ist auf der Schuberrückseite ein alternatives Foto MJs zu sehen - soweit ich das beurteilen kann von einem Dangerous-Live-Auftritt.
Sehr gut gefällt mir, dass für einige Songs auch Segmente aus den Shortfilms eingearbeitet wurden. Egal ob Soundfiles wie die geöffnete Tür oder das Maschinengewehr aus dem Moonwalker-Segement von "Smooth Criminal" oder Sprachschnippsel aus der Langversion von BAD. Auch fand ich es super, dass für Teile von "I just can't stop loving you" die ebenfalls von Michael Jackson und Siedah Garrett gesungene spanische Version zu hören ist. Aus "I'll be there" wurde für Immortal eine außergewöhnlich gefühlvolle, nur mit Piano hinterlegte Version, die mich stark an den Pepsi-Werbespot erinnert, in der der erwachsene MJ am Flügel sitzt und von seinem kindlichen Alter Ego bei diesem Song begleitet wird.
Einziger Komplettausfall ist in meinen Ohren der "Another part of me"-Teil im "Mime Segment". Das geht mal so gar nicht und wurde komisch asynchron und holprig instrumentalisiert.
Das Booklet zeigt einige doppelseitige Collagen aus Michael-Jackson-Fotos unterschiedlicher Äras.
Insgesamt empfinde ich Immortal als gelungenen Spagat zwischen emotionaler Musikuntermalung einer artistischen Show und einer interessanten Neuinterpretation von Michael-Jackson-Hits. Und nach der xten Greatest-Hits-Compilation aus dem Hause Sony finde ich diese Neuinterpretationen auch für Langzeitfans durchaus sehr hörenswert.