Heute möchte ich Euch ein frisch erschienenes und ziemlich außergewöhnliches Kochbuch vorstellen. Es heißt 'Immer öfter vegetarisch (Einfach gut leben)' und die Autorin ist Ute-Marion Wilkesmann, die vielen hier bekannt sein dürfte von ihrer hervorragenden Vollwertseite mit Blog.
'Immer öfter vegetarisch' (erschienen im Dort-Hagenhausen Verlag, ISBN 978-3-86362.004-02) ist nicht das erste Kochbuch von der Autorin. Sie hat bereits mehrere Kochbücher über Books on Demand (BOD) veröffentlicht, die allesamt eine Kaufempfehlung wert sind. Aber auch wenn die BOD-Bücher inhaltlich erste Sahne sind, sind sie ausstattungsmäßig naturgemäß eher gewöhnungsbedürftig (Taschenbucheinbände, viele kleine SW-Fotos), da sonst auch der Preis ins Unendliche steigen würde.
Bei 'Immer öfter vegetarisch' ist das ganz anders. Es kommt fast schon luxuriös daher: Groß, schwer, hervorragend gebunden, mit festem Einband, Schutzumschlag und einer grandiosen, grafischen Aufmachung voller großformatiger, appetitanregender Farbfotos hat es diese gewisse Das-muss-ich-jetzt-einfach-unbedingt-ausprobieren-Wirkung. Und dadurch, dass die Autorin alle Rezepte quasi ausnahmslos selbst erdacht und somit in ihrer eigenen Küche auch gekocht hat, gibt es eine echte Geling-Garantie.
Inhaltlich ist das Buch etwas anders aufgeteilt, als man es gewohnt ist. Die übliche Unterteilung in Vorspeisen, Suppen, Hauptspeisen, Desserts und Gebäck finden wir hier nicht auf den ersten Blick. Es wurde eine Aufteilung in sogenannte Genusswelten vorgenommen, und zwar Brote und Brötchen, Getreide, Gemüse gekocht, Frischkost, Konservieren, Basics, Süßes. Die einzelnen Genusswelten haben dann noch ein paar 'Unterabteile' ;). Diese Gliederung hat den Vorteil, dass man sich praktisch schon im Vorfeld fragen kann: 'Nach was steht mir der Sinn?'. Wenn ich Lust auf eine Gemüsepfanne habe, schaue ich einfach unter 'Gemüse gekocht' - 'Pfannengerichte' und muss mich nicht erst durch alle 'Hauptgerichte' hangeln, um das Richtige zu finden. Wer dennoch an der altbewährten Einteilung hängt, findet im Anhang ein entsprechendes Register.
Innerhalb dieser Genusswelten finden sich über 170 Rezepte verschiedenster Art. Die weitgefächerte Vielfältigkeit dieses Buches sprengt den Rahmen einer Rezension. Unter den Basics lernen wir selber Gewürzmischungen herzustellen, Marktreste zu verwerten, Sauerteig zu machen, Sommermayonaise und Remoulade zu rühren (ohne Eier oder Milch!) und vieles vieles mehr. Das Basics-Kapitel ist ein Knaller! Aber auch alle anderen Genusswelten zeigen uns leicht nachzumachende Köstlichkeiten wie 'Das einfachste Brot der Welt', 'Zwiebelbaguettes', 'Kohlrabi mit Pilzhack (Frischkost!)', 'Kühler Kakao (keine Milch!)', 'Pommes mit Mayo und Kätschapp (vollwertig und zuckerfrei!)', 'Kokospralinen (zuckerfrei!)', 'Brotpizza mit Steinpilzen', 'Ravioli mit Tomaten-Blumenkohlsauce (die Ravioli werden natürlich selber gemacht!)', 'Käse-Schoko-Kuchen (vollwertig, zuckerfrei!)', 'Zitronengötterspeise (zuckerfrei!)' und und und '. Dazu gibt es jede Menge Tipps und Tricks zum Beispiel auch zur Vorratshaltung oder zur Haltbarmachung.
