Die Rückkehr zur Professionalität
Eine Rezension von Kurt E. Becker
Der Untertitel wirbt mit "Die Rückkehr der Vernunft" - und zwar bei "Immobilien-Investitionen", denn die sind Titel und Thema des Buchs.
Der philosophische Diskurs, was denn Vernunft sei, ist so alt wie die Geschichte der Philosophie. Und die Herausgeber und Autoren des im Haufe-Verlag erscheinenden Sammelbands fügen diesem Diskurs nicht mehr als eine Titel spendend werbeträchtige Marginalie hinzu. Mit einem Seitenblick auf Max Weber, der bereits vor einem Jahrhundert vor einer "Verklärung der Vernunft" gewarnt hatte, wären die einfallsreichen Schöpfer des Buchtitels vielleicht besser beraten gewesen, schlicht von einer "Rückkehr zur Professionalität" zu handeln. Denn letztlich geht es genau darum in diesem Buch. Und das ist ja letztlich schon mehr als (anspruchsvoll) genug.
Dem Professionalitätsanspruch wird das Buch auf jeden Fall voll umfänglich gerecht. Auf weit über 300 Seiten wird "eine Rückbesinnung auf die multidisziplinären Grundlagen einer erfolgreichen Immobilieninvestition" vorgeführt, die Erfolgsfaktoren einer Immobilieninvestition fachübergreifend in neun Kapiteln analysiert. Pointiert definiert Christian Ulbrich in seinem Geleitwort das Gegenteil von Professionalität: "Eine schlechte Lage, ein ineffizienter Grundriss oder auch eine riskante Finanzierungsstruktur" seien "Ausdruck von Unprofessionalität". Die professionelle Schlussfolgerung aus der Sicht zum Beispiel des Architekten: "Gute Gebäude besitzen die Fähigkeit, langlebig in Würde zu altern". Den damit verbundenen Nachhaltigkeits-Aspekt betonen auch Beenen, Wagner und Friedemann, indem sie davor warnen, bei Fragen der Nachhaltigkeit Ziele und Prinzipien zu formulieren, denen man später nicht gerecht werden könne. Unternehmen, so die Autoren, die dies versuchen, "spielen leichtfertig mit ihrer Glaubwürdigkeit und Integrität".
Eine praxisnahe Konsequenz aus allen Überlegungen ziehen Abel und Rock: "Unternehmen, die diese Zeit (der Krise) als Entschlackungskur nutzen und sich für die Neuordnung des Marktumfeldes rüsten bzw. durch Kreativität diesen Transformationsprozess mitgestalten und beschleunigen, werden gestärkt aus dieser Krise hervorgehen und können sich an die Spitze setzen." Schließlich: "Wir sind aufgrund der genannten Erkenntnisse überzeugt, dass der Mieter und seine Bedürfnisse absolut im Mittelpunkt stehen werden."
Alphons Silbermann, renommierter deutsch-jüdischer Soziologe, der in diesem Sommer einhundert geworden wäre, hätte für diese Schlussfolgerung "standing ovations" gegeben. Denn als Wohn- und Architektursoziologe, selbst ausgezeichnet mit einem "Preis für humanes Bauen", sah er jedes Bauwerk und jede Architektur immer im Dienst seiner Nutzer. Alles andere hätte er als "l'art pour l'art" ironisiert.
"Immobilieninvestitionen" ist eine höchst empfehlenswerte Lektüre für Fachleute und solche, die es werden wollen. Es verbindet in vorzüglicher Art und Weise Theorie und Praxis und macht vor allem deutlich, wie Professionalität in der Immobilienbranche der Gegenwart auszusehen hat.