Die Überschrift hört sich schlimmer an, als ich es empfand. Denn Oliver Bottini hat eine angenehm lesbare Sprache, anspruchsvoll aber nicht abgehoben, die Gedankengänge in diesem Buch sind gut geschildert, man empfindet mit den Charakteren. Louise als ehemals Alkoholikerin und ihre Schwierigkeiten, ihre Kämpfe, sind so treffend geschrieben, dass der Leser ihren innerlichen Zwiespalt richtig spürt.
Und ihr Chef, Herr Almenbroich war mir sympathisch. Endlich mal wieder ein alter Mann mit Würde, der Verständnis hat für sie - aber sich auch gewissen Regelungen nicht widersetzen kann. Solche Leute mag ich, vor allem in Krimis.
So weit, so gut.
Wenn ich zurückdenke, zum Beispiel an meine dreieinhalb Sterne für Thomas Kasturas: Der vierte Mörder und gar an die vier Sterne für Andrea Schenkels: Tannöd - dann kann ich Bottini hier nur drei Sterne geben.
Weil: Im Sommer der Mörder ein angenehm lesbares Buch ist, gute Beschreibungen, interessante Charakterschilderungen, ist ja alles da - aber der Kriminalfall an sich mir zu langweilig war. Würde in der Realität ein illegales Waffenlager in einem Dorf gefunden werden, spielt es sich vermutlich genau so ab, wie hier beschrieben. Keine schnelle Action, keine Verfolgungsjagden, sondern in erster Linie eine Streiterei der Instanzen. Viel Kleinarbeit und Herumfahren.
Ausnahmsweise ist mir mal so Manches in diesem Krimi einen Hauch zu authentisch und real gewesen. Es machte das Buch schlichtweg trocken.
Während des Lesens habe ich mich oft dabei erwischt, dass mir die Auflösung des Falls eigentlich egal war. Die Menschen als Privatpersonen waren nicht uninteressant, aber der Fall hat es traurigerweise nicht geschafft, mich wirklich zu packen.
Der zweite Kritikpunkt: Zu viel Bezug auf den vorigen Fall von Louise. Ich bin bestimmt nicht der einzige Leser hier, der nur: Im Sommer der Mörder gelesen hat. Mich stört es keinesfalls, wenn die Hauptperson eine gewisse Geschichte aus vorangegangenen Büchern erzählt, aber hier war zu viel Vergangenheit zu präsent und hat den aktuellen Fall behindert.
Ich hätte mir gewünscht, Bottini hätte die Energie, die er an die Erinnerungen von Louise aufgewendet hat, lieber in eine packende aktuelle Story investiert.
Zusammenfassend würde ich dieses Buch Leuten mit viel Zeit empfehlen, die sich gerne näher mit den Kontrahenten eines Buches auseinandersetzen - für ein verregnet graues Wochenende ist dieses Werk geeignet und Leuten mit hohem sprachlichen Anspruch ist Bottinis Stil vielleicht sogar mehr Wert, als vordergründig eine spannende Kriminal-Handlung.