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Im Spiegel der Sprache: Warum die Welt in anderen Sprachen anders aussieht
 
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Im Spiegel der Sprache: Warum die Welt in anderen Sprachen anders aussieht [Gebundene Ausgabe]

Guy Deutscher , Martin Pfeiffer
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (10 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
  • Verlag: Beck; Auflage: 4 (19. Januar 2012)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 340660689X
  • ISBN-13: 978-3406606892
  • Originaltitel: Through the Language Glass
  • Größe und/oder Gewicht: 22,2 x 14,6 x 2,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (10 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 25.522 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Beeinflusst unsere Muttersprache die Art und Weise, wie wir denken? Diese spannende Frage hält Guy Deutscher nach wie vor für ungeklärt. Seinen zeitgenössischen Forscher-Kollegen unterstellt der in England lebende und lehrende Autor, vor dieser kniffligen Frage zu kneifen. So ist es nur konsequent, sich selbst auf die Suche nach Antworten zu begeben. Allen, die es ganz genau wissen wollen, verrät Im Spiegel der Sprache seine Resultate.

Gründlich legt der Sprachwissenschaftler zunächst dar, welche Diskussionen über „Sprache und Denken“ seit dem 19. Jahrhundert geführt wurden – von Gladstones Thesen zu Homers Farbbetrachtung bis zu wilden Theorien über so genannte primitive Völker. Leser erfahren, wie diejenigen, die annehmen, unsere Wahrnehmung sei kulturell geprägt, sich an jenen reiben, die glauben, Menschen erleben ihre Umwelt von Geburt an weltweit in gleicher Art und Weise. Außerdem erklärt Deutscher im Vorbeigehen das Prinzip der biologischen Evolution. Gleichzeitig räumt der Autor mit kulturrevolutionistischem Unfug auf, in dessen Fahrwasser nicht nur die Sprache der australischen Aborigines eurozentrisch herabgewürdigt wurde.

Zurück zur Grundfrage: Dass unsere Sprache unser Denken beeinflusst – diese These haben Edward Sapir und Benjamin Whorf vehement vertreten. Ebenso entschieden lehnt ein führender Repräsentant der nachfolgenden Forscher-Generation, Noam Chomsky, ihre Theorie ab. Nun bringt Guy Deutscher wieder Leben in die Diskussionsbude. Im Gegensatz zu Chomsky erkennt der Linguist den Einfluss der Muttersprache aufs Denken an. Seine Argumente sind jedoch wesentlich feingliedriger als diejenigen von Sapir und Whorf, die ohnehin als widerlegt gelten.

Um ein populärwissenschaftlicher Knaller zu werden, präsentiert sich Deutschers Sachbuch zu detailversessen. Außerdem wäre es aufgrund vieler Fragezeichen verfrüht, bereits jetzt einen einträglichen Schlussstrich zu ziehen. Wer selbst Ausrufezeichen setzen will, dem empfiehlt der Autor, über die unterschiedliche Wahrnehmung von Farbe, Raum und Geschlechtszuordnungen zu forschen. Schließlich gilt in Abwandlung zu Ludwig Wittgenstein: Worüber man sprechen kann, darüber muss man nicht schweigen. Vor allem nicht, wenn es akademische Lorbeeren zu ernten gibt.
– Herwig Slezak

Kurzbeschreibung

'Ich spreche Spanisch zu Gott, Italienisch zu den Frauen, Französisch zu den Männern und Deutsch zu meinem Pferd.' Die scherzhafte Vermutung Karls V., dass verschiedene Sprachen nicht in allen Situationen gleich gut zu gebrauchen sind, findet wohl auch heute noch breite Zustimmung. Doch ist sie aus sprachwissenschaftlicher Sicht haltbar? Sind alle Sprachen gleich komplex, oder ist Sprache ein Spiegel ihrer kulturellen Umgebung - sprechen 'primitive' Völker 'primitive' Sprachen? Und inwieweit sieht die Welt, wenn sie 'durch die Brille' einer anderen Sprache gesehen wird, anders aus?

Das neue Buch des renommierten Linguisten Guy Deutscher ist eine sagenhafte Tour durch Länder, Zeiten und Sprachen. Auf seiner Reise zu den aktuellsten Ergebnissen der Sprachforschung geht Guy Deutscher mit Captain Cook auf Känguruh-Jagd, prüft mit William Gladstone die vermeintliche Farbblindheit der Griechen zur Zeit Homers und verfolgt Rudolf Virchow in Carl Hagenbecks Zoo auf dem Kurfürstendamm im Berlin des 19. Jahrhunderts. Mitreisende werden nicht nur mit einer glänzend unterhaltsamen Übersicht der Sprachforschung, mit humorvollen Highlights, unerwarteten Wendungen und klugen Antworten belohnt. Sie vermeiden auch einen Kardinalfehler, dem Philologen, Anthropologen und - wer hätte das gedacht - auch Naturwissenschaftler allzu lange aufgesessen sind: die Macht der Kultur zu unterschätzen.


