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Immanuel Kant: Zum ewigen Frieden
 
 
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Immanuel Kant: Zum ewigen Frieden [Taschenbuch]

Otfried Höffe
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 298 Seiten
  • Verlag: Oldenbourg Akademieverlag; Auflage: durchgesehene Auflage (28. Juli 2004)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 305004084X
  • ISBN-13: 978-3050040844
  • Größe und/oder Gewicht: 20,6 x 13 x 2,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (9 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 707.275 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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13 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Bernhard Nowak TOP 1000 REZENSENT
Format:Taschenbuch
Die Hessisch/Niedersächsische Allgemeine Zeitung hat anläßlich des 200. Todestages von Immanuel Kant im Februar 2004 völlig zu recht bemerkt: "Was ihn [Kant] heute so attraktiv macht, sind eher die Ideen, die er in der Schrift: "Zum ewigen Frieden" formulierte. Da geht es um die Perspektive eines aufgeklärten Weltbürgertums, dessen moralische Prinzipien in gültiges Recht gekossen werden." Gerade in der Debatte um den Irak-Krieg wurde diese - bis heute - wichtigste Schrift Kants immer wieder zitiert. Robert Kagan hat in seinem Buch: ""Macht und Ohnmacht: Amerika und Europa in der neuen Weltordnung" Europa vorgeworfen, dass die Europäer, die das Völkerrecht als bindend ansehen, sich auf Kants Schrift beriefen, während für die Amerikaner Hobbes bindend sei. Die Hessisch/Niedersächsische Allgemeine bilanziert: "Alle, die ein universales Rechtssystem anstreben, finden bei Kant ihre Legitimation. Der Kern dessen, was wir heute die europäischen Werte nennen" findet sich in seiner Schrift: "Zum ewigen Frieden." Oliver Eberl hat in seinem - hervorragenden Aufsatz: "Realismus des Rechts: Kants Beitrag zum internationalen Frieden" in den "Blättern für deutsche und internationale Politik" Heft Februar 2004 zu recht darauf verwiesen, dass Kant durch und durch Realist gewesen ist und man daher von einem "Realismus des Rechts" sprechen könne. Dagegen entpuppe sich der Realismus Robert Kagans und anderer zunehmend als ein naiver "Idealismus der Macht". Gerade Kant ist in seiner Schrift über Saint-Pierres idealistischen Friedensentwurf hinweggegangen und hat jenen Entwurf nicht nur kritisch gelesen, sondern verarbeitet und reflektiert. Eberl zeigt am Beispiel des Irak-Krieges die Wichtigkeit und den Realismus von Kants Werk auf. Die Schrift "Zum ewigen Frieden" entwirft gerade keine Utopie. Sie ist nicht rein idealistisch-moralisch orientiert, sondern immer zuerst Rechtslehre. Kant zeichnet ein Bild der Menschen, dass diesem zwar Vernunftbegabung zuspricht, sie aber keineswegs als moralisch "gut" bewertet. Die Firedensschrift zielt nicht nur auf den Frieden, sie befasst sich auch mit der inneren Verfasstheit der Gesellschaften, bezieht Demokratie und Menschenrechte mit ein. Die in der Politikwissenschaft in den sogenannten "Internationalen Beziehungen" gelehrte Lehre vom Liberalismus (Schule um Czempiel) bezieht ihre Auffassungen im wesentlichen von der Schrift von Kant. Insofern ist es am 200. Todestag dieses für mich größten Philosophen der Neuzeit durchaus angebracht, an seine wichtigste Schrift zu erinnern: "Zum ewigen Frieden". Eine hervorragende Interpretation dieser Schrift gibt natürlich der obige Aufsatz von Oliver Ebel, da er die aktuellen Ereignisse des Irak-Krieges mit einbezieht.

