Dies ist meine zweite Rezension eines Dübell-Bandes. Wie beim ersten Mal freue mich einerseits, das Buch gelesen zu haben, und andererseits, Richard Dübell als Autor entdeckt zu haben. Was ich bei fast allen historischen Romanen deutscher Autoren vermisse: Humor, Ironie, glaubhafte Charaktere, schlüssige und rasante Stories und die unverstellte Leidenschaft, eine Geschichte zu erzählen - Dübell hat es!
Allein schon die ebenso komischen wie tieftraurigen Brüche in der Anlage seiner Hauptpersonen: Bruder Ulrich soll die gestohlene Reliquie des Klosterheiligen St. Albo im nahen Köln finden, aber Bruder Ulrich hat die Reliquie schon immer gehasst, und es gibt nur eines, das ihm noch mehr Unbehagen bereitet - Köln; Rinaldo bietet sich an, Ulrich zu helfen, plant im Stillen, ihn zu betrügen, und ist dabei doch nur auf der Suche nach jemandem, den er als Freund akzeptieren kann; Jörg von Ahaus ist ein abgebrannter Kreuzritter, der allein für sich eine ganze Belagerungsarmee darstellt, doch er hat Angst, nach Hause zurückzukehren, weil dort eine unglückliche Liebesgeschichte auf ihn wartet; und eine der spannendsten weiblichen Hauptfiguren, die ich kenne, Barbara, die nur noch eine Tat im Leben vollbringen will, nämlich, Bruder Ulrich zu ermorden...
Die Geschichte spielt sich innerhalb weniger Tage in Köln ab, vor dem Hintergrund des mittelalterlichen Reliquienwahns, der nirgends skurrilere Blüten trieb als in Köln, der damals größten Stadt des Deutschen Reichs. Ich habe schallend gelacht und wenige Seiten weiter Tränen in den Augen gehabt, ich habe nicht aufgehört zu lesen, und wenn ich eine Kritik habe, dann nur die, dass die Geschichte keine fünfhundert Seiten hat...