... die nachprüfbare harte Fakten chronologisch sortiert auflisten und abhandeln, gewährt Traudl Junge Einblicke in den zentralen, inneren Zirkel einer Nation am Rande des NS- Wahnsinns. Natürlich enthüllt sie mit ihren Erinnerungen keine neuen, bisher unbekannten Fakten, liefert aber Nuancen und unmittelbare Erlebnisse zu bekannten Begebenheiten, die sich nicht durch Dokumente, zeitgenössische Filmaufnahmen oder Geschichtsschreibung rekonstruieren lassen. Dabei liefert sie keineswegs Aspekte, die die schrecklichen Geschehnisse dieser Zeit endlich verständlich oder nachvollziehbar machen. Ja, sie selbst versteht im Rückblick ja nicht einmal wie es zu alldem kommen konnte und das obwohl sie sich mindestens einmal täglich mit Hitler im selben Raum befunden hat. Manche werfen der Ex- Sekretärin des Führers so auch vor, nur Anekdoten zum Besten zu geben und nichts Reflektiertes von wirklicher Relevanz. Ich sehe das anders, es ist einfach spannend die bekannten Ereignisse einmal aus erster Hand geschildert zu erleben- nicht mehr und nicht weniger. Klar war die Rolle, die Traudl Junge zeitweise in ihrem Leben eingenommen hat, eine ganz besondere und schürt geradezu die Hoffnung das Unverständliche zu erleuchten. Unterschwellig scheint dabei auch die Hoffnung mitzuschwingen Traudl Junge könne versichern, dass das NS- Regime durch Hitler & Konsorten allein entstehen konnte und dass das "gewöhnliche" Volk daran keinen oder nur wenig Anteil, geschweige denn Schuld hatte. Dem ist leider nicht so, man muss sich, so schmerzhaft es auch sein mag, sachlich betrachtet eingestehen, dass unsere Ahnen wie auch immer nicht ganz unbeteiligt waren- zu offensichtlich agierten Nazis.
Aber und das ist der Punkt: die Schuld ist verjährt und gesühnt, ohne das Geschehene vergessen machen oder relativieren zu wollen und genau das zeigt Traudl Junge eindrucksvoll.