Wer aber noch tiefer in die Analyse dieses Klassikers einsteigen möchte, dem sei dieser Sammelband des hervorragenden Kant-Kenners Otfried Höffe empfohlen. höffe selber beschäftigt sich mit dem vernachlässigten Ideal des Friedens, Jean-Christophe Merle legt eine Geschichte des Friedensbegriffs vor Kant dar, wobei er Antike und Mittelalter ebenso einbezieht wie Reformation und Naturrecht. Hans Saner untersucht die negativen Bedingungen des Friedens und geht dabei auf den Anlass der Schrift Kants, den Baseler Frieden zwischen Frankreich und Preußen ein und zeigt den Unterschied zwischen Verträgen und Kants Intention auf, der im Gegensatz dazu keinen Mustervertrag für Friedensverträge vorlegen wollte, sondern "den Krieg in den Frieen" überführen will. Kant geht es um Bedingungen, dauerhaften Frieden zu schaffen. Weitere Beiträge in dem Sammelband untersuchen das "Problem der Erlaubnisgesetze im Spätwerk Kants" (Reinhard Brandt), die notwendigen Elemente einer republikanischen Verfassung in: "Die bürgerliche Verfassung in jedem Staate soll republikanisch sein" (Wolfgang Kersting), die Frage, ob es einen Völkerbund (von Kant befürwortet) oder eine Weltrepublik (von Kant abgelehnt) geben soll (Otfried Höffe). Hier hat in dem oben zitierten Aufsatz auch Eberl ganz klar den Realismus von Kants Lösungsvorschlag herausgearbeitet: eine Weltrepublik wäre ein Zwangstaat, so Eberl in Anlehnung an Kant, der mit seiner Anmaßung globaler Gewalt notwendigerweise Widerspruch hervorrufen müsse, während ein Völkerbund (nach diesem Vorbild entstand die heutige UNO) den Vorteil der Freiwilligkeit des Zusammenschlusses habe. Nur ein solcher verspräche die Anerkennung des globalen Rechtes - wie man ja derzeit an den Schwierigkeiten im Irak feststellen kann (so Eberl korrekt). Auch Höffe betont in seinem Beitrag die Notwendigkeit einer sanktionsbedingten Rechtsordnung, also einer gewissen Staatlichkeit. Und ist es nicht der allerorts zu beobachtende Staatszerfall einerseits wie auch Beobachtungen eines demokratisch nicht zu kontrollierenden Weltstaates, der zum Despotismus neigt (so Ingeborg Maus: "Vom Nationalstaat zum Globalstaat oder: Der Niedergang der Demokratie" in: "Weltstaat oder Staatenwelt? Für und wider die Idee einer Weltrepublik, 2002, zit. nach Eberl), die zeigt, wie aktuell und real Kants Überlegungen sind? Diese zeitlose Aktualität Kants wird auch in den weiteren Beiträgen dieses Sammelbandes deutlich. So untersucht Reinhard Brandt das "Weltbürgerrecht", Pierre Laberge beschreibt die inneren und äußeren Bedingungen des "ewigen Friedens", wobei er im Kapitel: "Der äußere Krieg" auch den sogenannten Neorealismus, eine Theorie in den Internationalen Beziehungen, mit in die Untersuchung einbezieht. Volker Gernhardt untersucht in seinem Beitrag: "Der Thronverzicht der Philosophie" das Verhältnis von Philosophie und Politik bei Kant und zeigt, dass sich Kant der systematischen Differenz zwischen philosophischer Theorie und pragmatischen [politischen] Handeln bewußt gewesen ist, was auch für seinen Realismus spricht. Monique Castillo untersucht dieses Spannungsverhältnis in ihrem Beitrag:"Moral und Politik: Misshelligkeit und Einhelligkeit". Michael W. Doyle, einer der Begründer der Theorie des "Demokratischen Friedens" in den Internationalen Beziehungen, vergleicht in seinem Aufsatz: "Die Stimme der Völker" die Theorien von Thukydides, Rousseau, Kant und Schumpeter, allesamt Verfechter einer demokratischen und repräsentativen Regierungsform, miteinander und die Frage, inwieweit Demokratie und Mehrheitsprinzip Bedingungen füreinen Friedenszustand sein mögen und ob die Theorie des Demokratischen Friedens daher zutreffe oder nicht. Willfähigkeit, Kreuzzugsmentalität und übersteigerte Verfolgungsangst seien kriegsfördernde und friedenshemmende Bedingungen. Versäumnisse in jedem dieser drei Bereiche könnten unsere friedlichen Aussichten daher "radikal verändern" (S. 242). Abschließend unterscuht Otfried Höffe in einem faszinierenden Aufsatz, inwieweit die Vereinten Nationen der eines Völkerbundes im Sinne Kants entspräche, wobei er eine "halbierte Übereinstimmung" der Ziele und Ideen der UN mit Kants Vorstellungen konstatiert (S. 249).

Insgesamt eine faszinierende Interpretationsschrift, die zeigt, welch bleibende Aktualität Kants Schrift vom ewigen Frieden auch heute noch - gerade nach den Ereignissen des Irak-Krieges - besitzt. Der zitierte Aufsatz von Eberl in den "Blättern" sollte unbedingt als Ergänzung zu den vorliegenden Aufsätzen gelesen werden. Sie zeigt die Wichtigkeit und Realitätsnähe von Kant auch in der heutigen Zeit auf.

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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von kpoac TOP 500 REZENSENT
Format:Taschenbuch
Das Schild eines holländischen Gastwirts, ein Bild eines Friedhofes mit der Textzeile "Zum ewigen Frieden" mag in seiner ganzen Satire den großen Philosophen Immanuel Kant (1724-1804) angeregt haben, eine besondere, auf dieser Welt bisher einmalige Schrift zu verfassen, die just in dem Jahr des 18. Brumaire des Revolutionskalenders erschien. An diesem 18.Brumaire verkündete Napoleon "den Roman der Revolution" für beendet und läutete mit diesem Datum, dem 09.11.1799 ein neues Zeitalter ein. Ist dieser 9.11. heute für Deutschland ein besonderes Datum, welchem Sloterdijk gleich die guten Gründe des Zusammenseins unterstellt, ist das Jahr 1795 auch für Kant neun Jahre vor seinem Lebensende die Geburtsstunde für das Denken "zum ewigen Frieden".

