Die Autorin Wilson-Schaef arbeitet mit diesem Buch (Originaltitel: "Addictive Society") heraus, dass wir in einem Suchtsystem leben, wobei viele Merkmale und Prozesse in diesem System erstaunliche Parallelen zur Sucht aufweisen.
Insbesondere sind es die Merkmale Selbstbezogenheit, Unehrlichkeit, Verwirrung, Negativismus, Gefühlsstarre und ethische Verwahrlosung , sowie die Prozesse der Illusion, des Fremdbestimmtseins und des Dualismus, die sowohl für unsere Gesellschaft als auch für den Süchtigen charakteristisch sind.
Es handelt sich um eine tiefgründige Gesellschaftsanalyse, die Anlass zum Nachdenken, an vielen Punkten auch Anlass zum "ja-aber" gibt. Fraglich ist beispielsweise, ob Perfektionismus als charakteristisches Merkmal des Süchtigen gelten kann. Der Suchtbegriff wird von der Autorin nicht kritisch beleuchtet (er ist in der Fachdiskussion umstritten). Des weiteren wird nicht der Versuch unternommen, zwischen Sucht und Zwang zu unterscheiden; die Begriffe werden vielmehr weitestgehend austauschbar verwendet.
In einigen von der Autorin beschriebenen Prozessen zeigen sich Parallelen zu Prozessen, die Fromm bereits beschrieben hat. Dies sind beispielsweise die Ansicht, dass gesellschaftliche Prozesse krankhaft sein können (bei Fromm "Pathologie der Normalität"), das Mangel- oder Nullsummenmodell (bei Fromm "hortende Orientierung" bzw. Orientierung am Haben) und der Prozess des Fremdbestimmtseins (bei Fromm "außengeleiteter Mensch").
Die Autorin wiest am Ende des Buches auf Wege aus der Suchtgesellschaft hin. Diese Hinweise haben natürlich keinen Manualcharakter, was man aber angesichts der Vielschichtigkeit des Themas auch nicht erwarten kann.