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117 von 143 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Berlin trifft Nashville, 29. August 2009
Nach ihrem Erfolgsalbum "Mittelpunkt der Welt" im September 2005 hatte man wenig bis nichts mehr von Element of Crime gehört. Gut, eine Tour 2006 und Sven Regeners Buch "Der kleine Bruder" 2008, aber sonst Stille. Das führte zu Entzugserscheinungen der ganz üblen Art: Unterwegs in Berlin sah ich ständig Sven Regener. Stand er da nicht an der Supermarktkasse? Und der nachdenklich blickende Mann dort am Flohmarktstand, das war doch -? Die Stimme hinter mir im Plattenladen? Doch immer da, wo ich war, war er nie. Und Halluzinationen sind nicht schön. Das hat nun ein Ende, wenn auch das Versteckspiel irgendwie weitergeht, denn "Immer da wo du bist bin ich nie" heißt das neue Album von Element of Crime.
Ich habe nie so richtig verstanden, warum das Tonstudio beim Aufnehmen oder Abmischen eines Album Einfluss auf die Produktion haben sollte. Aber hier hört man die Mischung aus Berlin und Nashville in jedem Ton. Und das ist der schöne Überraschungseffekt, das Neue und gleichzeitig sehr Vertraute bei Element of Crime.
Zehn Songs verteilt auf pfirsich Minuten bringen das gute alte EoC-Gefühl zurück in Ohren, Hirn und Herz. Es kitzelt einem Lachtränen in die Augen oder legt sich schwermütig auf die lyrische Seele. Es macht größtenteils Spaß und es gibt Sinn, mit jedem Hören mehr. Etwas Geduld bis zum Kick der Erkenntnis braucht man schon.
Natürlich ist man - wie immer bei Musik dieser Band - geneigt, jeden Song zu zerpflücken. Jede zweite Zeile ist ein echter Regener, zitierfähig durchdacht. All die musikalischen Feinheiten verdienen Beachtung, von der Idee bis zur Ausführung. Doch jeder Hörer zerpflückt anders und soll dies bitte selber tun oder bleiben lassen.
Das neue Album, Nummer 13 in der 22 jährigen Geschichte des Quartetts, beginnt "böse und heiß" mit einer beschwingten Autofahrt und lässt erste Ausflüge ins Country-Land hören. Im Verlauf gibt es mehrere Songs, die rhythmisch & ruppig an den jungen Johnny Cash erinnern, die mit Banjo, Mundharmonika und Steel-Gitarre glänzen. Es gibt natürlich auch erwartungsgemäß die wunderbaren Chansons im 3/4 Takt und sehr schöne Balladen. Streicher und Trompete tauchen eher dezent auf.
Die Texte handeln von Spielplätzen und Gartencafés, von Erdbeereis und Kaffee - letztlich immer von großen Gedanken im kleinen Gehirn. Es sind detaillierte Alltagsbeobachtungen und Liebeserklärungen, stets in dem von Sven Regener perfektionierten sinnwandelnden Textzeilen-Splitting. Den Ausrutscher in die Rolf-Zuckowski-Welt kann man verzeihen angesichts der Herrlichkeit der anderen Songs. Am Ende fühlt man sich wieder bestätigt, dass man ohne Element of Crime nicht glücklich leben kann, dass man sie nicht suchen muss, weil ihre Musik einen findet und dass es eine niveauvolle Melange aus Eloquenz, Melancholie und Humor gibt.
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27 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Bitte bleibt bei mir!, 12. Oktober 2009
Element of Crime sind nach wie vor Spitzenklasse und liefern auch bei diesem neuen Album wieder Gehaltvolles ab. Trotzdem ist es im gesamten gesehn nicht mehr ganz so stark wie manch andere ihrer Dauerbrenner. Das Sven Regener ein Text Genius ist und es mit seiner Combo voll drauf hat, bleibt unbestritten,aber es fehlt ein wenig die knisternde Subtilität, die schräge Akkordschaft und die Grenzgenialität, welche diese großartige Band in sich trägt und des öfteren schon so ausgezeichnet hat.
