Eine sehnsüchtige tiefe Stimme (Ibrahim Ag Alhabib alias Abaraybone), ein bisschen Perkussion (u.a. Said Ag Ayad), der Klang einer sparsam verstärkten und verzerrten Slide-Gitarre (Abin Abin) und heller, mehrstimmiger Hintergrundgesang, viel mehr braucht die Gruppe Tinariwen nicht, um die Sahara-Region Nord-Malis, in dem ein Teil des Nomadenvolks der Touareg lebt, akustisch zu zeichnen. Beim Hören der CD sitzt man förmlich bei Abenddämmerung an einem kleinen Feuer und lässt den Blick über flache Bäume, Dörrbüsche und eine endlose Ebene schweifen; die Silhouetten der kargen Landschaft mischen sich mit dem Rauch und den Schlieren des Himmels.
Verzierungen wie vibrierende Kehllaute und schnarrende Saiten setzen Tinariwen sparsam ein. Ganz bemerkenswert der superschnelle, fast rap-artige, aber ungleich klarere Strophengesang in "Tenhert", der mithilfe der Hintergrundstimmen in einen Refrain aus fast nur einem Vokal mündet. Ansonsten fallen nur das unruhige "Kel Tamashek" und das zuerst beschleunigte und dann minutenlang im elektrischen Nachhall der Gitarre versandende Schlusslied "Ere Tasfata Adounia" aus der Reihe von dreizehn erdigen wie gefühlvollen Liedern.
Zur visuellen Veranschaulichung der Klänge und ihrer Herkunft bräuchte es eigentlich den halbstündigen Film in diesem Doppelpack gar nicht. Wobei die Bilder der sparsamen Landschaften eine klarere Sprache sprechen als die Dialoge über das einfache Leben der Touareg, ihrer Herkunft, Sehnsüchte und Ausdrucksform - der Musik.
Das vierte Album von Tinariwen von 2009 (die Gruppe gibt es in loser Zusammensetzung schon seit 1979) ist freilich etwas nahe an Ali Farka Touré und Ry Cooders Album "Talking Timbuktu" komponiert und arrangiert, wobei Tinariwen das Konzept noch etwas weiter in die Wüste und die Tiefe des sich entspannenden Geistes ausdehnen.