... werden in diesem Buch "groß geschrieben". Es geht nicht nur um die reine Wanderung und die Schönheiten der Natur oder mögliche Sehenswürdigkeiten rechts und links des Weges, sondern es geht im Besonderen um die Begebenheiten mit den Menschen links und rechts des Weges.
der Autor:
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Landolf Scherzer wurde 1941 in Dresden geboren und ist als freier Schriftsteller in Thüringen tätig.
Langzeitreportagen "Der Erste" oder auch "Der Zweite" machten ihn bekannt.
Ein Buch ähnlich dessen, welches ich euch heute vorstellen möchte ist "Der Grenzgänger" - auch sehr lesenswert. Hier schreibt Scherzer seine Eindrücke nach einer Wanderung auf dem ehemaligen Grenzstreifen zwischen Bayern, Hessen und Thüringen nieder. Dieses Buch erschien im Jahr 2005.
Inhalt/Gliederung und eigene Meinung:
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Das Buch ist in:
- Dank und eine notwendige Vorbemerkung
- 17 Kapitel
gegliedert.
Die einzelnen Kapitel sind mit relativ langen Überschriften versehen. (Bsp.: Vom Sheriff Nr. 0037, der an der kroatischen Grenze Maisdiebe verfolgt, der Spur der toten Hunde und einem Vulkanisierer, der hofft, dass die EU in Kroatien keine besseren Straßen bauen lässt ......
Im Buch sind in unregelmässigen Abständen 50 Fotos eingefügt, die vom Autor während der Wanderung gemacht wurden. (schwarz/weiß)
Es war eine Fahrt mit einem Traktor geplant und es sollte durch sieben osteuropäische Länder gehen. Doch Traktor-Willi macht Landolf Scherzer einen Strich durch die Rechnung. So wurde aus der Traktor-Wohnwagen-Abenteuer-Reise eine Wanderung "IMMER GERADEAUS" durch Europas Osten.
Die vordere und hintere Buchklappe zeigt jeweils die route, die Herr Scherzer nahm und gibt an, welche interessanten Haltepunkte im Buch Erwähnung finden.
Das Buch zeigt Station für Station die Orte auf, wo Der GERADEAUSGEHER SCHERZER meint, interessante Erlebnisse für den Leser niederschreiben zu müssen.
Sehr unterschiedliche Begebenheiten mit noch unterschiedlicheren Menschen. Normalen Menschen - wie DU und ICH .... Menschen, die in diesen Ländern leben und versuchen zu überleben. Und ich weiß, ich hatte das Glück Herrn Scherzer auf seiner Lesung in Mühlhausen kennenzulernen und einige Worte mit ihm zu wechseln - dass er aus dieser Wanderung besonders auch für sich mitgenommen hat, dass man mit viel weniger auskommen kann, als man denkt. Er sagte, es muss nicht immer unbedingt ein besonderer Käse sein, den man haben muss, es muss nicht ein besonderer Wein sein usw. - die kleinen Dinge des Lebens sind es, die uns erfreuen sollten. Dies haben ihn die Menschen auf seiner Reise lernen lassen, die es nicht so "einfach" haben,w ie wir hier in Deutschland zum Beispiel, die doch immer jammern müssen.
Auch ich habe aus diesem Buch die Erkenntnis gezogen, dass man viel zu materialistisch eingestellt ist, dass man mehr LEBEN sollte ....
Aber nicht nur dies habe ich während des Lesens erfahren, sondern auch, dass man sich immer bewußt sein sollte, dass man froh sein kann, ein Dach über dem Kopf zu haben, nicht jeden Abend suchen zu müssen, wo man übernachten kann ...
Scherzer zeigt dem Leser Menschen, die mit wenig Geld und ein bisschen Anbaumöglichkeiten überleben. Wie die Lebens- und Arbeitsumstände sind kommt auch im Buch sehr gut zur Geltung. Aber auch, wie einem Wanderer zumute ist, der jeden Tag bzw. jeden Abend aufs Neue eine Übernachtungsmöglichkeit suchen muss, der wenig Geld zur Verfügung hat und einfach von Haus zu Haus geht, bei den Menschen anklopft, oder in Kirchen übernachtet. So kann man die Einwohner eines Landes oder Landstriches wohl am besten kennenlernen und so kann man ganz gewiß auch ein realtistisches und wahres Bild in einem Buch zeichnen - eine Homage an ungarische Flurwächter, rumänische Fußballtrainer, gastfreundliche Roma.
Scherzer erzählt diese Geschichten von den Menschen, die er links und rechts seines Weges hat kennenlernen dürfen. Jeder hat seine Geschichte, es sind Geschichten, die nichts völlig unnatürliches bieten oder besonderes, es sind einfach Menschen, die Scherzer über den Weg liefen, ihm Unterschlupf boten oder einfach ein bisschen mit ihm plauderten, aus ihrem Leben Preis gaben.
Aber Scherzer zeigt auch die politischen und wirtschaftlichen Mißstände aufs Deutlichste und bringt diese mit den Menschen in Zusammenhang, weil sie untrennbar miteinander verbunden sind.
Die Menschen haben sich arrangiert mit den Umständen, die wir oftmals nicht begreifen können. Die primitiven Bedingungen, unter denen hier bei uns überhaupt nichts mehr laufen würde sind das eine und die Lebensumstände hinsichtlich des Wohnens usw. sind das andere.
Jedenfalls kann man sagen, dass dieses Buch dem Leser sehr viel geben, lässt er sich auf die Geschichte - die Geschichten - ein.
Fünf Wochen war Landolf Scherzer in Ungarn, Kroatien, Serbien und Rumänien unterwegs und hat natürlich in diesen fünf Wochen sehr viel erlebt. Dementsprechend dicht ist die Handlung der Kapitel. Es gibt immer wieder etwas zum Staunen und Kopf-Schütteln. Man ist hin und her gerissen über die vielen Eindrücke, die Scherzer seinen Lesern auf l eicht verständliche und eindrückliche Weise mitteilt.
Er schreibt sehr flüssig und verständlich in Alltagssprache, und ich finde, auch das macht das Buch sehr lesenswert. Scherzer ist ein sehr netter, aufgeschlossener und freundlicher Mensch und das kommt auch im Buch sehr gut rüber.
Das Buch kann als Reisebeschreibung aber auch als Osteuropäisches Porträt bezeichnet werden. In jedem Fall ist es etwas Besonderes.
kurze Leseprobe an dieser Stelle:
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Milan versucht mir zu erklären, dass Nikola ein "Nematschiki", ein Deutscher, ein Donauschwabe ist. Doch als ich Nikola frage, ob er noch Deutsch sprechen kann, schüttelt er den Kopf. Die Hitze und das Bier haben mich betrunken gemacht. Ich muss endlich etwas essen, hole Brot und Käse aus meinem Rucksack und biete dem hinkenden Invaliden Milan und dem Donauschwaben Nikola davon an. Sie lehnen lächelnd ab. In eine lange Stille hinein, in der er wahrscheinlich nachgedacht hat, sagt Nikola plötzlich: ...
Man sieht, dass Scherzer sehr bildhaft und detailliert schreibt. Man kann seine Gedanken sehr gut nachvollziehen und auch seine Gefühle gegenüber den Menschen, denen er begegnete. Ein sehr zu Herzen gehendes Buch, aus dem Herzen geschrieben....