Friede als nur das Ende der Revolution und als bloßen Waffenstillstand abzutun, liegt nicht im Interesse Kants, zumal er ihm das Attribut "ewig" anhängen wird. Kein Friedensschluss mit Vorbehalt, kein Tausch von Staaten, die er als Habe bezeichnet mit einer Gesellschaft von Menschen. Kein Waffenheer, keine Staatsschulden gegenüber anderen Staaten.

Der Friedenszustand unter Menschen ist, wie man meinen kann, durch Verbote zu erreichen. Friede ist kein Naturzustand, er muss gestift werden, wie Kant postulierte. In einer Gesellschaft, die Freiheit aller, eine Abhängigkeit aller zu einer Gesetzgebung und so vollständige Gleichheit verspricht, wird unter der Idee der Republik Recht und Friede gestiftet. Zwischen den Staaten gilt dann das Völkerrecht auf Basis des Föderalismus. Völker als Staaten werden wie einzelne Menschen betrachtet. Deren Maximen des Zusammenlebens gelten ebenso unter Staaten, das Recht hat zu siegen und nicht durch Sieg im Krieg das vorgebliche Recht. Trägt man diese Maximen unter eine Sonne, gilt das Weltbürgerrecht, nämlich als Recht auf dem Boden anderer nicht feindselig behandelt zu werden. Dieses Recht auf Hospitalität denkt bereits das allumfassende Recht als Grundlage einer globalen Wanderung und impliziert, dass sich der Fremde in einem für ihn fremden Land ebenso nicht feindselig verhält. Tritt dieses Weltbürgerrecht als oberste Maxime über alle Völker, Staaten und Menschen in Kraft, so findet die Rechtsverletzung dagegen im Prinzip an einem Platz statt und wird in allen gefühlt - und wird so als öffentliches Menschenrecht zum Codex das ewigen Friedens.

Gewährleister dieses Codexes ist die Natur selbst, die in ihrer Zweckmäßigkeit hervorleuchtet und die Friedenssicherung zuletzt notwendig macht, in dem sie a) für alle Menschen in allen Erdgegenden gesorgt hat, b) die Menschen durch Krieg in jeden Winkel der Erde getrieben hat und c) die Menschen gerade durch den Krieg in gesetzliche Verhältnisse genötigt hat.

Wenn Staaten wegen der in ihnen wohnenden Menschen wie einzelne Menschen zu behandeln sind, dann gelten für diese Staaten auch die Vernunftgründe, die sich im kategorischen Imperativ der praktischen Vernunft zeigen und zudem die moralischen Instanzen in ihnen selbst. Der Streit zwischen Moral und Politik kann objektiv aufgehoben werden, findet sich jedoch subjektiv verdeutlicht, wenn man den Vernunftmaximen nicht folgt.
"Trachtet allererst nach dem Reiche der reinen praktischen Vernunft und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch euer Zweck (die Wohltat des ewigen Friedens) von selbst zu fallen."

Auf einen ewigen Frieden ist aber gemäß Kästner in einem Fall zu verzichten: "Auf ewig ist der Krieg vermieden, / Befolgt man, was der Weise spricht; / Dann halten alle Menschen Frieden, / Allein die Philosophen nicht."
Kant hält gerade die streitbare Verfassung der Philosophen als Frieden sichernd. (Von der wirklichen Vereinbarkeit der kritischen Philosophie ...)

Lesenswertes, weil einmaliges Traktat; "Die Vorankündigung des nahen Abschlusses eines Traktats zum ewigen Friedens in der Philosophie" ebenso als frohe Aussicht.
~~
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11 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Daniel
Format:Taschenbuch
Ich habe mir diese "interpretierte" Ausgabe auch zugelegt. Sicherlich mag es für einige "Benutzer" dieser Ausgabe von Vorteil sein, dass die Autoren einzelne Aspekte von Kants Werk "Zum ewigen Frieden" in diesem Buch "interpretieren" z.B. Höffes Beitrag "Völkerbund oder Weltrepublik?" bzw. das letzte Kapitel (ebf. v. Höffe) "Die UNO im Lichte Kants".
Doch wenn man "tiefer" in Kants Werk einsteigt hat man schon diese "Interpretationen" vor Augen und wird dadurch, meiner Meinung nach, zu sehr in eine Richtung "gelenkt"(s. wiederum Beitrag "Völkerbund oder Weltrepublik?" bzw. "Die UNO im Lichte Kants" (warum soll die UNO in bezug auf Staatlichkeit zwischen Kants "extrem-minimalen" u. "ultra-minimalen Weltstaat" verortet werden? Handelt es bei der UNO nicht vielmehr um einen (Völker-)"Bund", den Kant als sog. "negatives Surrogat" (dt. "negativer Ersatz") für den Weltstaat ansieht?)).
Mein Tipp :
Erst das Original (ohne Kommentare!!!!!) kaufen (s. Reclam-Ausgabe) und versuchen zu lesen (und verstehen) und falls es dann gar nicht geht diese Ausgabe als "Einstieg" in Kant.
Denn meiner Meinung nach versteht man ohne Kants Original gelesen zu haben die Interpretationen überhaupt nicht.
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