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118 von 135 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Berlin trifft Nashville, 29. August 2009
Nach ihrem Erfolgsalbum "Mittelpunkt der Welt" im September 2005 hatte man wenig bis nichts mehr von Element of Crime gehört. Gut, eine Tour 2006 und Sven Regeners Buch "Der kleine Bruder" 2008, aber sonst Stille. Das führte zu Entzugserscheinungen der ganz üblen Art: Unterwegs in Berlin sah ich ständig Sven Regener. Stand er da nicht an der Supermarktkasse? Und der nachdenklich blickende Mann dort am Flohmarktstand, das war doch -? Die Stimme hinter mir im Plattenladen? Doch immer da, wo ich war, war er nie. Und Halluzinationen sind nicht schön. Das hat nun ein Ende, wenn auch das Versteckspiel irgendwie weitergeht, denn "Immer da wo du bist bin ich nie" heißt das neue Album von Element of Crime.
Ich habe nie so richtig verstanden, warum das Tonstudio beim Aufnehmen oder Abmischen eines Album Einfluss auf die Produktion haben sollte. Aber hier hört man die Mischung aus Berlin und Nashville in jedem Ton. Und das ist der schöne Überraschungseffekt, das Neue und gleichzeitig sehr Vertraute bei Element of Crime.
Zehn Songs verteilt auf pfirsich Minuten bringen das gute alte EoC-Gefühl zurück in Ohren, Hirn und Herz. Es kitzelt einem Lachtränen in die Augen oder legt sich schwermütig auf die lyrische Seele. Es macht größtenteils Spaß und es gibt Sinn, mit jedem Hören mehr. Etwas Geduld bis zum Kick der Erkenntnis braucht man schon.
Natürlich ist man - wie immer bei Musik dieser Band - geneigt, jeden Song zu zerpflücken. Jede zweite Zeile ist ein echter Regener, zitierfähig durchdacht. All die musikalischen Feinheiten verdienen Beachtung, von der Idee bis zur Ausführung. Doch jeder Hörer zerpflückt anders und soll dies bitte selber tun oder bleiben lassen.
Das neue Album, Nummer 13 in der 22 jährigen Geschichte des Quartetts, beginnt "böse und heiß" mit einer beschwingten Autofahrt und lässt erste Ausflüge ins Country-Land hören. Im Verlauf gibt es mehrere Songs, die rhythmisch & ruppig an den jungen Johnny Cash erinnern, die mit Banjo, Mundharmonika und Steel-Gitarre glänzen. Es gibt natürlich auch erwartungsgemäß die wunderbaren Chansons im 3/4 Takt und sehr schöne Balladen. Streicher und Trompete tauchen eher dezent auf.
Die Texte handeln von Spielplätzen und Gartencafés, von Erdbeereis und Kaffee - letztlich immer von großen Gedanken im kleinen Gehirn. Es sind detaillierte Alltagsbeobachtungen und Liebeserklärungen, stets in dem von Sven Regener perfektionierten sinnwandelnden Textzeilen-Splitting. Den Ausrutscher in die Rolf-Zuckowski-Welt kann man verzeihen angesichts der Herrlichkeit der anderen Songs. Am Ende fühlt man sich wieder bestätigt, dass man ohne Element of Crime nicht glücklich leben kann, dass man sie nicht suchen muss, weil ihre Musik einen findet und dass es eine niveauvolle Melange aus Eloquenz, Melancholie und Humor gibt.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Immer da, wo man es am wenigsten vermutet..., 12. November 2009
...findet man Diamanten im Dreck der Straße, oder tiefe Weisheiten in einem kleinen Liedtext. Wer wüßte das besser als Sven Regener oder seine treue Fangemeinde. Während die anderen weit über den Tellerrand schauen und nach neuesten Trends und Hits der vorwiegend englisch/amerikanischen Musikwelt mit dem Teleskop suchen, schaut und hört der Element of Crime Fan einfach nur vor seine eigenen Füße. Denn genau da liegt ja bekanntlich der musikalische Mittelpunkt der Welt. Wie es Element of Crime dabei geschafft haben, seit 1985 Musik zu machen und doch weitestgehend am Kommerz und der telehysterischen Bekanntheit vorbeizuschrammen, das weiß allein der liebe Herrgott, aber vermutlich ist es auch besser so.
Vier Jahre Wartezeit vergehen da wie im Flug. Man kann sich die Zeit schließlich mit dem Besuch eines Element of Crime Konzerts, dem Lesen eines Regener Buchs oder Blogs vertreiben. Wenn dann der Silberling im Regal steht, muss man keine Kaufstudien betreiben oder ein akribisches Probehören starten, nein, man geht einfach nur zu Kasse, bezahlt den Preis und wird ganz sicher nicht enttäuscht.
