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Gründlich legt der Sprachwissenschaftler zunächst dar, welche Diskussionen über „Sprache und Denken“ seit dem 19. Jahrhundert geführt wurden – von Gladstones Thesen zu Homers Farbbetrachtung bis zu wilden Theorien über so genannte primitive Völker. Leser erfahren, wie diejenigen, die annehmen, unsere Wahrnehmung sei kulturell geprägt, sich an jenen reiben, die glauben, Menschen erleben ihre Umwelt von Geburt an weltweit in gleicher Art und Weise. Außerdem erklärt Deutscher im Vorbeigehen das Prinzip der biologischen Evolution. Gleichzeitig räumt der Autor mit kulturrevolutionistischem Unfug auf, in dessen Fahrwasser nicht nur die Sprache der australischen Aborigines eurozentrisch herabgewürdigt wurde.
Zurück zur Grundfrage: Dass unsere Sprache unser Denken beeinflusst – diese These haben Edward Sapir und Benjamin Whorf vehement vertreten. Ebenso entschieden lehnt ein führender Repräsentant der nachfolgenden Forscher-Generation, Noam Chomsky, ihre Theorie ab. Nun bringt Guy Deutscher wieder Leben in die Diskussionsbude. Im Gegensatz zu Chomsky erkennt der Linguist den Einfluss der Muttersprache aufs Denken an. Seine Argumente sind jedoch wesentlich feingliedriger als diejenigen von Sapir und Whorf, die ohnehin als widerlegt gelten.
Um ein populärwissenschaftlicher Knaller zu werden, präsentiert sich Deutschers Sachbuch zu detailversessen. Außerdem wäre es aufgrund vieler Fragezeichen verfrüht, bereits jetzt einen einträglichen Schlussstrich zu ziehen. Wer selbst Ausrufezeichen setzen will, dem empfiehlt der Autor, über die unterschiedliche Wahrnehmung von Farbe, Raum und Geschlechtszuordnungen zu forschen. Schließlich gilt in Abwandlung zu Ludwig Wittgenstein: Worüber man sprechen kann, darüber muss man nicht schweigen. Vor allem nicht, wenn es akademische Lorbeeren zu ernten gibt.
– Herwig Slezak
Das neue Buch des renommierten Linguisten Guy Deutscher ist eine sagenhafte Tour durch Länder, Zeiten und Sprachen. Auf seiner Reise zu den aktuellsten Ergebnissen der Sprachforschung geht Guy Deutscher mit Captain Cook auf Känguruh-Jagd, prüft mit William Gladstone die vermeintliche Farbblindheit der Griechen zur Zeit Homers und verfolgt Rudolf Virchow in Carl Hagenbecks Zoo auf dem Kurfürstendamm im Berlin des 19. Jahrhunderts. Mitreisende werden nicht nur mit einer glänzend unterhaltsamen Übersicht der Sprachforschung, mit humorvollen Highlights, unerwarteten Wendungen und klugen Antworten belohnt. Sie vermeiden auch einen Kardinalfehler, dem Philologen, Anthropologen und - wer hätte das gedacht - auch Naturwissenschaftler allzu lange aufgesessen sind: die Macht der Kultur zu unterschätzen.
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