Ein alternder Schriftsteller, der zweifellos viel gelesen hat, möchte der Jugend seines Landes, seines Sprachraumes und Denkhorizontes mehr hinterlassen als "Urmel aus dem Eis" und "Der Löwe ist los". Er denkt sich einen Evo-Park aus, einen Freizeitpark zum Thema Geschichte. Allerdings gelingt es ihm nicht, wie anderen Jugendbuchautoren, Geschichte in Geschichten zu erzählen und miterlebbar zu machen. Letztlich handelt es sich doch um eine Art (philosophie-)geschichtliches Seminar außerhalb des Hörsaals. Fast nur Dialoge durch zwei dicke Bände zwischen 4 Personen:
Berenike, die ich leider als Alibi-Frau erlebe, ohne eigene Interessen und Eigenschaften, Objekt der Verliebtheit iher Begleiter und mahnende Anfrage an jede Zeit/Epoche: Und wie erging es den Frauen?
Stefan: eindimensional auf Vernunft setzender Denker, der jede Form von Glauben ablehnt, Glaube und Aberglaube grundsätzlich gleichsetzt und als "Beweise" für seine Ablehnung alle Formen von Missbrauch von Religion + Glauben anführt. "Ohne Religuion wäre die Welt besser (dran)" scheint SEIN Credo zu sein.
Roman, der Versöhnliche, der versucht, etwas differenzierter hinzusehen, auch schon viel weiß, aber trotzdem blaß bleibt.
Senex = der weise Alte, der durch "Raum + Zeit" führt und Urteile abgibt, als habe er den absoluten Überblick (steht er für Max Kruse oder gleich für Gott?)
Um einen fairen Eindruck zu bekommen, solte man vielleicht das Nachwort/Vorwort ab S. 488 vorweg lesen. Vieles an Zorn/Unmut/Aufbegehren gegen einzelne Darstellungen hat es wieder besänftigt. Die Absicht des Autors war mir bis dahin nicht klar geworden, ist aber wichtig! (S.496)
Ärgerlich dennoch zB: Warum kann man Jahreszahlen nicht als Zahlen schreiben? Man fände sich viel schneller zurecht.