Der große Erfolgskurs vom "Mittelpunkt der Welt" wurde hier nicht mehr verlassen, sondern weiter fortgesetzt. Es tummeln sich auch einige schwächere Songs auf dieser CD, das kann drehen und wenden wie jeder will,"immer da wo du bist, bin ich nie" bleibt ein Werk, zu welchen ich nicht uneingeschränkt super sagen kann .Ich als Intensivfan über viele Longplayer hinweg, habe mich wirklich sehr bemüht, die Tracks wohlwollenst zu bewerten.Irgendwie klingt das Album ein wenig zu zurückgelehnt, ein wenig zu beschaulich und auch ein ganz klein wenig zu brav.
Trotzdem immer noch wirklich gut anhörbar, klug und auf einem äußerst gepflegten Niveau, wenngleich auch dieser rotzige Biss und die Kantigkeit der früheren Jahre nur mehr vereinzelt aufblitzt.
So halte ich es mit einem echten musikalischen GLÜCKLICHMACHER, dem wohl gelungensten Lied ihres neuen Silberlings, der für mich einer der herrlichsten EoC Balladen aller Zeiten darstellt:
BITTE BLEIB(t) BEI MIR!
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11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Immer dann wenn Sven Regener singt bin ich am Lachen, 10. Januar 2010
Es hat sich mittlerweile herumgesprochen, dass Sven Regener so ziemlich die genialsten deutschen Songtexte verfasst: unverwechselbar nüchtern und kühl, und wie ich finde, gerade deshalb viel erheiternder als Comedy-Texte, die gezielt zum Lachen auffordern wollen. In jeder Zeile finden sich kreative Wortkombinationen, die man vorher noch nirgends so gehört hat. Wenn ich eines Tages ertauben sollte, würde ich mir allein wegen der Lyrics im Booklet weiterhin neue EOC-Alben kaufen.
Immer wenn der Sommer vorübergeht und die Tage trüber werden, ist es Zeit, sich von heißen Rhythmen und fetten Beats abzuwenden und etwas "Richtiges" zu hören. Ich höre dann immer EOC.
Und wie immer in meinen EOC-Rezensionen will ich aus jedem Lied meinen Lieblingsvers zitieren:
1.KOPF AUS DEM FENSTER: "Wer nicht geht, kommt nie wieder, und wer bleibt, ist nie weg."
2.AM ENDE DENK ICH IMMER NUR AN DICH: "Das Erdbeereis hängt bedenklich schräg nach vorn in seiner Waffel und tropft sich selbst verschwendend auf die Haute Couture."
3.DEBORAH MÜLLER: "Der liebe Gott liebt dich, und wenn nicht, dann bin ich noch da."
4.KAFFEE UND KARIN: "Wenn die Sonne noch weiter nach rechts rückt, und ich fürchte, sie wird das noch tun, scheint sie mir voll in die Augen."
5.EINER KOMMT WEITER: "Die Luft, die du atmest, übt da wo sie deine Haut berührt einen Druck von 1000 Millibar aus, den du dennoch nicht spürst."
6.IMMER DA WO DU BIST BIN ICH NIE: hier ist schon der Titel mein liebster Vers *lol*
7.BITTE BLEIB BEI MIR: "Ich hab mir überlegt, dass alles, was ab jetzt geschieht, mich nicht mehr interessiert, wenn du darin nicht vorkommst."
8.IN MONDLOSEN NÄCHTEN: "Wundert mich nicht, wenn ich schlecht ausseh heute Morgen. Das kommt davon, wenn man die Horizontale pflegt."
9.DER WEISSE HAI: "Der See, an dem du stehst, kann sich nicht entscheiden, ob er umkippen oder einfrieren soll."
10.EURO UND MARKSTÜCK: "Der Mann, der den Stromzähler abliest, hat Schokolade dabei. Die stopft er dir in die Taschen, und dann schlägt er den Zähler zu Brei."
Ich kann nicht mehr! Sowas brüllend Komisches hab ich selten gehört. Aber Sven Regener liefert es in jedem Song immer wieder. Wahrlich einzigartig!
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