Mit seinem Titel 'Immer öfter vegetarisch' stapelt das Buch ein wenig tief. Denn alle Rezepte in diesem Buch sind nicht nur vegetarisch, sondern zum großen Teil auch vegan (und selbst nicht-vegane Rezepte lassen sich oft noch auf vegan trimmen ' Tipps dazu gibt das Buch selber). Alle Rezepte sind vollwertig. Zucker werden wir in diesem Buch nicht finden. Gesüßt wird mit Honig. Und wer bei 'Pizza' an 'Käse' denkt, wird eine Überraschung erleben ' und nach dem Probieren finden, dass es eine angenehme Überraschung war :). Auch Dosengemüse oder Fix-Produkte bleiben außen vor. Und sollte mal eine Zutat nicht im Haus sein: Eine hervorragende Austauschtabelle am Ende des Buches ist zu allem Überfluss auch noch vorhanden.
Für wen ist dieses Buch nun gedacht? Meiner Meinung nach spricht es jeden an, der seine Ernährung fleischfrei(er) und allgemein mit weniger Tierprodukten gestalten möchte und das sollte eigentlich jeder sein, der bei 'Essen' nicht nur mit dem Magen sondern auch mit dem Herzen (und ein wenig auch mit dem Gehirn ;)) denkt. Das Buch sollte also viele (wirklich viele!) Abnehmer finden.
Es gibt vielleicht eine einzige Sache, die bei einem flüchtigen, ersten Blick auf den Inhalt den potentiellen Buchverwender, der vielleicht noch nie etwas mit Vollwertkost zu tun gehabt hat, abschrecken könnte:
Grundsätzlich sind die meisten Rezepte leicht und mit den üblichen Küchenutensilien herzustellen. In einigen Rezepten werden aber Küchengeräte verwendet, die vielleicht so nicht in allen Küchen der Welt zu finden sind. Hauptsächlich wäre da ein kleiner Mixer zu nennen, womit nicht ein Handrührgerät sondern so ein Ding mit rotierenden Messern gemeint ist (z. B. Magic maxx oder ähnlich) :). Dazu muss man anmerken, dass solche Teile heutzutage schon für wirklich kleines Geld zu bekommen sind und: Hat man ihn erst, will man ihn auch nicht mehr hergeben! Das sage ich aus eigener Erfahrung. Desweiteren wird bei einigen wenigen Rezepten ein Hochleistungsmixer benutzt. Dieser geht mit einigen hundert Euro schon ganz schön ins Geld. Aber teilweise kann man solchen Rezepten auch mit einem kleinen Mixer und etwas Geduld beikommen, wenn man auf etwas Cremigkeit verzichtet. Und sollte das ein oder andere Rezept wirklich nur mit dem Hochleistungsmixer möglich sein, lässt man es eben weg. Die Anzahl ist wirklich verschwindend gering und man hat ja noch soooo viele andere Rezepte :). Zu guter Letzt wird bei allen Rezepten, in denen Mehl vorkommt, immer frisch gemahlenes Mehl aus eigener Mühle verwendet. Dazu muss man sagen, dass heutzutage viele Bio-Läden und auch einige Reformhäuser das Mehl für ihre Kunden frisch mahlen. Auch dieser Hinweis ist in dem Buch selber zu finden. Außerdem bin ich jetzt mal so ketzerisch zu erwähnen, dass die Rezepte auch mit dem normalen, gekauften Mehl funktionieren (so habe ich es Anfangs auch gemacht. Man sollte allerdings eine möglichst hohe Typenzahl verwenden und mit der Flüssigkeitszugabe vorsichtig sein). Aber dazu muss man auch ganz klar (auch hier eigene Erfahrung!) sagen: Wenn man weiß, was es mit dem frisch gemahlenen Mehl auf sich hat und wenn man einmal ein Brot aus seinem eigenen, frischen Mehl gebacken und probiert hat, ist es sowieso um einen geschehen. Spätestens dann steht eine eigene Getreidemühle auf dem Wunschzettel.
Am Ende einer Rezension formuliert man ja immer ein Fazit. Wenn ich jetzt in Kürze sagen sollte, was mir an diesem Buch so gut gefällt, dann ist es die Tatsache, dass es einfach viel mehr ist, als nur ein weiteres vegetarisches Kochbuch. Dieses Buch eröffnet einem eine Chance nach dem Motto: Weg von der Industriekost, hin zu selbstbestimmtem, gesundem und wirklich (!) leckerem Essen. Dabei ist das Buch weder eifernd noch missionarisch. Es lässt einem die Wahl vom 'kleinen Einstieg' bis zur kompletten Ernährungsumstellung und zeigt einem, dass gesunde Ernährung nicht teuer, zeitraubend oder gar kompliziert ist. Ein großes Kochbuch ' und das nicht nur wegen der Maße :).