Die hilfreichsten Kundenrezensionen
27 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Toller spannender historischer Roman - KEIN Action-Thriller, 28. Februar 2006
Rezension bezieht sich auf: Im Zeichen der Seraphim: Roman (Gebundene Ausgabe)
Gleich mit seinem ersten Roman „Im Zeichen der Seraphim“, im amerikanischen Original erschienen unter dem Titel „The franciscan conspiracy“, überrascht John Sack seine Leser mit einem spannenden und gut recherchierten historischen Roman. Mag sein, dass der Titel des amerikanischen Originals Gedanken und Vergleiche mit Dan Brown aufkommen lässt, diese sind aber absolut nicht angebracht, da John Sack keinen Action-Thriller in der Gegenwart mit mehr oder weniger historischem Hintergrund geschrieben hat, sondern einen historischen Roman, dessen Kernpunkt eine Theorie ist, die als Fiktion betrachtet werden muß, aber dennoch eine theoretische Möglichkeit darstellt, wie es gewesen sein könnte. Das Geheimnis, das der Protagonist in diesem Roman zu entschlüsseln hat, basiert auf der historischen Tatsache, dass die Grabstätte des heiligen Franziskus über ca. 600 Jahre nicht bekannt war und erst im 19. Jahrhundert entdeckt wurde. John Sack verarbeitet als Kernthema seines Romans die Frage, ob es andere Gründe als die Angst vor Reliquienräubern gab, die Grabstätte des heiligen Franziskus zu verbergen. Der junge Eremit Conrad erhält 1271, also 40 Jahre nach dem Tod des heiligen Franziskus, von einem dem Ordensgründer Nahestehenden, die verschlüsselte Botschaft „Lies die Legenden und finde die Wahrheit“. Conrad begibt sich auf die Suche und begegnet viel Widerstand in der Bruderschaft bis hin zu seiner Gefangennahme und Folter im Kerker des Klosters, was ihn aber nur für befristete Zeit daran hindert, weiterzusuchen und dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Unterstützung findet er in Donna Giacoma, einer Adligen und früheren Vertrauten des heiligen Franziskus und der jungen Novizin Amata, die bereits schwere Schicksalsschläge hinter sich hat und einen neuen Weg im Leben für sich sucht. Die Auseinandersetzung von Spiritualen (asketisch oder eremitisch lebenden Bettelmönchen) und Konventualen (Klosterbrüdern) Ende des 13. Jahrhunderts ist ein Thema, das in historischen Romanen noch nicht allzu oft auftaucht. Der bekannteste Roman, der diese Auseinandersetzung thematisiert, ist wohl Umberto Ecos „Der Name der Rose“, wobei Eco die Aufarbeitung auf einem anderen Niveau führt als John Sack. Dennoch erfreut John Sack seine Leser mit vielen historischen Details, die zeigen, dass er intensiv recherchiert hat, und die er überdies so in seinen Roman einbettet, dass der Roman niemals belehrend oder besserwisserisch wirkt. Harmonisch gehen erklärende und erzählende Passagen ineinander über, was durch die leichte und fließende Sprache des Autors unterstützt wird. Das Geheimnis, das der Protagonist Conrad zu lösen hat, wird nicht permanent bearbeitet, tritt sogar manchmal zugunsten anderer Szenen der beiden wesentlichen Handlungsstränge in den Hintergrund. Wer also einen reißerischen Thriller erwartet, könnte enttäuscht werden. Der Historienfreund hingegen wird, neben den Erläuterungen zum Konflikt zwischen Spiritualen und Konventualen, mit Einblicken in die ersten Amtsjahre von Gregor X., unter dessen Amtszeit West- und Ostkirche vereint wurden und das Konklave eingeführt wurde, belohnt. Die Auflösung des Geheimnisses und dessen Einbindung in das Geschehen ist eher unspektakulär, aber durchaus sehr plausibel und die mit der Auflösung verbundene Begründung der Theorie sehr schön dargestellt. Ein Großteil der Romanfiguren sind