Über den Autor
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Eine spannende Biographie läßt sich über Kant schwerlich schreiben; sein äußeres Leben verlief gleichmäßig und einförmig. Wir finden keine Affären, die das Aufsehen der Zeitgenossen erregt hätten, keine Abenteuer, die die Neugierde der Nachgeborenen fesseln könnten. Kant hat nicht wie Rousseau ein unstetes Wanderleben geführt, nicht wie Leibniz mit allen Größen seiner Zeit korrespondiert; anders als Platon oder Hobbes war er nicht in politische Unternehmungen, anders als Schelling nicht in "Frauengeschichten" verstrickt. Auch seinem Lebensstil haftet nichts Extravagantes an: keine auffallende Kleidung oder Haartracht, keine pathetische Geste, wie sie die Sturm- und Drangzeit liebte. Kant war ungewöhnlich zurückhaltend. Obwohl das kritische Werk vielleicht ähnlich wie Augustinus', Descartes' oder Pascals Philosophie einer plötzlichen Erleuchtung zu verdanken ist (vgl. Refl. 5037), spricht Kant doch nirgendwo in seinen Schriften von einem philosophischen Erlebnis, das sein bisheriges Denken blitzartig verändern sollte. So finden wir nichts, was der Vorstellung eines Genies entspricht. Sind also die Persönlichkeit und Biographie Kants enttäuschend? War Kant vielleicht kein Genie, wie Heine (240) behauptet hat?
Kant ist nur durch sein Werk zu verstehen, in dem er mit unbeirrbarer Strenge und einer fast unheimlichen Ausschließlichkeit aufgeht. Dieses Werk heißt Wissenschaft, vor allem Vernunftwissenschaft: die Erkenntnis der Natur und Moral, des Rechts, der Religion, Geschichte und Kunst aus Prinzipien a priori. Noch mehr als für andere Philosophen trifft es für Kant zu: die wirklichen Ereignisse geschehen im Denken; Kant hat keine andere Biographie als die Geschichte seines Philosophierens. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.