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Produktinformation
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Weit über die Hälfte des gut 370 Seiten starken, erstaunlich gut, lebendig und spannend geschriebenen Werkes, das erkennbar aus Fischers eigener Feder stammt, ist dem Eiertanz um den Irak-Krieg gewidmet. Es setzt an jenem denkwürdigen 11. September 2001 ein, und es scheint so, als hätte sich tatsächlich alles so zugetragen, wie man es sich vorgestellt und irgendwie auch noch bestens in Erinnerung hat. Selbst hinter den Kulissen, wo ja gerade auf dem außenpolitischen Parkett für gewöhnlich das Arkanprinzip waltet, wie die Enthüllungen von Wikileaks belegen. Fischer versteht es, seinen ungewöhnlich unpolemisch und unprätentiös gehaltenen Geschichtsrapport mit intelligenten Exkursen von großer analytischer Kraft zu garnieren. So etwa wenn er auf die für die verheerenden Bush-Doktrinen verantwortlichen „Neocons“ zu sprechen kommt, die er als einen von der radikalen Linken zur Ultrarechten mutierten Haufen von Weltverbesserungssektierern vorstellt , deren Machbarkeitsutopismus alles andere als konservativ sei: „Wenn man so will, war meine Ablehnung der Neokonservativen und ihres Marsches in den Krieg gegen den Irak nicht nur intellektuell und politisch begründet, sondern auch sehr stark eine Instinktreaktion, die sich aus meiner eigenen linksradikalen Biografie ergab.“
Man mag ja zum Opportunismus des machtpolitischen Chamäleons Fischer stehen wie man will, zu seinen Selbstinszenierungen und Metamorphosen vom militanten Berufsrevolutionär zum friedensbewegten Ökopax, vom großmäuligen Oppositionsführer im Bundestag zum bedächtigen Vizekanzler. Doch eines muss man ihm lassen: Wie in allen seinen Rollen ist er auch als Diplomat im Dreiteiler zu Hochform aufgelaufen. Bei aller berechtigten Kritik an der von ihm mitbetriebenen Neudefinition des militärischen Selbstverständnisses der Bundesrepublik hat er ihr damit zweifellos zu größerer Weltgeltung verholfen. Und seine Meriten für das europäische Einigungsprojekt sind trotz der von den Amerikanern geschürten vorübergehenden Irritationen zwischen „altem“ und „neuem“ Europa unbestritten. Und was die zweifelhafte China- und Russlandpolitik anbelangt, so geht diese eindeutig auf die Kappe Gerhard Schröders. Er war es, der die speziellen Beziehungen zu diesen beiden Staaten irgendwann ohne Rücksprache zur Chefsache und Wladimir Putin zu seinem Busenfreund machte. Nicht ohne Auswirkungen auf Innenpolitik und Koalitionsklima übrigens, wie wir erfahren. Scheint doch abwechselnd das Vorbild Putins und des französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac vor Augen Schröders Urteilsvermögen über Macht und Kompetenzen eines deutschen Bundeskanzlers allmählich gelitten zu haben.
Eine erstaunliche Erkenntnis für einen, der als konkurrierendes Alphatierchen im Amt alles andere als frei von Selbstüberschätzung war. Und so kommt es, dass sich am Ende der Lektüre seines Buches fast ein wenig Wehmut über den Verlust des großen Zampanos einstellt. Auch wenn man es einem Wichtigtuer wie ihm zunächst einmal erst Recht nicht gegönnt hat, muss man nachgerade zugeben, dass in Anbetracht der internationalen Lage ein Joschka Fischer auf dem Posten von Catherine Ashton als oberster Repräsentant der EU-Außenpolitik sicherlich die bessere Wahl gewesen wäre. – Roland Detsch
Der 11. September 2001 leitete eine Zeitwende ein, die die deutsche Regierung und den damaligen Außenminister Joschka Fischer vor dramatische Herausforderungen stellte. Die erste Antwort auf die New Yorker Anschläge war der Krieg in Afghanistan, der bis in die Gegenwart die deutsche Politik in Atem hält. Das Gleiche gilt für den Krieg der USA gegen den Irak, dem sich die rot-grüne Koalition entgegenstellte und der zu heftigen Konflikten zwischen den USA und Deutschland führte.
Joschka Fischer berichtet von innen über die dramatischen Hintergründe dieses Zerwürfnisses und die schwierige Gratwanderung zwischen seinem Nein zum Krieg und der Rolle Deutschlands als wichtigstem Bündnispartner der USA in Europa.
Aber auch viele andere politische Groß-Themen von Heute haben in den Jahren der rot-grünen Regierung ihren Ursprung, seien es die Debatten über Laufzeiten von Atomkraftwerken, die Agenda 2010 und die Hartz IV-Gesetze, die drohende atomare Bewaffnung des Iran, die Krisen der Europäischen Union und nicht zuletzt die Auseinandersetzungen um die NS-Geschichte des Auswärtigen Amtes, deren kritische Erforschung durch Joschka Fischer angestoßen wurde und zu erschreckenden Ergebnissen geführt hat.