authentisch und liebevoll ausgestaltet, insbesondere der Eremit Conrad ist ein Charakter mit Ecken und Kanten, wie man ihn als Leser nur genießen kann. Immer wieder blitzt feiner Humor aus den Dialogen der Figuren und den geschilderten Szenen. Sprachlich schön ausgearbeitet und daher umso plastischer ist die Gegensätzlichkeit zwischen Lebensweise und Umfeld der Spiritualen und der farbenprächtigen Umwelt der Händler und Kaufleute. Leider ist die Rolle der Amata in ihrer Darstellung zu modern geraten und der Handlungsstrang, der über ihre Entwicklung geführt wird, erscheint reichlich konstruiert und teilweise anachronistisch. Das ist aber auch das einzige Manko an diesem historischen Roman. Die Aufmachung des Romans ist gelungen, auf dem Cover prangt in rot das Tau, das von Franziskus nicht wegzudenken ist. Sehr schön sind die kleinen Landschaftszeichnungen, die zur Verzierung der Kapitelnummern jeweils hinterlegt sind. Kartenmaterial über das Italien des 13. Jahrhunderts und ein Ausgriff der Gegend um Assisi ergänzen den Roman, leider sind diese jedoch nicht ausführlich genug. Des Weiteren liegt dem Buch ein hilfreiches Lesezeichen mit den Namen der handelnden Personen bei. „Im Zeichen der Seraphim“ ist ein reizvoller informativer und spannender historischer Roman wie man ihn nicht oft unter den Neuerscheinungen findet; ein Roman, den man erst als Schmöker „weglesen“ kann, und den man sich danach noch einmal zur Information und zum Genuß vornehmen kann. Im Epilog erzählt John Sack über das weitere Leben seiner wesentlichen Figuren und merkt zweimal an, dass dies aber eine andere Geschichte sei – ich würde mich sehr freuen, diese Geschichten lesen zu dürfen!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja
Nein
21 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Schöner historischer Schmöker mit wenigen "Konzessionen an die Leihbüchereien", 22. April 2006
Rezension bezieht sich auf: Im Zeichen der Seraphim: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ich war sehr skeptisch, als ich dieses Buch in den Händen hielt, damals als Leseexemplar, das mir der Verlag dankenswerterweise zur Verfügung stellte. Die Werbetexte in der Verlagsvorschau und auf dem Schutzumschlag wiesen auf einen "Kirchenthriller" hin, und wenn dann der Verfasser auch noch aus dem englischsprachigen Raum stammt, speziell den USA, schrillen bei mir alle Alarmglocken. Doch John Sacks Roman "Im Zeichen der Seraphim" ist ein grundsolider, bemerkenswert schön geschriebener und -- gerade für US-Verhältnisse -- außerordentlich gut recherchierter historischer Roman, der in einer spannenden Detektivgeschichte die Problematik zwischen Anspruch und Realität im Christentum und speziell in der Katholischen Kirche behandelt. Da stört es nicht, daß die zugrundeliegende These, man habe den Leichnam des Franziskus verschwinden lassen, um etwas zu verheimlichen, ins Reich der Fabeln und Fiktionen gehört. Als Arbeitsthese für ein fiktives Werk ist ein solcher Kunstgriff schließlich durchaus legitim. Viele Jahre nach dem Tod des Franziskus und seiner bald darauf erfolgten Heiligsprechung werden dem franszikanischen Eremiten Conrad da Offida (1237 - 1306, später seliggesprochen) Unterlagen zugespielt, die ihn veranlassen, seine abgelegene Einsiedelei zu verlassen und sich nach Assissi aufzumachen, um den Gründen für die Ungereimtheiten in der "offiziellen" Schilderung über die Umstände von Franziskus' Stigmata und das Verschwinden seines Leichnams nachzuspüren. Dieser Faden ist sauber gesponnen und in das Gewebe der damaligen Welt eingeflochten. Ein wunderbar geschildertes, spannendes Leseabenteuer, in