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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
56 von 57 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Biene Maya 2013 HALL OF FAME REZENSENT TOP 50 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Der Zusammenhang zwischen Sprache und Kultur ist in meinen Augen eine der faszinierendsten Angelegenheiten die es zu entdecken gilt und entsprechend gespannt war ich auf das neue Buch des Linguisten Guy Deutscher. Zu Recht! Das Buch ist hervorragend geschrieben und gewährt interessante Einblicke in die Sprach- und Kulturwissenschaft.

Zum Inhalt:
Die Vorstellung, dass die Grenzen unserer Sprache auch die Grenzen unseres Denkens wären, ist immer noch ziemlich populär. Edward Sapir und sein Schüler Benjamin Lee Whorf - v.a. bekannt durch die heute umstrittene Sapir-Whorf-Hypothese von der sprachlichen Relativität - haben dafür gesorgt, dass immer noch vielfach davon ausgegangen wird, dass unsere Sprache eine Art "Gefängnis" ist. Warum dies nicht so ist, aber welchen (recht geringen) Einfluss die Sprache nichtsdestotrotz auf unser Denken hat, zeigt Deutscher hier anhand von drei Beispielen: Farbe, Raum und Genus.
Was bedeutet das nun genau? Deutscher räumt mit falschen Vorstellungen von Natürlichkeit im Zusammenhang mit Sprache auf. Hinter den meisten uns "natürlich" erscheinenden Dingen stecken nämlich kulturelle Konventionen. Das Beispiel Farbe ist verblüffend. Anhand von antiken Texten (v.a. von Homer) zeigt der Autor auf, welche für unser heutiges Verständnis seltsame Farbwahrnehmung die antiken Griechen gehabt haben müssen. "Veilchenfarbene Schafe"? "Weinfarbenes Meer"? War Homer etwa farbenblind?! Warum kommt keine Schilderung des unendlich blauen Himmels bei ihm vor? Und warum kennen heute viele Sprachen noch keine Unterscheidung von blau und grün? Steckt dahinter ein anatomisches Defizit? Diese Frage wird hier eindeutig mit "nein!" beantwortet. Dahinter stecken kulturelle Konventionen - und die sind ganz schön mächtig.
Der zweite ausführlich behandelte Aspekt kreist um die Raumwahrnehmung. Hier berichtet Deutscher von einer Aborigene-Sprache, dem Guugu Yimithirr, das uns übrigens via Cook auch das Wörtchen "Känguru" geschenkt hat. Die wenigen verbliebenen Sprecher dieser Sprache orientieren sich nämlich nicht wie wir im Raum - also nach dem Prinzip egozentrischer Koordinaten (vorne, rechts, links, hinten etc.), sondern anhand der vier Himmelsrichtungen, also geographischer Koordinaten. Während unser Koordinatensystem immer mitwandert (wir sind ja das Zentrum), bleiben die vier Himmelsrichtungen immer gleich, was für uns zu völlig absurden Raumbeschreibungen führt. Statt "dreh mal den Herd ab" sagt ein Sprecher des Guugu Yimithirr z.B. "drehe den Knopf ostwärts" u.ä. - immer davon abhängig wo man gerade steht. Sowohl im Großen als auch im Kleinen wird ausschließlich das Raster der Himmelsrichtungen verwendet ("pass auf, nördlich von deinem Fuß ist eine Ameise!" statt "Vorsicht! Vor deinem Fuß ist eine Ameise!"). Auch in anderen Sprachen (z.B. in Mexico oder auf Bali) existieren ähnliche Systeme, die sich an den Himmelrichtungen oder an Bergen und dem Meer orientieren.
Und schließlich geht es noch um das grammatische Geschlecht, die Genera. Das Deutsche verfügt ja über die Unterscheidung in männlich, weiblich, sächlich. Im Tschechischen unterscheidet man bei der männlichen Kategorie schon zwischen belebt und unbelebt. Nichts gegen Sprachen, in denen es z.B. ein Gemüse-Genus gibt, dem u.a. auch das Wort "erriplan"- Flugzeug angehört. Oder verschieden große Objekte in unterschiedliche Genus-Klassen eingeordnet werden. Aber was bringt diese Unterscheidung mit sich? Vor allem Assoziationen spielen hier eine wichtige Rolle. Deutscher erklärt, was man in verschiedenen Experimenten herausgefunden hat.

Der Autor hat eine Begabung dafür, Wissen unterhaltsam und mit Hilfe unglaublich anschaulicher (und oft auch witziger) Vergleiche zu vermitteln. Wenn ich in Büchern interessante und/oder unterhaltsam vermittelte Passagen finde, lese ich diese gerne meinem Mann vor - "Im Spiegel der Sprache" habe ich im fast vollständig vorgelesen :)
Man erfährt eine Menge über verschiedene Sprachen - z.B. über das ausgeklügelte und für uns entsetzlich kompliziert klingende System der Matses, einem nur noch 2500 Menschen umfassenden Stamm im tropischen Regenwald am Javari (einem Nebenfluss des Amazonas). Die Matses verfügen über das wohl ausgeklügeltste Evidentialitätssystem, das wir kennen. Rechtsanwälte hätten ihre reine Freude daran, denn hier muss bei jeder Aussage, die man trifft, auch immer eine Information über die Quelle vermittelt werden. Man muss also immer unterscheiden, ob man etwas aus eigener Erfahrung sagt, ob man es aus konkreten Anzeichen erschließt, ob man etwas mutmaßt oder ob man etwas allein vom Hörensagen weiß. Vergisst man diese Kategorisierung, gilt das Ausgesagte als Lüge.
Das Buch steckt voller solcher spannender Geschichten, die uns die Augen öffenen über die Rolle der Kultur im Bezug auf die Sprache. Sehr viel mehr möchte ich aber auch noch nicht verraten :) Schließlich ist es immer wieder schön, verblüffendes und überraschendes Neues zu erfahren! Und davon gibt es hier mehr als genug.

