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Auch in Im Saal der Mörder steht ein außergewöhnliches Bauwerk im Zentrum der Handlung. Das kleine Dupayne Museum im feinen Londoner Stadtteil Hampstead ist den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen gewidmet. Als eine Entscheidung über den Fortbestand der Sammlung ansteht, wird eines der drei Geschwister, die die Erbengemeinschaft bilden, auf grässliche Weise getötet. Das Misstrauen zwischen den beiden Überlebenden scheint unüberwindbar. Commander Adam Dalgliesh von New Scotland Yard muss seine Verabredung mit der Dozentin Emma Levanham absagen und sich einem Fall widmen, der seine Wurzeln weit in der Vergangenheit zu haben scheint...
Angesichts von P. D. James äußerst literarischer, bisweilen geradezu archaischer Sprache mag so manchen Leser die Sehnsucht nach einer ordentlichen Portion Vulgarität überkommen. Vor allem die Dialoge sind in einem Maße gestelzt, das das Erträgliche gelegentlich übersteigt. Andererseits ist es eine Wohltat, in eine Welt entführt zu werden, in der die Menschen vor dem Einschlafen warme Milch trinken und eine Vorliebe für Gedichte hegen. Und endgültig großartig wird es, wenn die Autorin ihre eigene Schwäche thematisiert und Kritik an der Rückwärtsgewandtheit ihres Landes übt. Fesselnde Geschichten weiß P. D. James allemal zu erzählen. Ihr stoischer Blick auf die Unvollkommenheit des Menschen und das in uns allen schlummernde Gewaltpotenzial machen sie zu einer wirklich großen Schriftstellerin. --Helge Basler -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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Leider hat Mister Dupayne bereits das Zeitliche gesegnet und nun müssen seine Erben sich darüber klar werden, was mit dem Museum zu geschehen hat. Allerdings müssen sich laut Testament alle drei Erben einig sein, doch sie sind es nicht. Und so ahnt der geneigte Krimileser bereits, dass gerade denjenigen, der am Vehementesten für eine Schließung des Museums stimmt, ein absolut brutales Ende ereilt, das auch im Saal der Mörder bereits gruselig dargestellt wurde.
New Scotland Yard schickt seinen fähigsten Mann. Commander Adam Dalglish, der eigentlich viel lieber mit seiner neuen Flamme Emma Lavenham das neue, zaghafte Glück verbringen möchte, nimmt seine Ermittlungen auf und findet auch schnell eine wichtige Zeugin. Tally Clutton, eine alte Dame, wohnt in einem Cottage hinter dem Museum und hilft dort gelegentlich aus, aber die Hand des Mörders ruht nicht.
Phyllis Dorothy James wurde 1920 in Oxford geboren. In ihrem sechzehnten Roman "Im Saal der Mörder" schreibt die Queen of Crime, seit 1982 Baroness James of Holland Park, in typisch britischem Schreibstil einen Krimi, der nicht unbedingt von großer Spannung lebt, sondern eher in der liebevoll, skurrilen Beschreibung von Menschen, die in unseren Augen "very british" wirken. Auf den ersten hundertfünfzig Seiten lernen wir sämtliche Personen kennen, ohne dass auch nur im Geringsten ein Hauch von Handlung oder Spannung aufkommt.
In der Übersetzung von Christa E. Seibicke liest sich das Buch sehr flüssig, ohne dass dem Leser größere gedankliche Hürden in den Weg gelegt werden, doch in vielen Passagen wünscht man sich ein wenig Straffung auf das Wesentliche, denn Lady James zelebriert genüsslich den verschnörkelten Schreibstil einer Zeit, als man Mordfälle weniger mit der Raffinesse aktueller Forensiker klärte, sondern mit der zweifelhaften Logik eines Sherlock Holmes. Dazu gehört auch, dass hier jeder Ort der Handlung, und sei er auch noch so untergeordnet, mit Genuss und Akribie im kleinsten Detail beschreiben wird, so dass sich der Leser die düsteren Gemächer des Museums und seiner Umgebung nur all zu gut vorstellen kann.
Was hier vielleicht negativ klingt, gibt diesem Buch aber auch seinen eigenen Reiz und verleitet den Leser nicht nur zum Gähnen, sondern sehr oft auch zum Schmunzeln, ob der versponnenen Charaktere, deren Psychogramm P. D. James perfekt ausgearbeitet hat. Jede einzelne Person hat ihren Hintergrund, ihre Macken und ihren exakt geführten Lebenslauf. Und wenn man der Logik der Autorin folgt, dann können die Beteiligten im Saal der Mörder gar nicht anders handeln.
Natürlich gibt es auch in diesem Krimi überraschende Wendungen, aber sie sind so unheimlich logisch konstruiert, dass man im letzten Drittel des Buches fast auf diese Wendungen wartet. Es wäre ein Wunder würde dieser Roman nicht genau so ausgehen, wie alles passiert. Und dann möchte man am Ende der 525 Seiten am liebsten Beifall klatschen, wenn der gute Commander Dalglisch endlich .... aber das lesen Sie am Besten selbst.
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