Ich mag Biografien und habe schon einige davon verschlungen. Wählerisch bin ich bei der Auswahl eigentlich nicht, bis auf die Bedingung, das jemand von seinem Leben berichtet soll und muss, der schon etwas erlebt hat. Justin Bieber wird also noch ein paar Jährchen warten müssen.
Monica Seles habe ich eine Chance gegeben, weil ich sie zu ihrer aktiven Zeit eigentlich immer sehr sympathisch fand. Dass die Dame mehr kann als nur Tennisspielen beweist sie mit ihrer Autobiografie.
Die Tennisspielerin beginnt ihre Geschichte in ihrer Kindheit im früheren Jugoslawien. Schon hier wird deutlich - diese Idee zieht sich durch das ganze Buch und wird glaubwürdig vermittelt -, dass Seles wegen des Spiels Tennis spielen wollte; von ihren Eltern bedingungslos unterstützt, aber eben nicht gezwungen wurde. Weiter geht die Reise der jungen, aufstrebenden Spielerin über Nick Bolterys Akademie in Florida - und von dort aus direkt an die Weltspitze. Hm, sollte man denken, alles gut so weit - und das soll interessant sein?! Ja, ist es. Interessant aus folgenden Gründen: Seles setzt sich auf den folgenden Seiten mit dem für sie einschneidenden Tod ihres Vaters (und zugleich damaligen Trainers), der Messerattacke eines Stephi-Graf-Fans, der sein Idol wieder an der Spitze der Rangliste sehen wollte (interessant: die Reaktion Grafs und der anderen Kolleginnen...), und den aus den Ereignissen resultierenden Ernährungsproblemen. Um genau diese drei Probleme dreht sich das Lebens von Seles im Alter zwischen zwanzig und dreißig. Was dem Fernsehzuschauer damals verborgen blieb: das Leben der Spielerin war ein ständiger Kampf; ein Kampf gegen das eigene Gewicht, ein Kampf für ein Comeback sowie ein Kampf gegen die eigenen Dämonen. Gut beschrieben und durchaus inspirierend: die Art und Weise, wie Seles immer wieder aufgestanden ist und letztendlich ihr Glück gefunden hat; nicht nur auf dem Platz eine Kämpferin, sondern eben auch im richtigen Leben. Dieses "richtige Leben" wird im Buch auch beleuchtet, also das Leben auf der Tour in vielen Städten der Welt. Dies geht oft Hand in Hand mit der Beobachtung der Spielerin, doch etwas verpasst zu haben. Natürlich ist das Buch auch ein Buch über Tennis. So schafft es Seles immer wieder, wichtige Matches ihrer Karriere nochmal Revue passieren zu lassen. Dies geschieht teilweise so rasant wie ein richtiges Spiel und verleitet den Leser immer wieder, in Youtube nach entsprechenden Videos zu suchen. Insgesamt ein gut zu lesendes Buch (auch auf Englisch), welches viele Menschen (egal ob weiblich oder männlich) ansprechen dürfte: Fans von Seles, Menschen, die vielleicht auch für oder gegen ihre Ernährungsgewohnheiten kämpfen, oder auch einfach nur Freunde guter Biografien oder des weißen Sports.
Ich war wirklich angenehm überrascht, hatte eine entspannte Lesezeit, die durchaus auch nachdenkliche Momente für mich bereitgehalten hat. Nach der Lektüre wissen SIe auch jeden Fall, wer damals die wahre Nummer eins war bzw. hätte sein sollen.