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5.0 von 5 Sternen
Held im Eis, Looser im Leben, 9. Januar 2001
Rezension bezieht sich auf: Im Schatten (Gebundene Ausgabe)
Jeder kennt Nansen und jeder kennt Amundsen. Aber wer kennt Hjalmar Johansen? Wer weiß schon, daß er mit beiden unterwegs war, daß er Sie bei Ihren berühmten Touren begleitet, oder zumindest unterstützt hat? Vielleicht hing meine Faszination bei diesem Buch mit der besonderen Situation zusammen, daß ich beim Lesen in einer verschneiten Hütte in Norwegen bei -20 Grad saß. Im Flur hing meine Gore-Tex-Jacke mit dickem Fleece und der Kamin brannte. Aber bei jeder Skitour mußte ich an Johansen denken. Was sind das für Menschen, die bei solchen extremen Bedingungen mit einfachsten Mitteln und Kleidung zum Teil über Jahre in Schnee und Eis (über-)leben und sich immer wieder antreiben weiterzumachen, ohne mittelfristige Aussicht auf Besserung. Ich habe dieses Buch in 2 Tagen durchgelesen und habe ähnlich wie bei Krakauer's "In eisigen Höhen" sowohl fassungslos den Kopf geschüttelt und war gleichzeitig fasziniert von diesem extremen Leben. Gut gefallen hat mr dabei die recht nüchterne Art des Autors R.J. Kvam, mit er die Geschichte(n) des Hjalmar Johansen erzählt.
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5.0 von 5 Sternen
Niedergang eines Schattenmannes, 20. Dezember 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Im Schatten (Gebundene Ausgabe)
Aufgespannt zwischen den beiden kältestarrenden Polarregionen der Erde, vollzieht sich die Lebensniederlage von Hjalmar Johansen. So weitreichend wie der geographische Rahmen ist auch die Vielschichtigkeit dieses Buches. Im Zentrum steht die sorgfältig recherchierte Biographie Johansens, die im Desaster des Selbstmordes endet. Er war der einzige, der mit Fridtjof Nansen und Roald Amundsen - den legendären norwegischen Eroberern der polaren Eisbastionen - unterwegs war, sowohl zum Nord- als auch zum Südpol.
Spannend geschriebene Nacherzählungen legendärer Expeditionen hat man auch schon anderswo gelesen, doch das Buch von Ragnar Kvam taucht unter die Oberfläche und öffnet den Blick für Zusammenhänge. Die Triumphe des „Davids" Norwegen in den Polgebieten sind eng verknüpft mit der nationalen Identitätsfindung des damals noch jungen Staates im politischen Abnabelungsprozeß von Schweden. Hinterfragt wird auch die Sinnhaftigkeit menschlicher Extremleistungen, deren Hauptziel es ist, als erster auf einem weit abgelegenen Flecken Erde zu stehen, der ringsum von lebensabweisender Ödnis umgeben ist.
Der Autor seziert das Scheitern eines Menschen, der uns nicht unbedingt sympathisch sein muß - allzu oft manövriert sich Johansen in ausweglose Verhältnisse -, doch die Widersprüchlichkeit seines Charakters wird verständlich. Nur in den lebensfeindlichen Wüsten aus Eis und Finsternis vollbringt Johansen Großartiges: Fridtjof Nansens Marsch zum Nordpol rangiert längst im Pantheon der Expeditionsliteratur. Ohne Johansen wäre diese arktische Tour de force niemals möglich gewesen - so die interessante Hypothese von Ragnar Kvam. Johansen verträgt die unerbittliche Kälte besser, ist zäher und bedachter, kann besser mit den Schlittenhunden umgehen. Die eisige Festung des Nordpols bleibt für die beiden Arktisfahrer uneinnehmbar, aber im Niemandsland der Breitengrade setzen sie eine neue nördliche Rekordmarke.
Nach Hause zurückgekehrt, findet sich Nansens „Schattenmann" im Alltagsleben nicht zurecht. Wiederholter Alkoholabusus zerstört die militärische Laufbahn und die Ehe, gesellschaftlich isoliert und finanziell am Ende, wird Johansen wiederholt zum Bittsteller. Nach zermürbenden 14 Jahren scheint Rettung in Sicht. Roald Amundsen rüstet zum Marsch auf den Südpol. Doch der erste Vorstoß verfängt sich bei minus 50 Grad Kälte und blindem Schneegestöber. Amundsens Vorbereitung ist gefährlich dilettantisch gewesen, beim überhasteten Rückzug läßt er als Expeditionsleiter einen Teil seiner Mannschaft in Stich und riskiert damit das Leben der Männer. Johansen stellt ihn daraufhin zur Rede. Seine Bestrafung ist niederschmetternd - er wird von der Eroberung des Südpols ausgeschlossen. Amundsen kehrt später als Triumphator nach Norwegen zurück, während Johansen anonym und gedemütigt seine letzte große Reise beendet.
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5.0 von 5 Sternen
Unbedingt Empfehlenswert, 27. März 2000
Rezension bezieht sich auf: Im Schatten (Gebundene Ausgabe)
Seit einiger Zeit beschäftige ich mich mit der Entdeckung der Polargebiete. Nansen und Amundsen haben Hjalmar Johansen sehr unterschiedlich in ihren Büchern beschrieben und so war ich doch sehr gespannt, als ich von diesem Buch erfuhr. Wie so oft nimmt die Anzahl der Meinungen und Deutungen mit der Anzahl der Quellen zu, so daß es unbedingt ratsam ist, sich so vieler Quellen wie möglich bei der eigenen Meinungsbildung zu bedienen. Herrn Kvam ist es gelungen ein aus meiner Sicht zwar sehr "Johansen-sichtiges" Buch zu schreiben, aber genau das war wohl auch sein bestreben. Neben den unzähligen Informationen zu Johansen selbst, seinen Eindrücken und Empfindungen (offensichtlich seinene Tagebüchern entnommen) erfährt man auch eine Menge über die norwegischen Nationalhelden Nansen und Amundsen, was man in der Form sicherlich nicht so schnell woanders findet. Wer also Interesse an dem Thema hat, sollte auf alle Fälle dieses Buch lesen. Nichts desto trotz gehören die Werke wie "Farthest North" d.h. "In Nacht und Eis" von Fridtjof Nansen, "The Last Place on Earth" von Roland Huntford und "Die Eroberung des Südpols 1910 - 1912" von Roald Amundsen mit auf die Leseliste.
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