deseen Verlauf sich allmählich ein Gespinst entfaltet, das am Ende zu einer überraschenden Wende führt. Weniger erfreulich fand ich dagegen den Handlungsstrang um die viel zu moderne Figur der Amata, ein geschundenes und dennoch patentes Mädel, das sich in der bösen Männerwelt durchsetzt und den Prinzen kriegt. Derlei "Konzessionen an die Leihbüchereien" haben mich gelegentlich blättern lassen, um zu sehen, wann es denn nun mit Conrad weitergeht. Im Amata-Strang waren mir auch die Bösen zu platt gezeichnet, zumal sie ansonsten keine echte Rolle spielten. Nichtsdestotrotz haben mir diese "Konzessionen" das Buch nicht vermiesen können, deshalb nur ein Stern Abzug. Endlich mal wieder ein historischer Roman, der diese Bezeichnung auch verdient! Fundiert und wunderbar geschrieben!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja
Nein
18 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Armutsstreit zwischen Idealismus und Machtstreben, 13. Mai 2006
Rezension bezieht sich auf: Im Zeichen der Seraphim: Roman (Gebundene Ausgabe)
Während das amerikanische Original "The Franciscan Conspiracy" (2005) den historischen Hintergrund auf den Punkt bringt, ist der deutsche Titel "Im Zeichen der Seraphim" durchaus geeignet beim Leser mystisch-angelologische Erwartungen zu wecken, die der Roman allerdings nicht erfüllt. Vor dem Prolog wird neben den Repros zweier historischer Dokumente der kritischen Anmerkung des Philosophen Betrand Russells ein Kommentar von Ernest Raymond, dem Autor des Buches "In the Steps of St. Francis" gegenübergestellt. Die am 25.03.1230 in Assisi einsetzende Romanhandlung ist geprägt vom Antagonismus verschiedener Fraktionen innerhalb des "Ordo Fratrum Minorum", der sich nach dem Tode Giovanni Battista "Francesco" Bernardones (Anno 1226), dem Gründer des nach ihm auch als Franziskanerorden benannten Gemeinschaft, herausbildete. So gaben die Zelanti (Spiritualen) die Ideale des Heiligen Franszikus von Assisi in Form mündlicher Überlieferung weiter und wahrten sein Armutsideal in ihren Einsiedeleien. Demgegenüber nahmen die Relaxati (Konventualen), ermutigt durch die kuriale Regelauslegung eine von den Idealen des Hl. Franziskus abweichende Haltung ein. Zu dieser Mehrheit gehörten auch Ordensmitglieder, die sich gänzlich des Armutsideals entledigten, und mit Hilfe reicher Gönner führenden Einfluss im „Seraphischen Orden" und der römischen Kirche erlangten... Mit dem von Gregor X. einberufenen 2. Konzil von Lyon werden dem Leser weitere welt- und kirchengeschichtliche Ereignisse nähergebracht, wie die kurzzeitige Wiedervereinigung von Ost- und Westkirche und, nach den Erfahrungen mit einer dreijährigen Sedisvakanz, die Einführung des Konklave zur Papstwahl. Daneben gibt es noch eine kurze Begegnung mit dem 17jährigen Venezianer Marco Polo, der sich mit seinem Vater und Onkel auf Reisen begibt.... Das Schicksal der drei Protagonisten, dem Mönch Conrad da Offida, des Seemanns und Händlers Orfeo Bernadones, sowie der Adelstochter Amata di Capitano fügt sich neben der Romanversion John Sacks über die Vita des Ordensgründers Franz von Assisi nahtlos in den geschichtlichen Kontext ein. Ein Dramatis Personae und zwei Landkarten runden das Bild dieses hervorragenden historischen Romans ab, der auch, bzw. insbesondere, als Urlaubslektüre vor Ort in Umbrien besonders empfehlenswert ist. Das gleiche gilt für diejenigen Leser, die Peter Berlings "Franziskus oder Das zweite Memorandum" gelesen haben und gerne eine spannende Geschichte darüber lesen möchten, wie es mit dem "OFM" weiterging. 5 Amazonsterne!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja
Nein
|