Die Schmiedegesellin Zita geht auf die Walz - ausgerechnet in der Wildermark, wo Kriegsherren von eigenen Gnaden regieren. Dort begegnen ihr Orks, die ihre eigenen finsteren Pläne mit dem götterverlassenen Landstrich haben, und der Schwertgeselle Ulfberth, der die Orks mit allen Mitteln bekämpft.
Positiv fallen bei diesem Roman zuerst die Charaktere auf (auch wenn damit jetzt fünf Protagonisten mit tragischer Vergangenheit in den letzten sieben DSA-Romanen vorkommen). Besonders die Hauptfiguren sind ausgesprochen gut ausgearbeitet: Die Schmiedin Zita, die weiß, dass sie ein Problem mit Autoritäten hat, und der volksnahe, depressive Ulfberth sind ungewöhnlich und angenehm klischeefrei, bleiben aber im Rahmen des glaubwürdigen. Auch die Rückblenden wirken nicht aufgesetzt, sondern tragen zur Charakterisierung Zitas bei. Zusätzlich sind alle Figuren mit einer glaubwürdigen Motivation versehen.
Die depressive Grundstimmung in der umkämpften Wildermark ist ebenfalls gut eingefangen. Die Darstellung ihrer Bewohner als kriegsmüde Leute, die alles tun, um zu überleben, weiß zu überzeugen. Außerdem merkt man, dass die Autorin sich bei DSA auskennt: Die aventurische Stimmigkeit ist sehr hoch, leichte Abzüge gibt es nur in Rechtskunde und in Zwergenkunde.
Leider gibt es auch ein paar negative Punkte. Das Buch liest sich etwas zäh, was zum einen am Stil der Autorin liegt, deren Neigung zu Bandwurmsätzen den Lesefluss hemmt. Zum anderen mangelt es ihr an Dramaturgiegespür. Wenn Zita auf der Burg das Schwert schmiedet, zeigt das zwar, dass die Autorin Ahnung von der Materie hat, nimmt aber unnötig Tempo aus der Geschichte. Außerdem ist der letzte Teil des Buchs ein wenig unglaubwürdig und ein richtiges Finale fehlt. Die ständigen -egal wie unpassenden- Anspielungen auf Ulfberths gutes Aussehen erinnern zudem an einen gewissen Glitzervampir.
Den Kardinalfehler begeht die Autorin aber gleich zu Anfang, indem sie die Ergebnisse ihrer Spielrunde aus dem Abenteuer "Von eigenen Gnaden" offiziell macht. Es hat einen Grund, dass in allen Publikationen immer nur von "einer Gruppe Abenteuerer" geredet wird, die ein Abenteuer bestanden haben, bzw. in diesem Fall von den "Herren von Zweimühlen": Die konkrete Nennung von Figuren ist ein Schlag ins Gesicht von anderen Spielern, die dieses Abenteuer ebenfalls gespielt haben und die sich jetzt wundern dürften, warum ein Gjalskerländer Schmied Herr von Zweimühlen ist und nicht ihr Held.
Empfehlenswert ist das Buch besonders für die DSA-Spieler, die es demnächst in die Wildermark verschlägt. Durch die gut eingefangene Stimmung kann man "Im Schatten der Esse" durchaus als Anregung oder Spielhilfe nutzen. Auch wer einen Schmied oder Ingerimm-Geweihten spielen möchte, wird sich über die Anregungen und die detaillierten Beschreibungen des Schmiedens freuen. Alle anderen sollten zuerst probelesen.