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
I'm convinced,
Von
Rezension bezieht sich auf: I'm not convinced: Der Irakkrieg und die rot-grünen Jahre (Gebundene Ausgabe)
dass sich dieses Buch einreiht in die lange Liste guter politischer Bücher über die Zeit zwischen 1998 und 2005 bzw. darüber hinaus. Joschka Fischer schreibt nach wie vor in seinem, etwas eigenen Stil. Das kann man mögen, muss es aber nicht. Natürlich hat er seine eigene Sicht der Dinge. Er braucht auch auf (fast) nichts mehr Rücksicht zu nehmen. Weder auf politische "Freunde" noch Gegner. Zum Beispiel seine Beschreibungen der Innenansicht der Fraktion der Grünen während der Regierungsverantwortung ist aus meiner Sicht höchst interessant. Da sind Menschen am Werk, die noch eine Botschaft haben.Joschka Fischer schreibt persönlich, manche werden sich verletzt fühlen, wenn sie sich nicht gerade schmeichelhaft dargestellt sehen. Manche Äußerungen sind überraschend, weil man ihm die Nähe zu manchen Personen auf den ersten Blick gar nicht zugetraut hätte. Nachdem ich nun mehr als 1 Jahr auf die Fortsetzung des ersten Bandes gewartet habe, ist es nicht ganz einfach der Erwartungshaltung zu begegnen. Das Buch ist auch keine Biographie im klassischen Sinn. Bilder über die Zeit als Außenminister fehlen völlig. Das ist im Ergebnis auch gut so. Das Buch fesselt durch seine Worte, seine Beschreibung von Menschen, von Ereignissen, von Ergebnissen und Folgen. Deshalb kann ich das Buch nur zur Lektüre empfehlen. Und es sei mir bitte eine persönliche Bemerkung gestattet. Ich hätte niemals geglaubt, dass man sich nach manchen Politikern, trotz aller Fehler, Ecken und Kanten zurücksehnen könnte. Angesichts des real existierenden Erscheinungsbildes der deutschen Außenpolitik in der Gegenwart muss ich aber zu einem anderen Schluss kommen. Auch das wird einem bewusst, wenn man die Worte dieses Buches über die an Ereignissen so dramatische Zeit Revue passieren lässt. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Liest man es kritisch, wird es noch lange Zeit zu den wichtigen Zeitdokumenten eines Jahrzehnts gelten, das die Welt veränderte,
Von Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen (HALL OF FAME REZENSENT) (TOP 10 REZENSENT)
Rezension bezieht sich auf: I'm not convinced: Der Irakkrieg und die rot-grünen Jahre (Gebundene Ausgabe)
Lange erwartet, liegt nun der dritte Teil der politischen Erinnerungen des ehemaligen Außenministers Joschka Fischer in Buchform vor. Nach "Die Rückkehr der Geschichte" (2005) und "Die rot-grünen Jahre" (2007) befasst er sich im neuen Buch mit dem "Irak-Krieg und die rot-grünen Jahre."Das Buch, in Fischers eigenem Stil geschrieben, auf den man sich erst einmal einlassen muss, fasst vieles aus den ersten beiden Büchern zusammen, spitzt es noch einmal zu und ist vor allem davon geprägt, dass Fischer, mittlerweile als unabhängiger Berater arbeitend, auf niemanden mehr Rücksicht nehmen muss. Es gibt tiefe Einblicke hinter Kulissen, die sonst niemand erhält. Den Schwerpunkt des Buches bildet die schwierige Zeit nach dem Nein Deutschlands zum Irak-Krieg ("I am not convinced"), in der es Fischer tatsächlich gelang, die Rolle Deutschlands als wichtigem Bündnispartner des USA nicht zu schwächen, sondern schlussendlich zu stärken. Es würde der egozentrischen Art Fischers widersprechen, würde er nicht seine ganz besonderen persönlichen Verdienste und Leistungen in diesem Buch eigens darstellen und betonen. Dennoch: liest man das Buch kritisch, wird es noch lange Zeit zu den wichtigen Zeitdokumenten eines Jahrzehnts gelten, das die Welt veränderte. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Außenpolitik im Dienste der Regierungsfähigkeit,
Von
Rezension bezieht sich auf: I'm not convinced: Der Irakkrieg und die rot-grünen Jahre (Gebundene Ausgabe)
