Irgendwo in den Tiefen des Himalaja: Zwischen Gletschern, Schneeböen und Eiseskälte wandern ein junger Prinz und sein Mentor. Der heranwachsende Dil Bahadur muss auf einer jahrelangen Reise körperliche und geistige Fitness erlernen, bevor er das Königsamt im Verbotenen Reich übernehmen kann.
Auf der anderen Seite der Welt bereiten sich die Journalistin Kate, ihr Enkel Alex und dessen südamerikanische Freundin Nadia auf eine Expedition in genau dieses Land vor. Und schon ist man mitten im „Reich des Goldenen Drachen", wie Isabel Allendes zweiter Jugendroman heißt. Der Mix aus Fantasy und Realismus holt den Leser in eine exotische Welt, dessen Kultur nichts mit westlichen Lebensweise zu tun hat: Im Verbotenen Reich gibt es weder Strom noch Technik. Und doch können die Protagonisten aus den gegensätzlichen Teilen der Welt die drohende Gefahr nur abwenden, wenn sie zusammenhalten. Der heutzutage viel beschworene Kampf der Kulturen entpuppt sich in diesem Roman als mutige Zusammenarbeit, die in einer tiefen Freundschaft endet. Demgegenüber stehen finstere Berufskiller, die im Verbotenen Reich eine fürs Volk lebenswichtige heilige Statue rauben. Der Oberschurke, der sich schlicht „der Sammler" nennt, ist die Inkarnation des Bösen: „Er hatte errechnet, welcher Prozentsatz der Weltbevölkerung sich im Krieg befinden musste, damit das Geschäft mit den Waffen optimal lief." So treffen Gut und Böse schon bald aufeinander: Es geht um Königmord, Raub, Entführung. Yetis sind auch mit dabei.
Das Aufeinandertreffen der Kulturen webt Allende mit viel Fingerspitzegefühl in die Handlung ein. So erfährt der Leser einiges über den Buddhismus, dem die Einwohner des Verbotenen Reiches nachgehen. Man spürt förmlich das Geröll unter den Füßen, wenn die Charaktere tödliche Gletscherspalten überwinden oder von ihren Verfolgern gehetzt werden. Die Abenteuer, die Alex, Nadia und Dil Bahadur gemeinsam bestehen, erinnern sogar ein wenig an die Bande aus Harry Potter. Auf lange Lesenächte sollten sich hierbei aber auch Erwachsene einstellen.