"Imago" ist ein wunderbarer und tiefsinniger Jungendroman, der auch Erwachsenen eine neue, spannende Welt eröffnet. Mit Wanja zusammen entdeckt man all die kleinen und großen Rätsel des Lebens und wie man sich darauf einlassen kann. Die Fantasiewelt Imago ist dabei nur ein kleiner Teil des Romans. Die Handlung spielt teils dort, aber zu einem Großteil weiterhin in Wanjas Heimat Hamburg.
Die Autorin Isabel Abedi versteht es, ihre Leser mit auf die Reise des eigenen Lebens zu nehmen. Wanja lernt Trauer, aber auch Freude kennen. Alles, was sie erlebt, ist miteinander verbunden. Dinge, die sie in der realen Welt erlebt, haben Einfluss auf Imago und seine Bewohner. Um Freundschaften und Beziehungen unter den Menschen geht es in diesem Buch. Natürlich spielen Väter eine große Rolle, aber auch andere zwischenmenschliche Beziehungen lässt Abedi dabei nicht unbeachtet. Der Roman zeichnet sich durch besonderes Feingefühl aus. Die Autorin spricht heikle Themen wie Alkoholsucht und Misshandlung an, ohne dass man das Gefühl hat, belehrt zu werden. Man leidet einfach mit den Protagonisten mit, kann sich in die Figuren hineinfühlen und sie verstehen.
Besonders Menschen, die selber ihren Vater nicht kennen oder Probleme mit ihm haben, wird dieses Buch sehr berühren, denn es leitet einen dazu an, sich mit den eigenen Gefühlen zu beschäftigen. Es ist wichtig zu wissen, wer man ist und woher man kommt. Und damit beschäftigt sich nicht nur Wanja, sondern der Leser mit ihr. Wer sich voll und ganz auf die Geschichte einlässt, wird mit Sicherheit nicht nur einmal eine Träne aus dem Augenwinkel wischen.
Fazit: Dieses Buch ist ein sehr starkes Werk, das unglaublich spannend geschrieben ist, dabei aber das Gefühl nicht vergisst. Trotz der imaginären Welt Imago setzt Abedi sich mit ganz realen Problemen auseinander.