Der zweite Teil der Erinnerungen Joschka Fischers an die Jahre der rot-grünen Bundesregierung deckt die Zeitspanne vom Anschlag auf das World Trade Center bis zum Verlust der Regierungsverantwortung im Jahr 2005 ab. Detailliert schildert Fischer die Regierungskonsultationen innerhalb der westlichen Allianz im Zusammenhang mit dem Afghanistan Einsatz und im Vorfeld des Irak-Feldzuges. Weitgehend chronologisch sortiert Fischer die innenpolitischen Ereignisse in das Weltgeschehen ein. Da Fischer auf Zwischenkapitel verzichtet hat, folgt er phasenweise recht sprunghaft den verschiedenen inhaltlichen Fäden.Wortgewaltig wie eh und je, rechnet Fischer mit seinen Kontrahenten ab. Besonders die Presse kommt wenig vorteilhaft davon: "Ich wollte partout nicht einsehen, warum ich jeden Simpel wie ein Gottesgeschenk zu behandeln hatte, nur weil er über einen Presseausweis verfügte." (S 313) Mit wenig Milde, sondern vielmehr mit einer gehörigen Dosis Altersstarrsinn werden auch Fischers eigene Parteifreunde bedacht. Fischer zeichnet sich selber als den großen Visionär, der einzige Grüne, der das große Ganze und nicht nur die Parteiseele im Auge hat. Umso bemerkenswerter sind erste Anzeichen einsetzender Altersmilde Joschka Fischers, wie sie sich zum Beispiel in der Würdigung Helmut Kohls und dessen Europa-Politik zeigt: "Es war vor allem dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl zu verdanken, dass die Ablösung der D-Mark durch den Euro Wirklichkeit wurde, denn "der Dicke", wie er fraktionsübergreifend im Bundestag genannt wurde, hielt gegen alle Widerstände, vor allem in seiner eigenen Partei und in der CSU, eisern Kurs." (S 77) Wie ein roter Faden zieht sich durch Fischers Schilderungen die Sorge um die grüne Regierungsfähigkeit. Besonders augenscheinig wird diese bei der Begründung der Teilnahme am Afghanistan-Krieg. Genau betrachtet führt Fischer nur zwei Gründe für seine Zustimmung zu diesem Krieg an: Den Beweis der deutschen Bündnisfähigkeit sowie den Erhalt der rot-grünen Bundesregierung, da bei einer grünen Verweigerung der Zustimmung zum Kriegseinsatz der Bundeswehr die rot-grüne Bundesregierung schon 2001 von einer großen Koalition abgelöst worden wäre. Wirklich inhaltliche Gründe für den NATO-Einsatz am Hindukusch scheinen für Fischer nur eine untergeordnete Rolle gespielt zu haben. Sehr interessant fand ich die detaillierten Schilderungen zu den Monaten vor dem Irak-Krieg. Fischers Sorge um eine deutsche Isolation im UNO-Sicherheitsrat für den Fall einer französischen Zustimmung zum Irak-Krieg. Die Furcht vor einer Beschädigung der transatlantischen Achse. Die Verärgerung über sozialdemokratische Wahlkampfausflüge in die Untiefen plumpen Anti-Amerikanismus. "Sowohl der Generalsekretär Franz Müntefering als auch der Bundeskanzler verwendeten den Begriff vom "deutschen Weg". (...) Waren die Sozis und das Kanzleramt denn jetzt endgültig von Sinnen?" (S 146) Wer hätte dem aus dem Frankfurter Linksradikalen-Milieu entstammenden Fischer je diese späte Transatlantiker-Karriere zugetraut? Überhaupt ist festzustellen, dass sich Fischer in diesem zweiten Teil seiner Erinnerungen wesentlich kritischer mit den Wurzeln seiner politischen Sozialisation auseinandersetzt. "... seit meinem Bruch mit dem Linksradikalismus Ende der siebziger Jahre hatte ich eine bleibende Sensibilität für und Abneigung gegen jede Form von politischem und intellektuellem Radikalismus entwickelt. Diese Erfahrung war auch die persönliche Ursache für meine tiefe politische Aversion gegenüber den amerikanischen Neokonservativen und der von ihnen beeinflußten Außenpolitik der Regierung Bush." (S 90) Ein besonderes Thema Fischers ist sein Verhältnis zu Kanzler Schröder. Wirkte die Achse Schröder-Fischer, von außen betrachtet, krisensicher und von Vertrauen geprägt, wird anhand Fischers Ausführungen schnell deutlich, dass die Realität deutlich anders ausgesehen hat. Waren die ersten Jahre der gemeinsamen Regierung vom Mißtrauen Fischers geprägt, dass Schröder sein Heil lieber in einer großen Koalition suchen würde, entwickelte sich die zweite Wahlperiode auch nicht spannungsfreier. Fischers Hauptkritik zielt auf Schröder Unwillen, die innenpolitischen Reformen ("Agenda 2010") seiner Partei zu erklären. "... und dadurch wurde aus der Agenda 2010 nur eine "halbe" Reform - praktische Veränderung Ja, neue Sinnstiftung und damit neuer Konsens Nein." (S 234) Auch Schröders einsame Entscheidung zu vorgezogenen Neuwahlen, hält Fischer noch heute nicht für alternativlos. Uneingeschränkt bewundernd hingegen Fischers Beschreibung der Schröderschen Wahlkampfmentalität: "quasi ein Gerd Müller der deutschen Politik." (S 140) Man merkt den Ausführungen Fischers an, dass ihm die wirkliche Krönung seiner politischen Laufbahn verwehrt geblieben ist: der erste EU-Außenminister zu werden. Auch wenn ich Fischer politisch nicht Nahe stehe, muss ich nach der Lektüre dieses zweiten Teiles seiner Erinnerungen konzidieren, dass es schlechter geeignete Kandidaten gegeben hätte. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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