Wer schon andere Bücher von Hamilton gelesen hat, wird es schon wissen und allen anderen sei es hiermit gesagt: Es ist eine Freude, seine Romane zu lesen. Dieser Band ist dafür ein besonders schönes Beispiel.
Es macht einfach Spass zu lesen, welche Ideen der Autor hier geschickt mit einer spannenden Story verwebt. Die Geschichte entwickelt sich auf verschiedenen Handlungsebenen, die immer mehr aufeinander zulaufen. Was in den ersten beiden Bänden "Träumende Leere" und "Schwarze Welt" begonnen wurde, wird hier grandios fortgesetzt. Man spürt förmlich, dass im kommenden, letzten Band der Trilogie gleich mehrere Konflikte ihre Auflösung und ihren Höhepunkt finden werden. (Der erste Band des englischen Originals wurde in der deutschen Ausgabe ja leider zwecks Profitmaximierung in zwei Bände aufgesplittet.)
Ich möchte hier gar nicht soviel spoilern. Grade die Verknüpfung auch zur "alten" Commonwealth-Saga und die sich aufzeigenden Verbindungen zwischen den verschiedenen Erzählebenen machen einen großen Teil des Lesevergnügens aus. Daher nur eine ganz knappe Darstellung:
Edeard lernt sie dunklen Seiten Makkathrans kennen, findet aber seinen eigenen Weg und entdeckt sein volles Potential. Paula Myo erkennt einige unerfreuliche Verbindungen und sieht sich mit einem Geist aus der Vergangenheit konfrontiert. Die ANA Fraktionen treiben weiter jede ihre eigenen Vorstellungen voran und geraten dabei in immer stärkere Konflikte zueinander. Troblum macht eine wirklich spannende, aber auch mysteriöse, Bekanntschaft. Die Navy erlebt einige unerfreuliche Überraschungen. Araminta versteht langsam die Zusammenhänge und entdeckt ihr Erbe.
All diese vielen Geschichten werden parallel erzählt und jede von ihnen hat ihre eigene Berechtigung. Grandios sind sie aber im Zusammenspiel. Die Geschichte des Waterwalkers beispielsweise scheint in den ersten Bänden losgelöst zu sein von den anderen Handlungsebenen. "Im Sog der Zeit" werden die Zusammenhänge deutlich. Die Tatsache, dass ausgerechnet Gore - der sympathischste, misanthropische Philanthrop der Galaxis - dabei eine große Rolle spielt, hat mich allein bei dieser Szene mehrfach zum Lachen gebracht.
Die Charaktere sind gut gezeichnet. Haben ihre Macken und Eigenheiten. Manche schließt man richtig ins Herz, andere erscheinen so richtig schön gemein und abstoßend. Die daraus erwachsenden Konflikte machen neugierig darauf, wie es weitergeht und wer sich wann, wie und warum durchsetzen wird. Hinzu kommen die erwähnten Ideen Hamiltons: Unsterblichkeit, überlichtschnelle Raumschiffe, Welten, in denen man mit Gedankenkraft die Realität verändern kann, außerirdische Bedrohungen, und und und. Das tolle an all diesen Einfällen ist, dass sie dem Erzählen einer spannenden Geschichte dienen und kein Selbstzweck sind. Natürlich finden sich auch hier immer mal wieder kurze Beschreibungen der inzwischen alltäglich gewordenen, technischen Möglichkeiten. Meist dient dies jedoch dem Vorantreiben der Story oder macht die Welt für den Leser besser vorstellbar und verständlich.
Letztlich behandelt der Roman viele der ältesten Fragen: Wer sind wir? Was sollen wir tun? Was ist das gute Leben? Was ist der Mensch? Gibt es einen freien Willen? Jeder Leser wird darauf seine eigenen Antworten finden.
Wirklich tolle und schön zu lesende Unterhaltung, die auch zum Nachdenken anregt. Fünf Sterne! Pflichtkauf für jeden Science-Fiction Fan. Ich freue mich schon sehr auf den nächsten Band.
Ein Kritikpunkt soll nicht unerwähnt bleiben: die Übersetzung, bzw. das Lektorat sind teilweise nicht ganz sauber. Leider stolpert man immer mal wieder über Rechtschreibfehler und unschöne Formulierungen/Übersetzungen. Die sind nicht so schlimm oder zahlreich, dass sie einem das Lesevergnügen vermiesen. Aber ich bin doch immer wieder über solche Fehler gestolpert und habe mich darüber geärgert. Da sollte der deutsche Verlag in Zukunft wirklich sauberer arbeiten.