Es ist kurz vor Weihnachten und Kimmo Joentaa plant das Fest wieder einmal allein zu verbringen, wie immer seit dem Krebstod seiner Frau. Als eine Prostituierte mit den Worten: "Ich bin vergewaltigt worden und möchte das zur Anzeige bringen, du Idiot!" auftaucht, ahnt er noch nicht, dass sie sein Leben genauso verändern wird, wie die Dinge, die in den nächsten Stunden passieren. Ein Gerichtsmediziner aus Kimmos Team wird ermordet aufgefunden und auch ein Puppenmacher, der sich mit den Abbildungen von Leichen beschäftigt, findet einen unnatürlichen Tod. Beiden gemeinsam ist der Auftritt in einer der berühmtesten Talkshows des Landes bei Kai-Petteri Hämäläinen. Als dann auch noch der prominente Talkmaster nur knapp einem Mordanschlag entgeht, scheint klar, dass der Täter ein Motiv haben muss, dass alle drei Männer betrifft...
Eine Prostituierte, die, ohne ihren Namen zu nennen eine Anzeige erstatten will und sich kurz darauf bei dem Kommissar zu Hause einquartiert, ohne etwas von sich zu verraten, ist ein ungewöhnlicher Beginn für einen Krimi. Ungewöhnlich auch, weil man von einem Kommissar nicht erwartet, dass er eine ihm völlig unbekannte Frau so einfach in sein
Leben lässt. Und doch - man nimmt es ihm ab, denn Jan Costin Wagner beschreibt die Einsamkeit und die Sehnsucht nach Nähe mit solch einem feinen Gespür für Stimmungen, dass die Reaktionen des Kommissars fast selbstverständlich erscheinen.
Ein klassischer Plot an dessen Beginn, die Taten stehen, die es nun gilt, aufzuklären - man kennt diese Handlungsabfolgen aus vielen Krimis und es liegt am Autor, wie gespannt man die Geschichte verfolgt.
Wagner hat einen ungewöhnlich dichten und spannenden Erzählstil, bei dem man immer auch einen Hauch Melancholie spürt, so wie man es schon von anderen nordischen Krimis kennt und auch fast ein bisschen erwartet. Trotzdem verfällt er nicht dem "Mankell-Syndrom", das den Leser selbst in düstere Stimmung fallen lässt, sondern er schafft Bilder von starker Intensität, gibt Einblicke in die Psyche von Täter und Ermittler und fesselt damit ans Buch.
Mein Fazit: Ein Krimi, der im Winter spielt und dessen Lesegenuss mit einer Tasse heißen Tee und einer warmen Decke nur noch dadurch gesteigert werden kann, dass draußen langsam ein paar Schneeflocken gegen das Fenster wehen - 5 von 5 Punkten.