Bei -Immer da wo du bist bin ich nie- ist das ganz genau genau so. Regener textet die Songs mit Herz und Kopf und die Band spielt mit allem, was das musikalische Repertoire zu bieten hat. Der Sound reicht dabei vom Rock über Hillbilly, Ballade und Chanson. Eingängig wie clever kommen Musik und Text daher. Keine nichtssagende Pseudobotschaft, die man ohnehin nach dem dritten Hören vergisst oder Allgemeinplätze der Popkultur sind hier angesagt. Regeners Texte erinnern da schon eher an Brecht oder Böll. Das der Mann schreiben kann, hat er uns ja schließlich auch mit seinen Büchern bewiesen.
Mein Fazit: -Immer da wo du bist bin ich nie- eignet sich nicht nur zum Hören im Stillen Kämmerlein, vielleicht in Gesellschaft von Regeners ach so beliebtem Becks, sondern ist komplett gesellschaftsfähig für alle Situationen des Lebens. Musik in ihrer ureigensten Form, als Botschafter von Stimmungen und Geschichten.
Anspieltipps: Das rhytmisch perfekte -Kopf aus dem Fenster-, -Deborah Müller- ein kleines Märchen mit wunderbarem Mandolineneinsatz, die herrliche Trinkerballade -Kaffee und Karin-, das fast schon radiotaugliche und hitverdächtige -Immer da wo du bist bin ich nie-, das verspielte -In mondlosen Nächten- und -Bitte bleib bei mir- ein vertontes Stück Poesie, das einem komplett unter die Haut geht. Der Rest der CD fällt dabei nicht ab. Bis auf Ausnahme von -Der weiße Hai-, bei dem sich Regener sicherlich auch etwas gedacht hat, ist das Album nach wie vor Element of Crime in Reinform. Für alle Fans ein absolutes MUSS, für diejenigen, die noch immer nicht glauben, dass gute Musik auch mit Orten wie Delmenhorst, Hamburg oder Berlin in Verbindung stehen kann, vielleicht die akustischste Versuchung seit es Element of Crime gibt.
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6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Immer dann wenn Sven Regener singt bin ich am Lachen, 10. Januar 2010
Es hat sich mittlerweile herumgesprochen, dass Sven Regener so ziemlich die genialsten deutschen Songtexte verfasst: unverwechselbar nüchtern und kühl, und wie ich finde, gerade deshalb viel erheiternder als Comedy-Texte, die gezielt zum Lachen auffordern wollen. In jeder Zeile finden sich kreative Wortkombinationen, die man vorher noch nirgends so gehört hat. Wenn ich eines Tages ertauben sollte, würde ich mir allein wegen der Lyrics im Booklet weiterhin neue EOC-Alben kaufen.
Immer wenn der Sommer vorübergeht und die Tage trüber werden, ist es Zeit, sich von heißen Rhythmen und fetten Beats abzuwenden und etwas "Richtiges" zu hören. Ich höre dann immer EOC.
Und wie immer in meinen EOC-Rezensionen will ich aus jedem Lied meinen Lieblingsvers zitieren:
1.KOPF AUS DEM FENSTER: "Wer nicht geht, kommt nie wieder, und wer bleibt, ist nie weg."
2.AM ENDE DENK ICH IMMER NUR AN DICH: "Das Erdbeereis hängt bedenklich schräg nach vorn in seiner Waffel und tropft sich selbst verschwendend auf die Haute Couture."
3.DEBORAH MÜLLER: "Der liebe Gott liebt dich, und wenn nicht, dann bin ich noch da."
4.KAFFEE UND KARIN: "Wenn die Sonne noch weiter nach rechts rückt, und ich fürchte, sie wird das noch tun, scheint sie mir voll in die Augen."
5.EINER KOMMT WEITER: "Die Luft, die du atmest, übt da wo sie deine Haut berührt einen Druck von 1000 Millibar aus, den du dennoch nicht spürst."
6.IMMER DA WO DU BIST BIN ICH NIE: hier ist schon der Titel mein liebster Vers *lol*
7.BITTE BLEIB BEI MIR: "Ich hab mir überlegt, dass alles, was ab jetzt geschieht, mich nicht mehr interessiert, wenn du darin nicht vorkommst."
8.IN MONDLOSEN NÄCHTEN: "Wundert mich nicht, wenn ich schlecht ausseh heute Morgen. Das kommt davon, wenn man die Horizontale pflegt."
9.DER WEISSE HAI: "Der See, an dem du stehst, kann sich nicht entscheiden, ob er umkippen oder einfrieren soll."
10.EURO UND MARKSTÜCK: "Der Mann, der den Stromzähler abliest, hat Schokolade dabei. Die stopft er dir in die Taschen, und dann schlägt er den Zähler zu Brei."
Ich kann nicht mehr! Sowas brüllend Komisches hab ich selten gehört. Aber Sven Regener liefert es in jedem Song immer wieder. Wahrlich einzigartig!
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