"Im Wein liegt Lüge" ist ein reißerischer Titel dem der Inhalt des Buches leider nicht gerecht wird. Aber zum Kauf hat mich vor allem der Untertitel "99 Legenden und Wahrheiten" gebracht. Da ich in der Branche tätig bin wollte ich mich informieren welche Gerüchte denn bei unseren Kunden kursieren.
Die meisten der Legenden werden nicht einfach verworfen (was der Titel ja vermuten ließe) sondern einfach relativiert. Das fällt dem Autor auch nicht schwer, immerhin sind die Legenden so allgemein (oder überspitzt speziell) formuliert, dass schon der gesunde Hausverstand nicht darauf hereinfällt. (z.B. Verschnittwein ist abzulehnen, Guter Wein ist teuer, Genossenschaften machen nur drittklassigen Wein)
Im Vorwort rühmt sich der Autor, er will mit den von verschiedenen (unbewussten) Märchenerzählern postulierten Legenden aufräumen und bietet dieses Büchlein den Lesern als argumentationshilfe gegen die Märchenerzähler. Einige seiten später stellt er eine Reihung der besten Flaschenverschlüsse auf und zitiert aus seinem Erfahrungsschatz. Gerade in diesem Bereich vermisse ich seine Quellen.
Es sind sehr wohl einige der Legenden auch verschiedene Irrmeinungen, wovon kein mir Bekannter Vortragender / Autor oder ähnliche diese Meinungen (z.B. Gute Korken halten ewig, die Reblaus ist ausgestorben oder Weinproben finden am besten Abdens statt, Müller-Thurgau ist eine Kreuzung aus Riesling und Silvaner) vertreten würden.
Allerdings fand ich auch bei einigen "Legenden" für mich interessante Informationen, denen meine Zielgruppe wirklich aufsitzen könnte.
Ansonsten sind die Texte leicht zu lesen und schön gesetzt.
Sympathisch finde ich, dass der Autor am Ende einräumt, dass man über einige der Legenden noch streiten kann.
Das Buch richtet sich Menschen, die beginnen sich mit Wein zu befassen und von Freunden und Kollegen "Tips" bekommen. Diese erhalten mit dem Buch eine Argumentationsgrundlage und relevante Hinweise.
Gegenüber "Kennern" kann das Buch nicht bestehen da diese in der Regel auch wissenschaftliches Hintergrundwissen und mind. genausoviele Praxisbeispiele bei der Hand haben (und diese ja auch ihrem Gegenüber präsentieren können).
Auch wer ein (ernstzunehmendes) Seminar zum Thema Wein besucht hat, kann sich anstelle des Buches auch guten Wein kaufen (der, worauf ja im Buch auch hingewiesen wird, nicht immer teuer sein muss)