Fazit: "In allen Sprachen stecken andere Augen" hat Herta Müller einmal gesagt. Guy Deutscher beschreibt hier auf unterhaltsame und gut verständliche Weise, woran das liegt. Das Buch gehört zu den besten Sachbüchern, die ich dieses Jahr gelesen habe und ich kann es rundum empfehlen!
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13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von W. Öschelbrunn TOP 500 REZENSENT
Warum sind in Homers Ilias der Honig grün und die Schafe violett? War nur Homer blind oder unsere Vorfahren generell nur eingeschränkt in der Lage Farben zu sehen? Oder hatten die Farben in der Sprache jener Zeit einfach andere Bedeutungen? Warum verfügen selbst scheinbar primitive Völker bereits über einen Begriff für die Farbe "rot", nicht aber für das Blau des Himmels? Handelt es sich hier um eine kulturelle oder gar eine biologische Beschränkung?

Ist das Deutsche als Sprache eigentlich komplexer als das Englische? Warum hat das Deutsche zum Beispiel 14 Formen für das Verb "haben", wohingegen das Englische mit "has", "had" und "have" auskommt? Bedeutet diese tiefere Feinstruktur des Deutschen, dass es auch besser für haarspalterische philosophische Betrachtungen geeignet ist? Oder sind nicht alle Sprachen am Ende gleich komplex, das Französische genauso wie die Sprache der Ureinwohner Australiens?

Im Mittelpunkt von "Im Spiegel der Sprache" steht die Frage, ob unsere Sprache die Art unseres Denkens beeinflußt. Denkt ein Navajo-Indianer anders als ein Berliner Döner-Verkäufer? Ist jemand, der einen komplexen Satz nicht unfallfrei über die Lippen zu bringen vermag, überhaupt zu komplexen Gedanken befähigt? Guy Deutscher liefert drei Beispiele, die überraschende Erkenntnisse über die Bedeutung von Sprache für das Denken mit sich bringen.

Wenige Autoren sind wie Guy Deutscher mit der Gabe gesegnet, wissenschaftliche Zusammenhänge, seien sie auch noch so komplex und umstritten, für den Laien verständlich, spannend, ja sogar außerordentlich unterhaltsam darzustellen. Guy Deutscher verläßt hierfür den Elfenbeinturm universitärer Forschung und breitet Anekdoten, Theorien und Widersprüche wie in einem Bauchladen auf dem Flohmarkt der Kuriositäten aus. Er tut dieses allerdings nicht auf Kosten einer klaren Kernthese: Viele sprachliche Phänomene sind mehr durch kulturelle Konventionen und Entwicklungen erklärbar als durch die Annahme von genetischen Limitierungen der Sprecher.

Guy Deutscher erhebt nicht den Anspruch der Unfehlbarkeit seiner Interpretationen. Er schildert Kontroversen und weist auf abweichende Sichtweisen in der Welt der Linguisten hin, so dass dem Leser am Ende vor allem auch die Erkenntnis darüber bleibt, wie wenig wir die Grundlagen unseres Sprechens bisher entschlüsselt haben. "Doch ihr Leser der Nachwelt, vergebt uns unsere Unwissenheit, wie auch wir vergeben denen, die vor uns unwissend waren." (S. 272)
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61 von 66 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Nach <Du Jane, ich Goethe>, einer kurzen Geschichte der Entwicklung der Sprache, legt Guy Deutscher mit diesem Werk nach. Die Beeinflussung der Kultur einer Gesellschaft durch eine bestimmte Sprache, gar die durch Sprache bedingten unterschiedlichen Gedanken und Wahrnehmungen will der Autor verdeutlichen. Dies ist nicht weniger als eine Gegenposition zur modernen Linguistik - und dazu noch eine überzeugende. Deutscher besticht durch anschauliche Beispiele und widerlegt rein genetisch bedingte Sprachtheorien.
Mindestens ebenso interessant ist die Wechselwirkung zwischen Sprache und Sehfähigkeit des Menschen. Die faszinierenden Beispiele, ergänzt durch einen sehr hilfreichen Farbbildteil, lassen einen nicht mehr los und man liest das Buch fast in einem Atemzug.
Ungemein interessant, fachlich fundiert, fesselnd geschrieben und sehr anschaulich. Fazit: sehr lesenswert!
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